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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Die Stadt hat die Hase neu erfunden
Zwischenüberschrift:
Osnabrück am Fluss erfahren: Mit dem Rad von Lüstringen bis Eversburg
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Seit dieser Woche besitzt Osnabrück eine echte Flusspromenade: Zwischen Neumarkt und Schlagvorder Straße hat die Stadt auf spektakuläre Art eine weitere Lücke des Haseuferweges geschlossen. Die 260 Meter lange Strecke macht weniger als zwei Prozent des Flusspfades aus für über zwei Millionen Euro. Hat sich die Investition gelohnt? Und wie fährt es sich auf dem Rest der 15 Kilometer Haseuferweg? Wir haben es ausprobiert.
Jede Radtour beginnt mit einem langen Blick in die Karte. Auch der Haseuferweg wäre mit Plan leichter zu befahren. Denn anders, als es der Name vermuten lässt, geht es auf der Strecke zwischen Lüstringen und Eversburg nicht immer stramm am Fluss entlang.
Den Plan müsste Christiane Balks von der Stadtverwaltung haben, der Haseuferweg ist ihr Projekt. " Ich hätte schon eine Karte da", sagt sie am Telefon. " Die ist aber so riesig, damit werden Sie auf dem Fahrrad wenig Freude haben."
Sie schlägt mir die Methode Guttenberg vor: Auf der Website www.lebendige-hase.de findet der genügsame Radfahrer fünf Kartenfragmente, die er kopieren und auf drei Word-Seiten zu so etwas wie einem Plan zusammenbauen kann.
" Sie können natürlich auch einfach nur der Beschilderung folgen", sagt Frau Balks. Lieber nicht. Das habe ich zuletzt mit einer Freundin auf der Obstroute im Alten Land gemacht. Nach 20 Kilometern landeten wir an einer Bundesstraße, statauf nur Muldenkipper und Lastzüge.
Noch hätte ein Plan des Haseuferweges allerdings einige Lücken, vor allem in Lüstringen. Hier ist eine befestigte Uferstrecke zum größten Teil geplant und nicht gebaut. Wenn man wie ich unbedingt den ganzen Weg von Anfang bis Ende abfahren will, bekommt man im Osten der Stadt aber den vielleicht schönsten Teil der Strecke zu sehen.
Nichts Gutes für die Nase
Zwischen Feldern und Pferdeweiden begleitet man einen kurvenreichen Strom. Die Hase fließt zwar auch hier nicht schnell, dafür hat sie zu wenig Gefälle, aber sie sieht aus, wie man sich einen Fluss vorstellt. Das ist nicht überall so, im Hasepark verkümmert sie an manchen Stellen zu einem mickrigen Bächlein.
Immerhin gibt es dort aber überall befestigte Wege. Wer es gerne bequem hat und nicht durch Brennnesselbeete fahren mag, sollte den offiziellen Auftakt in Lüstringen ignorieren und hier einsteigen. Für mich zahlt sich am Hasepark zum ersten Mal meine zusammengebastelte Karte aus, denn ein Schild mit der Aufschrift " Haseuferweg" ist nirgendwo zusehen.
Dafür erfährt man beim Start an der Schellenbergbrücke schon nach ein paar Metern, was ein Fluss in eine hektische Stadt zurückbringen kann: Ruhe. Die anstrengende Mindener Straße ist sofort vergessen; dass jenseits des Flusses ein Gewerbegebiet liegt, fiele gar nicht auf wenn es an manchen Stellen nicht so unangenehm riechen würde. Der clevere Radfahrer fährt schnell vorbei, und wenn einem nicht gerade eine Schulklasse entgegenkommt, lassen die Wege auch höheres Tempo zu.
Nach einer hübschen Pappelallee verschönert sich auch der Fluss noch einmal, aus der zweigeteilten Hase wird wieder ein stattlicher Fluss. Abschnittsweise ist davon aber kaum etwas zu erkennen, weil die Böschung zugewuchert ist. Schön ist das, so viel Wildwuchs am Rande eines Gewerbegebietes. Kurz vor dem Ende des Hasepark-Abschnitts spreche ich einen Mann und eine Frau an, die vor mir spazieren gehen. Sie seien Kollegen, erzählt der Mann, und sie würden in jeder Mittagspause den Haseuferweg entlanggehen. Viele andere Kollegen täten das auch, sei ja sehr schön hier. Aber andere Kollegen sind gar nicht zu sehen, und das scheint dem Pärchen auch ganz recht zu sein.
Am Ende des Haseparks fällt man dann etwas abrupt aus der Idylle. Hamburger Straße, Zugdurchsagen, Straßenlärm, Und dann noch durch den hässlichen Tunnel unter den Gleisen hindurch. Die Hase führt hier wieder nur wenig Wasser. Auf dem Grund liegen ein Einkaufswagen, ein Kinderwagen und sicher auch lauter andere Dinge, von denen man gar nichts wissen will. Kein Schild weist auf den Haseuferweg hin, hier sind echte Pfadfinder gefragt.
Jeder Meter 7500 Euro
Leider gilt das für viele Abschnitte des Haseuferweges, und vermutlich haben schon Dutzende Radfahrer und Wanderer bei der Stadt angerufen und sich bitter beschwert. Dieselben Leute dürften sich jetzt auch über die neu eröffnete Stelzenstrecke zwischen Schlagvorder Straße und Neumarkt die Köpfe heißreden. Zwei Millionen Euro für 260 Meter Fuß- und Radweg, ein Meter Pflaster kostet also siebeneinhalbtausend Euro. Man kann sich das Ganze problemlos schlechtrechnen. Den Radfahrer störenübrigens die viel zu hohen Bordsteinkanten am Übergang zwischen dem neuen Haseuferweg und der Schlagvorder Straße.
Da hat die Stadt mit Geldern aus dem Konjunkturpaket II einen herrlichen Aufreger gebaut und eine herrliche Promenade. Wer zum ersten Mal über die 260 Meter geht oder fährt, dem erscheint die Hase wie neu erfunden. Dank der Uferpromenade ist der Herrenteichswall nun nicht mehr die einzige Strecke in der Innenstadt, auf der man ohne Straßenlärm und Konsumrausch links und rechts einfach mal in Ruhe geradeaus gehen kann.
Der neue Teil des Hase uferweges eröffnet zugleich eine ganz andere Stadtansicht, die von hinten. Häuserzeilen mal falsch herum betrachtet, nicht die geputzte Front, sondern die manchmal sogar etwas angegammelte Rückseite streckt sich dem Promenadengänger entgegen. Man kann es mögen oder nicht. Auf jeden Fall hat es so etwas in der Stadt noch nicht gegeben.
Auf Höhe der Völker-Schule fällt mir ein Mann auf, der sich über das Geländer lehnt und interessiert auf das flache Hasewasser schaut. Er heißt Oliver Schawe, und auf meine Frage, ob er den neuen Weg öfter benutze, antwortet er: " Jede Mittagspause." Er habe schon als Kind hier an der Neuen Mühle im Wasser gespielt, und die Promenade finde er klasse. " Auch wenn ich mir als Vater sage, für das Geld hätte man vielleicht auch Spielplätze bauen können die Investition hat sich gelohnt."
Das gerade eröffnete Teilstück des Haseuferweges endet am Neumarkt, wie gewohnt folgt auf einen Abschnitt völliger Ruhe die ganze Hektik der Stadt. Wer sich traut, überquert jetzt unter Lebensgefahr die Wittekindstraße und folgt der Hase weiter auf ihrem bekannten Weg durch die Innenstadt. Da der Haseuferweg weiter anonym bleibt, wird es dem Ortsunkundige wieder mal schwer gemacht.
Seinen Höhepunkt erreicht das Verwirrspiel an der Pernickelmühle, denn wie man von hier die große Lücke bis zum Hafen überwindet, bleibt jedem selbst überlassen. Hat man es schließlich bis zur Wachsbleiche geschafft, bekommt man es dort tatsächlich noch zu sehen: " Büren", " Pye" und " Eversburg" wie ein weiterer Ort oder Stadtteil aufgelistet doch da steht es: " Haseuferweg".
Begrünte Parallelwelt
Jetzt also ganz offiziell wieder raus aus Straßen- und Baulärm und rein in die begrünte Parallelwelt. Immer geradeaus geht es am Fluss entlang, wie im Hasepark stinkt es auch hier an manchen Stellen, das gehört in einem Gewerbegebiet offenbar dazu. Kurz vor der Römereschstraße bekommt der Fluss dann Zuwachs, hier fließt die Nette in die Hase. Auf ihrem gemeinsamen Weg begleitet man die beiden jetzt nur noch ein kurzes Stück, denn in Eversburg ist die Reise zu Ende. Über ein schmales und kurviges Stück kommt man zum Klärwerk, danach wird der Weg wieder breiter und komfortabler. Nachdem man so lange auf Schilder mit der Aufschrift " Haseuferweg" gewartet hat, sieht man sie jetzt alle Nase lang.
Kurz vor der Endstation kommt mir die erste Damengruppe auf Rädern entgegen, ich stoppe sie ein wenig dreist. " Wo wollen Sie denn hin?" " Zum Dom", sagen sie, gestartet seien sie übrigens in Hollage.
Die Damen erzählen, sie würden den Weg öfter fahren und es genießen, der Hase bis in die Stadt zu folgen. Auch die neue Uferpromenade finden sie gut, obwohl sie so teuer sei. " Aber schön, sehr schön!"

Erst der Weg, dann die Schilder
Einmal quer durch ganz Osnabrück und (fast) immer am Wasser entlang der Haseuferweg macht es möglich. Von Lüstringen im Osten bis nach Eversburg im Westen können Radfahrer auf einer knapp 15 Kilometer langen Strecke dem Lauf der Hase folgen. Die Strecke ist mehr als vielseitig, Natur-Idylle und städtisches Treiben wechseln sich ständig ab. Gerade im Lüstringer Teil hat der Haseuferweg aber noch einige Lücken. Die Strecke zwischen Schellenbergbrücke und Sandforter Straße soll ab 2012 weitergebaut werden. Auch Schilder mit eigenem Logo, die auf den Haseuferweg hinweisen, sind geplant. Bis es so weit ist, müssen sich Radfahrer und Wanderer aber noch gedulden: Laut Ulla Bauer vom Fachbereich Städtebau kommt die Beschilderung erst dann, wenn der Haseuferweg komplett fertiggestellt ist.

Bildtexte:

Ein ungewohntes Bild mitten in der City: Das neue Teilstück des Haseuferwegs zwischen Neumarkt und Schlagvorder Straße ist ein beliebter Ort für die Mittagspause.

Graffiti an der Brücke, Einkaufswagen am Ufer und es riecht: Im Hasepark hat der Fluss einen eher rauen Charme.

Promenade auf Stelzen: der neu eröffnete Haseuferweg zwischen Neumarkt und Schlagvorder Straße.

Mit dem Rad unterwegs von Hollage zum Dom, immer an der Hase entlang: Leni Krull, Monika Zimmermann, Klara Kemme und Brigitte Hellermann (von links).

Noch ist es ein Trampelpfad, irgendwann aber soll auch das Lüstringer Haseufer ausgebaut werden.

Fotos:

Gert Westdörp/ Hendrik Steinkuhl
Autor:
Hendrik Steinkuhl


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