User Online: 1 | Timeout: 19:58Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Osnabrückhalle für 18 Millionen sanieren?
Zwischenüberschrift:
Bau einer Arena an anderer Stelle wird geprüft
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Lohnt es sich, 18 Millionen in die Osnabrückhalle zu investieren? Die Stadthalle ist in die Jahre gekommen und bald nicht mehr wettbewerbsfähig, wenn die Stadt nicht viel Geld in die Hand nimmt. Wäre es nicht sinnvoller, eine multifunktionale Halle neu zu bauen?
Die Ausgangslage
Oberbürgermeister Boris Pistorius überraschte im Juni den Rat: Er werde erneut prüfen lassen, ob der Neubau einer Arena nicht günstiger sei als die Sanierung der Stadthalle für 18 bis 20 Millionen Euro, teilte er den verdutzten Ratsmitgliedern in der letzten Sitzung vor der Sommerpause mit.
Auf den Tischen lag der Vorschlag, Vorbereitungen für einen ersten Bauabschnitt zu treffen. Die Kosten: 13, 1 Millionen Euro. Mit dem zweiten Bauabschnitt und den Außenanlagen summieren sich die Sanierungskosten auf rund 20 Millionen Euro. Für dieses Geld ließe sich möglicherweise auch eine Arena an anderer Stelle realisieren, die auch für große Sportveranstaltungen geeignet wäre. Die Prüfung läuft. Im Herbst will Pistorius Zahlen liefern. Der neue Rat wird dann die Weichen stellen.
Experten hatten Technik, Energiestandard und Bausubstanz der 40 Jahre alten Osnabrückhalle unter die Lupe genommen und in einem Gutachten den Sanierungsbedarf haarklein aufgelistet. Die Osnabrückhalle soll einen neuen Eingang, eine neue innere Struktur und eine moderne Haus- und Showtechnik erhalten. Für den Umbau müsste sie von Frühjahr bis Herbst 2013 geschlossen bleiben.
Die Stadt bezuschusst den Betrieb der Stadthalle in diesem Jahr mit 1, 6 Millionen Euro. Das Minus steigt von Jahr zu Jahr, denn die Halle hat es auf dem Veranstaltungsmarkt immer schwerer. Die Energiekosten sind hoch, und die erzielbaren Mieten liegen unter dem Durchschnitt in der Branche. Der Osnabrückhalle droht langfristig die Schließung.
Die Standpunkte
CDU: Durch die Sanierung können die Betriebskosten deutlich gesenkt werden, wie Burkhard Jasper sagt. Eine zeitgemäße Bühnentechnik und Deckenbeleuchtung würden die Halle deutlich attraktiver machen, sie wäre besser zu vermarkten und könnte höhere Einnahmen erzielen.
Jasper erinnerte daran, dass die CDU 2002 den Vorschlag eingebracht habe, eine Großveranstaltungshalle zu prüfen. " Dies war und ist auch heute nur mit einem privaten Investor möglich, die städtischen Finanzen geben das nicht her," sagt Jasper. Es gebe aber weder einen Arena-Investor noch einen Käufer für die Osnabrückhalle. Jasper: " Insofern gibt es keine Alternative zu einer Sanierung."
Er mahnte, die Osnabrückhalle " mit ihrem hoch motivierten Team nicht kaputtzureden". Jeder wisse, dass eine Stadthalle ein Zuschussbetrieb sei, der aber auch für Einnahmen bei der Osnabrücker Wirtschaft, für ein attraktives Hochschulumfeld und Arbeitsplätze sorge.
SPD: Die SPD befürwortet grundsätzlich die Sanierung. " Wegen der hohen Verluste muss was passieren", sagt Fraktionschef Frank Henning.
Es sei unbestritten, dass Osnabrück eine Halle für Kongresse und Großveranstaltungen brauche. Die Osnabrückhalle sei ein " nicht unwichtiger" Faktor für die örtliche Wirtschaft, speziell für das Gastgewerbe. Und deshalb halte die SPD auch den Standort für " verteidigenswert". Die Nähe zur Innenstadt sei ein Pluspunkt, den Veranstalter sehr schätzten. Eine neue Haustech-
nik werde die Energiekosten senken, eine neue Bühnentechnik langfristig die Personalaufwendungen reduzieren.
Dann kommt das Aber das Henning veranlasst, mit einem Bein auf dem Fragezeichen zu stehen: Wenn die Prüfung ergebe, dass ein Neubau wirtschaftlicher wäre, müsse neu gedacht werden. " Ich kann mir das aber nicht vorstellen." Schließlich würde mit einem Abriss der Osnabrückhalle ein Wert von zehn Millionen Euro vernichtet, und die Stadt bliebe auf Verbindlichkeiten von sieben Millionen hängen. Außerdem: " Wo sind im Moment die Spitzensportler, die eine Arena nutzen könnten?"
Grüne: Die Grünen mahnen zur Eile. Eine Verzögerung der Sanierung über das Jahr 2013 hinaus führe zu weit höheren Kosten und weiterem Verlust von Marktanteilen, sagt Jens Meier. Die Entscheidung müsse in den nächsten Wochen getroffen werden. Für das Gebäude gebe es nach der Absage der Universität keine andere denkbare Nachnutzung.
" 18 Millionen Sanierungskosten für ein Bestandsgebäude, das auch in seiner Funktionalität nicht ideal ist, sind sehr viel Geld", räumt Meier ein. " Die Pläne sind aber gut." Es ergäben sich eine bessere Energieeffizienz, niedrigere Kosten und bessere Nutzungsmöglichkeiten in neuen Räumen. In die Hoteldiskussion sei zudem Bewegung gekommen.
Angesichts des Investitionsvolumens sei es dennoch sinnvoll, einen Neubau zu prüfen. Dabei müsse auch die Sanierung der Schlosswallhalle in die Überlegungen einbezogen werden. Die Grünen strebten aber nicht " die ganz große Lösung einer Multifunktionsarena" an. Meier hält einen Neubau für 18 Millionen für " unrealistisch". Auch scheide ein Neubau an gleicher Stelle aus, " da wir uns nicht mal eben drei bis vier Jahre aus dem Markt verabschieden können".
FDP: 18 Millionen sind den Liberalen deutlich zu viel: " Und es wird garantiert noch teurer", sagt Maria-Theresia Sliwka. Man dürfe nicht übersehen, dass das Geld in eine alte Halle investiert werde, deren strukturellen Probleme damit nicht gelöst würden. Die Liberalen fordern einen Stopp der Sanierungspläne und plädieren dafür, Gespräche mit möglichen Hotelbetreibern zu intensivieren um sich auf ein Geschäftsfeld zu konzentrieren: den Kongressmarkt. " Die ganz großen Konzerte" werde es ohnehin nicht in Osnabrück geben, weil die Konkurrenz in Bielefeld, Halle und Münster zu groß sei, sagt Sliwka. Auch publikumsträchtiger Spitzensport, der Ankermieter einer Arena sein könnte, sei " weit und breit nicht in Sicht".
UWG: " Wir können für den Umbau der Osnabrückhalle kein grünes Licht geben, solange nicht alle Alternativen geprüft sind", sagt Wulf-Siegmar Mierke. Die UWG will stattdessen das Hallenkonzept komplett überdenken und dabei auch die bereits
gegen ihren Widerstand beschlossenen Investitionen in die Schlosswallhalle (rund sieben Millionen Euro) einbeziehen. Erst wenn keine andere Lösung machbar
sei, werde auch die UWG
der 18-Millionen-Investition in die Stadthalle nähertreten.
Linke: 18 Millionen? " Das ist Wahnsinn", sagt Christopher Cheeseman und macht dennoch den Spagat zwischen Nein-Feld und Fragezeichen. Denn solange nicht geklärt ist, was eine neue Halle kosten würde, bleibe diese Frage offen. Keiner bezweifle, dass Osnabrück eine Halle brauche. Wenn aber die Alternative " nur ein paar Millionen" mehr koste als die Sanierung der Osnabrückhalle, müsse diese Variante zu Ende gedacht werden. " Außerdem könnte man mit dem Standort am Schlossgarten auch etwas Schlaueres machen."

Bildtext:

Zur Kommunalwahl am 11. September haben wir die im Rat vertretenen Parteien aufgefordert, zu vier zentralen Fragen der Kommunalpolitik Position zu beziehen. Es sind Fragen, die in der kommenden Wahlperiode zu entscheiden sind: Wie stehen Sie zu einem Einkaufszentrum am Neumarkt mit etwa 18 000 Quadratmetern, zur geplanten Sanierung der Osnabrückhalle für 18 Millionen Euro, zum Bau der Entlastungsstraße West und zur Einrichtung einer Oberschule in der Hauptschule Innenstadt ?

Fotos:

Gert Westdörp/ Egmont Seiler/ Elvira Parton
Autor:
Wilfried Hinrichs


Anfang der Liste Ende der Liste