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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Geldgeber für den Bischof
Zwischenüberschrift:
Die erste jüdische Gemeinde bildete sich um 1300
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Im Kulturgeschichtlichen Museum führen 13 ausgewählte Exponate durch die bedeutenden Epochen der Osnabrücker Stadtgeschichte. In Folge 4 geht es um die Gründung der ersten jüdischen Gemeinde.
" Wenn du einen Meineid schwörst, soll dich die Erde verschlingen, [. . .]. Wenn du einen Meineid schwörst, sollst du in eine Salzsäule verwandelt werden, wie es Loths Weib erging, als sie rückwärts sah, als sie von Sodom ging. Wenn du einen Meineid schwörst, soll dich der Aussatz befallen, [. . .]. Wenn du einen Meineid schwörst, sollst du im Höllenfeuer verbrennen." Das Misstrauen gegen die Juden muss groß gewesen sein, liest man die über 700 Jahre alte Formel des sogenannten Judeneides, der zu den ältesten Schriftstücken der Osnabrücker Geschichte gehört.
Der Eid stammt aus der Zeit um 1300. Damals bildete sich in Osnabrück die erste jüdische Gemeinde. Grund war der wachsende Geldbedarf des Bischofs, der Juden gezielt als Geldgeber in die Stadt holte und unter seinen Schutz stellte. Sie besaßen einen Sonderstatus, weil sie unter den Christen als Ungläubige galten. Sie konnten kein Bürgerrecht erwerben und damit auch kein Handwerk ausüben. Daher blieben ihnen nur wenige Erwerbsmöglichkeiten. Dazu gehörte das Geldgeschäft, da die Juden im Gegensatz zu den Christen Zinsen nehmen durften.
1267 wird in Osnabrück erstmals ein Jude urkundlich erwähnt. 1327 lebten bereits 15 jüdische Familien in der Stadt. Die Gemeinde besaß eine Synagoge mit Schule an der Schweinestraße (der heutigen Marienstraße) und einen Friedhof auf dem Westerberg. Obwohl sie keine Bürger waren, mussten sie für ihr Wohnrecht hohe Abgaben zahlen. Aufgrund unterschiedlicher Lebensgewohnheiten kam es zwischen der Stadt und den vom Bischof angesiedelten Juden regelmäßig zu Streitigkeiten. Dabei wurden Letztere häufig beschuldigt, etwas Unrechtmäßiges getan zu haben. Wollte sich ein Jude gegen solche Anschuldigungen wehren, konnte er durch das Schwören des Eides seine Unschuld beweisen. Die eingangs zitierten Drohungen, die ihm im Falle eines Meineides blühen sollten, bezeugen das große Misstrauen, das die Osnabrücker Bürger den Juden entgegenbrachten.
Sündenbock nach der Pest
Dieses Misstrauen kulminierte während der Pest um 1350, an der viele Menschen starben. Damals wurde den Juden angelastet, sie hätten die Brunnen vergiftet, da sie von der Pest kaum betroffen waren. Das folgende Pogrom überlebten nur wenige Juden. Der Bischof begann danach erneut Juden in Osnabrück anzusiedeln. Erst nach der Aufhebung des Zinsverbotes für Christen hob er 1424 auf Drängen der Stadt den Schutz der Juden auf. Die letzten beiden jüdischen Familien mussten die Stadt verlassen. Erst im 19. Jahrhundert sollte sich wieder eine jüdische Gemeinde in Osnabrück bilden.

Bildtext:

Misstrauen prägte das Verhältnis zu den Juden. Bei Anschuldigungen mussten sie den Judeneid schwören. Das Pergament mit dem Judeneid stammt aus der Zeit um 1300.

Foto:

Niedersächsisches Landesarchiv
Autor:
Thorsten Heese


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