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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Einkaufszentrum am Neumarkt?
Zwischenüberschrift:
Das ganz große Center lehnen alle Parteien ab
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Ein Einkaufszentrum am Neumarkt? Es ist eine der zentralen Fragen dieses Wahlkampfs und mutmaßlich das beherrschende Thema der kommenden Wahlperiode. Umstritten ist vor allem die Größenordnung. Klein, mittel, groß? Die CDU will die kleine Variante, die anderen Parteien die mittlere, die große lehnen alle ab.
Die Ausgangslage
Im Mai öffnete der Stadtrat mit einer bunten Mehrheit aus SPD, Grünen, FDP, UWG und Linken dem Investor die Tür zum Neumarkt. Die Stadt ist bereit, mit Geschäftsmann Theodor Bergmann und dem Essener Centerentwickler mfi über den Bau eines Einkaufszentrums auf der Südseite des Neumarktes zu sprechen. Nur die CDU bleibt bei ihrem Nein: Sie will dort Einzelhandel nur in der heutigen Größenordnung zulassen. Das wären 12 000 Quadratmeter Verkaufsfläche.
Das andere Extrem sind die Vorstellungen der Investoren, denen eine Verkaufsfläche von 23 500 Quadratmetern und ein Parkhaus mit mindestens 700 Stellplätzen vorschweben. Sollte es einmal ein Center geben, wird seine Größe wohl irgendwo zwischen diesen Eckpunkten liegen. Das Gutachten der Lübecker Firma Cima über die Verträglichkeit eines Einkaufscenters legt die Spanne zwischen 18 000 und 20 000 Quadratmeter Verkaufsfläche. Ein kleineres wäre nicht lebensfähig, ein größeres würde die Strukturen in der Innenstadt gefährden.
Die Standpunkte
CDU: Fraktionschef Fritz Brickwedde beruft sich auf Aussagen Center-kritischer Experten, die vor einem " Shopping-Monster" am Neumarkt warnen. Die Center-Entwickler seien ausschließlich auf den wirtschaftlichen Erfolg gepolt und nutzten deshalb alle Schlupflöcher, um die Fläche der Galerien auszudehnen. So kämen zur Verkaufsfläche von 23 500 Quadratmetern Flächen für Gastronomie und Dienstleistungen hinzu. " Dann sind wir ganz schnell bei 30 000 Quadratmeter", so Brickwedde: " Die Folgen eines Rieseneinkaufszentrums werden zahlreiche Leerstände und Pleiten in der Innenstadt sein. Das gewachsene intakte Stadtbild, um das uns viele beneiden, würde zerstört", sagt Brickwedde und ergänzt: " Jedes Ratsmandat mehr für die CDU bedeutet 1000 Quadratmeter weniger."
Der Neumarkt könne auch ohne Shopping-Center gestaltet werden. Voraussetzung sei eine Neuordnung des Busbahnhofs. Aus der Geschäftswelt erhält die CDU Rückendeckung. City-Kaufleute haben unter dem Titel " Lebendiges Osnabrück" eine Initiative gegen ein XXL-Center am Neumarkt ins Leben gerufen.
SPD: Die Sozialdemokraten sagen Ja zu einem offenen, mittelgroßen Einkaufszentrum mit etwa 18 000 Quadratmeter Verkaufsfläche. " Das Offene ist uns wichtig", sagt Fraktionschef Frank Henning, das Center dürfe nicht zu einer geschlossenen Welt ohne Austausch mit der Innenstadt werden. Ideal wäre eine offene Bauweise wie am Kamp, so Henning. Ob ein Investor das mitmachen würde, sei aber eher zweifelhaft. Ein großzügiges Center-Portal müsse sich dem Neumarkt zuwenden, um die Barrierewirkung der Straße aufzuheben. Dieselbe Funktion würde ein Neubau auf dem sogenannten Baulos 2 erfüllen, das ist die Fläche vor dem Neumarkt-Carree (H& M).
" Wir stehen für Aufenthaltsqualität vor dem Landgericht, für eine Neuordnung der Bussteige, die Reduzierung des Pkw- und Lkw-Durchgangsverkehrs und eine attraktive Anbindung der Südstadt", heißt es im Positionspapier der SPD. Der Verkehr soll nach Vorstellungen der SPD auf zwei Fahrspuren verengt werden, um den Durchgangsverkehr zu reduzieren. Zwei Drittel des Individualverkehrs seien Durchfahrten, so Henning. Lang fristig werde der Neumarkt zur Fußgängerzone: " Das wird sich von selbst so entwickeln."
Grüne: " Wir wollen die Entwicklung des Neumarktes vom Schandfleck hin zu einem Platz, der Nord und Süd verbindet, und wir wollen, dass die südliche Innenstadt nicht abgehängt bleibt", sagt Volker Bajus. Dies sei nur mit einer Reduzierung des Autoverkehrs und einer baulichen Aufwertung auf der Südseite zu haben. Das Investment könne die Stadt aber selbst nicht leisten. Bajus: " Wenn hier ein Investor bereitsteht, wollen wir diese Möglichkeit zu einer Lösung, nach der wir seit 20 Jahren suchen, nicht leichtfertig vertun." Ein Einkaufszentrum dürfe aber Vitalität und Originalität der Innenstadt nicht gefährden. Die Grünen sehen in der Größenordnung von 18 000 Quadratmetern eine Grundlage für Verhandlungen. " Immerhin wären dies lediglich 6000 Quadratmeter mehr gegenüber den bestehenden Einzelhandelsflächen", so Bajus. Ob es dazu kommt, hänge von Fragen ab wie Branchenmix und Verkehrsführung. Deshalb bleibt Bajus mit einer Fußspitze auf dem Fragezeichen.
FDP: Fraktionschef Thomas Thiele zieht eine klare Linie: " 18 000, mehr nicht." Das Center dürfe einschließlich aller Flächen für Gastronomie, Dienstleistungen und Nebenräume diese mittlere Größenordnung nicht überschreiten. Die Liberalen schlagen außerdem Wohnungen auf dem Center vor.
UWG: Die Unabhängigen halten ein Center mit maximal 20 000 Quadratmetern Verkaufsfläche für denkbar. Fraktionschef Wulf-Siegmar Mierke fürchtet, dass es ohne Center mit der Johannisstraße bergab gehen könnte. Die UWG greift auf das Bürgergutachten von 2001 zurück und übernimmt die Kernforderung: Sperrung für Autos von Hasebrücke bis Lyrastraße. Bei der Neumarkt-Gestaltung drängt die UWG darauf, auch die Möserstraße in die Planung einzubeziehen.
Linke: Christopher Cheeseman steht auf dem " Ja mit Fragezeichen". Das Einkaufszentrum in verträglicher Größe betrachten die Linken als " Krücke", um Neumarkt und südliche Innenstadt zu entwickeln. Ohne privates Investment werde es nicht gehen. " Der Bau steht nicht in unserem Wahlprogramm, aber wir begleiten das wohlwollend. Ziel sei der autofreie Neumarkt. Ein Parkhaus mit 700 Plätzen lehnt Cheeseman kategorisch ab.

Bildtext:

Zur Kommunalwahl am 11. September haben wir die im Rat vertretenen Parteien aufgefordert, zu vier zentralen Fragen auf einem Drei-Felder-Tableau Stellung zu beziehen. Auch ein Spagat war ausdrücklich erlaubt. Die Fragen lauten: Wie stehen Sie zu einem Einkaufszentrum am Neumarkt mit etwa 18 000 Quadratmetern, zur geplanten Sanierung der Osnabrückhalle für 18 Millionen Euro, zum Bau der Entlastungsstraße West und zur Einrichtung einer Oberschule in der Hauptschule Innenstadt?
Autor:
Wilfried Hinrichs


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