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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Spielen unterm "Gesperrten Turm"
Zwischenüberschrift:
Die Johannismauer um 1900
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Nach der Niederlegung der mittelalterlichen Stadtbefestigung im 19. Jahrhundert erhielt Osnabrück anstelle der alten " Wälle" einen promenadenartig ausgebauten Straßenring. Die ganze Stadt, einmal ringsherum? Nein. Im Süden fehlte die adäquate Fortsetzung von Kaiser-, Kronprinzen-, Kanzler- und Schlosswall. Der eng bebaute Straßenverlauf der Johannismauer stand dem entgegen.

Die Straße Johannismauer war nach der alten Stadtmauer benannt, die sich an das Johannistor anschloss. Der Name hielt sich noch bis in die 1950er-Jahre. Erst die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs und die folgenden Wiederaufbauplanungen machten ein Auseinanderrücken der Bebauungslinien möglich, sodass der Straßenring um die Innenstadt vierspurig geschlossen werden konnte und die Johannismauer zum Johannistorwall aufstieg. Die historische Ansicht aus der Zeit um 1900 zeigt den Abschnitt zwischen Kommenderie- und Johannisstraße mit Blickrichtung nach Osten, zum Petersburger Wall.

Wir blicken in eine kopfsteingepflasterte Straße, die kaum breiter als die abgehenden Innenstadtgassen ist. Die zwei- bis dreigeschossigen Häuser stammen teils noch aus Ackerbürgerzeiten, wie das Krüppelwalmdach ganz links anzeigt, andere künden aber bereits vom " neuen Bauen" der Gründerjahre ab etwa 1870. Der Standort des Fotografen mitten auf der Straße wäre heute, bei 40 000 täglich passierenden Autos, mit Lebensgefahr verbunden. Damals konnten Kinder in aller Seelenruhe auf der " Fahrbahn" spielen. Wenn ein Fuhrwerk des Weges kam, kündigte es sich von Weitem durch das Klappern des Hufschlags und das Scheppern der Ladung auf dem unebenen Pflaster an. Die Zeiten des " Flüsterasphalts", der jetzt für den Inneren Ring im Gespräch ist, waren noch in weiter Ferne.

Die Zurücklegung der Baulinie auf der Südseite der Straße ist beim Bildervergleich deutlich zu erkennen. Um 1900 lag der Neustädter oder Gesperrte Turm als Teil der ehemaligen Stadtbefestigung mehr als eine Häusertiefe zurück, während er heute aus der Häuserfront hervortritt. Der Name Gesperrter Turm geht auf " hochsperden torn" zurück, also etwa " hochsparriger Turm" der Turm mit hohen Sparren, mit einem hohen Dach. Auf dem Gebiet der Neustadt ist er neben dem Plümersturm der einzige verbliebene Wehrturm des Befestigungsrings, während die Altstadt noch vier von ihnen aufweist: Pernickelturm, Barenturm (Vitischanze), Bürgergehorsam und Bocksturm. Der vermutlich im 14. Jahrhundert gebaute Gesperrte Turm war der höchste von allen, da er eine besonders gefährdete Stelle zu schützen hatte. Südlich der Stadtmauer lag eine kleine Erhöhung innerhalb eines Sumpfgürtels, die einladend auf potenzielle Angreifer gewirkt haben muss. Der Turm war so hoch, um Feinde möglichst früh entdecken zu können.

Nachdem der Turm seinen ursprünglichen Zweck nicht mehr erfüllte, diente er unter anderem noch bis etwa 1900 als Schlauchturm der Feuerwehr. Im Zweiten Weltkrieg wurde er zum Bunker hochgerüstet. Betondecken von 1, 5 Meter Stärke boten der Neustädter Bevölkerung Schutz. 1955 gab es Stimmen im Rat, die dafür waren, dieses " überflüssige Relikt aus der Vergangenheit" zu beseitigen. Der Bürgerverein Neustadt setzte sich neben anderen maßgeblich dafür ein, dass es dazu nicht kam. 1980 bis 1984 wurde der Turm aus Mitteln der Lehmann-Stiftung saniert und ein Teil der später eingezogenen Betondecken zurückgebaut. Pächter war dann zunächst der Marineverein, der die oberen Geschosse mit seinen maritimen Schaustücken dekorierte und einen Versammlungsraum einrichtete. Seit 2008 sind die Osnabrücker Bürgerschützen von 1828 die neuen Turmherren.

Bildtexte:

Die Johannismauer war Vorgängerin des Johannistorwalls. Um 1900 war sie nach heutiger Sicht eine verkehrsberuhigte Spielstraße.

Der Johannistorwall heute mit Blickrichtung zum Peters burger Wall.

Fotos:

Ansichtskarte des Borek-Verlags aus der Sammlung Riecken.

Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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