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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Sie macht alles platt, was ihr im Weg liegt
Zwischenüberschrift:
Dallmanns Dampfwalze ist Sonntag beim Dampflokfest am Piesberg im Einsatz
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Sie wiegt glatte zwölf Tonnen, und wenn ihre Räder mit Sand gefüllt werden, kommen noch anderthalb Tonnen dazu. Dallmanns Dampfwalze hat von 1925 bis 1963 alles platt gemacht, was ihr in den Weg gelegt wurde. Am Sonntag wird das Ungetüm beim Dampflokfest am Piesberg Schotter walzen.
Die Berliner Maschinenbaufabrik Schwartzkopf hat das Schwergewicht vor 86 Jahren gebaut. Heute soll es nur noch drei Exemplare davon geben. Und nur diese eine sei so perfekt erhalten und noch voll funktionstüchtig, sagt Horst Dallmann, der Geschäftsführer des Tiefbauunternehmens Dallmann in Bramsche.
Ihm gehört die Maschine, die 1930 von der Firma in Dienst gestellt wurde. Im Krieg zog die Wehrmacht die Dampfwalze ein. Später durften die Dallmänner sie zurückkaufen mit einem Kesselschaden, der wohl auf unsachgemäße Bedienung zurückzuführen ist. Die Reparatur der Feuerkiste bei Jumey in Osnabrück kostete damals schon 10 000 Mark.
In den Folgejahren dampfte der Koloss mit maximal 5, 7 Stundenkilometern von Baustelle zu Baustelle. Eine davon war die Bundesstraße zwischen Engter und Venne. Im Schlepptau der Dampfwalze war immer ein Kesselwagen mit Wasser, dazu kam ein zweiachsiger Bauwagen, in dem der Fahrer wohnte. Wenn der verheiratet war, so erzählt Horst Dallmann, dann fuhr auch die Frau mit. Und wenn nicht, " dann mussten wir die Bettwäsche dahin bringen".
Der Tiefbauunternehmer aus Bramsche hat den dampfenden Oldtimer vor 16 Jahren als Dauerleihgabe bei Gerhard Reinking aus Bad Rothenfelde stationiert. Der 62-jährige Architekt ist seit vielen Jahren bei der Museumseisenbahn Bruchhausen-Vilsen engagiert und weiß den Dampfkessel, die Ventile und Hebel zu bedienen. Am Sonntag wird er auf Einladung des Museums Industriekultur vor dem Magazingebäude am Süberweg mit dem kohlebefeuerten Veteranen Schotter walzen. " Dampf ist ein zentrales Thema für uns", sagt Museumsdirektor Rolf Spilker.
An jeder Schraube des blauen Boliden hat Gerhard Reinking schon gedreht, noch vor einem Jahr hat er neue Feuerroste eingebaut. Er weiß auch, dass mit dem Kessel nicht zu spaßen ist. Bei Bergabfahrt kann es passieren, dass über der Feuerkiste kein Wasser mehr steht. Für einen Heizer ist das ungefähr so bedrohlich wie eine trockengelegte Reaktorkammer im Atomkraftwerk. In Bitterfeld sei eine 130 Tonnen schwere Maschine mal 80 Meter weit geflogen, als der Kessel explodierte, erzählt Gerhard Reinking.
Damit nichts passiert, behält er das Wasserstandsglas ständig im Blick. Zur Sicherheit gibt es zwei Prüfhähne, mit denen der Maschinist den Pegel im Kessel erkennen kann.
In den Kessel passen bei mittlerem Wasserstand 460 Liter. Weitere 550 Liter sind unter dem Führerstand gebunkert. Darüber ist noch Platz für 250 Kilo Kohle. Und welche Leistung bringt das schwere Vehikel auf die Straße? Nach heutigen Normen wären das 72 PS, rechnet Gerhard Reinking vor.
In einem Punkt übertrifft die Dreiradwalze alle ihre Nachfahren: Das Gewicht von zwölf Tonnen würde im heutigen Straßenbau eher als Last empfunden. Moderne Rüttelwalzen sind deutlich leichter, weil sie nach einem anderen Prinzip verdichten. Vielleicht kommt es da auch nicht so leicht zu Kollateralschäden. Das schlimmste Malheur, das Gerhard Reinking mit der Dampfwalze passiert ist, war eine platt gewalzte Bordsteinkante.

Bildergalerie
auf www.noz.de

Bildtexte:

Ein Schwergewicht, das nicht einfach zu bedienen ist: Gerhard Reinking wird am Sonntag mit der Dampfwalze am Museum Industriekultur Schotter verdichten.

Von 1925 bis 1963 war die Walze in Betrieb.

Als Dauerleihgabe hat Horst Dallmann (links) die Dampfwalze bei Gerhard Reinking in Bad Rothenfelde stationiert.

Der Kessel des Dampf-Oldtimers.

Fotos:

Jörn Martens

Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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