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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Arrangierte Zufriedenheit im Westen
Zwischenüberschrift:
Die Adolfstraße vor 100 Jahren
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Der Blick in die Adolfstraße etwa um 1910 ist wiederum ein Beispiel für die aus heutiger Sicht erstaunlich unspektakuläre Motivauswahl der Ansichtskartenverlage jener Tage. Deren Repertoire beschränkte sich nicht auf die Hauptsehenswürdigkeiten wie Rathaus, Waterloo-Tor und Dom, sondern zeigte, wie in diesem Fall, gern auch Vorstadt-Straßen ohne herausragende Bauwerke.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass die westliche Stadterweiterung mit den schnurgerade verlaufenden Wohnstraßen Herder-, Uhland-, Adolf-, Masch- und Auguststraße damals durchaus noch als moderne Errungenschaft galt. Die Zeiten des " Festungsgebots", als nur innerhalb der engen Stadtmauern gebaut werden durfte, lagen noch nicht so lange zurück. Erst Ende der 1860er-Jahre wurde die Aufteilung des Laischaftsbesitzes vor dem Martinitor und dem Heger Tor beschlossen und der gemeinschaftliche Weidebetrieb eingestellt. Damit stand ausreichend Bauland im Westen zur Verfügung. 1869 wurde ein erster Bebauungsplan für das ehemalige Gartenland direkt vor dem " Martiniwall", zwischen Lotter und Martinistraße mit der Katharinenstraße als zentraler Achse aufgestellt. Die einsetzende Bebauung und die Abtragung des Walls ab 1872 beflügelten sich gegenseitig.

Nachdem Osnabrück 1866 preußisch geworden war, setzte " eine Bautätigkeit von einem bis dahin unerhörtem Umfange" ein, wie es in einer alten Quelle heißt. In nur sieben Jahren, zwischen 1868 und 1875, entstanden 683 Wohnhäuser in Osnabrück. Das war mehr als ein Viertel der 1875 insgesamt gezählten 2577 Wohnhäuser. An der Arndtstraße reihten sich " Wohnhäuser gehobenen Zuschnitts" aneinander. Weiter stadtauswärts, an Adolf- und Maschstraße, wurden dagegen vorwiegend eineinhalbgeschossige, schlichter ausgeführte " Kleinwohnungsbauten" mit knapp bemessenen Wohnräumen gebaut. Im rückwärtigen Hof stand stets ein Stallgebäude mit Platz für vier bis sechs Ziegen oder Schweine, einer Waschküche und einem Abort.

Auf jeden Fall war so eine ordentlich gepflasterte, lindenbestandene Straße mit " modernen" Häusern für die damaligen Bewohner ein gewaltiger Fortschritt gegenüber den ungesunden Wohnverhältnissen in den engen Altstadtgassen, in denen nicht von ungefähr 1859 die Cholera ausgebrochen war. Und auf jeden Fall Grund genug für einen Adolfstraßen-Anwohner, sein Wohnumfeld auf einer Postkarte darstellen zu lassen. Möglicherweise ist der Herr mit Gehstock und Aktenmappe, der sich vorne links auf dem Pflaster inszeniert hat oder dort hinretuschiert wurde, der Auftraggeber der Karte.

Der Postbote links am Eingang des Hotels Klute dürfte ebenfalls das Ergebnis einer Fotomontagearbeit sein. Er wirkt im Verhältnis zu den anderen Personen unmaßstäblich klein. Vielleicht, so vermutet Hotelier Hans Klute, hat der Grafiker die beiden linken Personen hinzugefügt, um die Komposition des Bildes gegenüber den zahlreichen " echten" Personen in der rechten Bildhälfte auszuwiegen. Auffällig ist, dass die Kutschen " englisch parken". Da auch schon im Kaiserreich Rechtsverkehr herrschte, ist diese Parkmethode wahrscheinlich nur zufällig so eingefangen worden und ein Beleg dafür, dass so wenig Verkehr herrschte, dass niemand daran Anstoß nahm. Der Name Adolfstraße hat übrigens nichts mit dem Schwedenkönig Gustav Adolf zu tun, und noch weniger mit Adolf Hitler. Er geht vielmehr zurück auf Herzog Adolph Friedrich (1774– 1850), der 1831 bis 1837 Vizekönig von Hannover war.

Bildtext:

Die Adolfstraße um 1910. Vorne quer verläuft die Lotter Straße. Das Eckhaus links beherbergt seit 1872 das Hotel Klute.

Seit 2000 verkehrsberuhigte Einbahnstraße mit Piesberger Naturstein-Pflaster: die Adolfstraße heute.

Foto:

Joachim Dierks.

Ansichtskarte des Verlags J. H. Evering Wwe., Osnabrück (aus der Sammlung Helmut Riecken).
Autor:
Joachim Dierks


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