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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Zweite Chance für die alte Brecheranlage
Zwischenüberschrift:
Was zehn Männer alles anrichten
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Sie setzen Fensterscheiben ein, verlegen Bretter, restaurieren Stützmauern und räumen gründlich auf: Zehn Männer, die der Arbeitslosigkeit entronnen sind, verwandeln die alte Brecheranlage am Piesberg in einen Lokschuppen der besonderen Art. Einige von ihnen schieben sogar Sonderschichten am Wochenende.
Der mächtige Industriebau von 1928 sollte abgerissen werden, als ihn die Piesberger Steinindustrie vor acht Jahren außer Dienst stellte. Da hatte der Verein Osnabrücker Dampflokfreunde aber schon ein Auge auf die Brecheranlage geworfen.
Früher führten vier Gleise ins Untergeschoss des Brecherwerks. Eines davon ist bis heute erhalten geblieben. Die Osnabrücker Dampflokfreunde haben aber schon genug Schienenmaterial bereitliegen, um viergleisig einzufahren. Das soll demnächst geschehen.
Wenn sich die vier inzwischen restaurierten Holztore öffnen, stehen dahinter insgesamt 200 Meter überdachte Gleise zur Verfügung. Ein trockenes Plätzchen für die " Donnerbüchsen" des Vereins, die zweiachsigen Personenwagen aus Reichsbahnzeiten, die derzeit noch am Zechenbahnhof im Regen stehen.
Bevor der erste Zug in die Brecheranlage rollt, muss aber erst tonnenweise Gesteinssplitt beiseitegeschafft werden. Ein Teil der Silos ist noch bis zur Oberkante damit gefüllt. Mit Schaufel und Wasserschlauch rücken die Männer vom Job-Center diesen Restbeständen zu Leibe. Mit dem Material lassen sich mehrere Muldenkipper füllen. Eine Sisyphusarbeit, die wohl noch sechs Wochen in Anspruch nehmen wird.
Bis zum Jahresende stellt das Job-Center Osnabrück (ehemals Agos) die zehn Mitarbeiter für das Brecherwerk zur Verfügung. Einige von ihnen waren schon längere Zeit arbeitslos, die meisten sind den Leistungsstandards des ersten Arbeitsmarkts nicht gewachsen. Jetzt haben sie eine Aufgabe, mit der sie sich identifizieren. Manches wie das Leerräumen der Splittbunker ist zwar anstrengend. Rainer Schönlau, der Anleiter der Truppe, findet aber, dass die Arbeit motiviert, weil es Abwechslung und ständig neue Herausforderungen gibt.
Albert Merseburger, der Vorsitzende der Osnabrücker Dampflokfreunde, wundert sich, wie die hilfreichen Geister auch mit ungewöhnlichen Aufgaben fertig werden. Als ein Kranmotor in luftiger Höhe demontiert werden musste, überlegten sie sich ganz eigenständig eine Konstruktion, um das schwere Geschütz zu bergen, ohne Mensch oder Bauwerk zu gefährden.
Bruchstein als Hobby
Merseburger erzählt begeistert, dass zwei Männer aus dem Team dem Verein Osnabrücker Dampflokfreunde beigetreten sind. Jetzt engagieren sie sich über ihre Arbeitszeit hinaus dafür, dass die alte Brecheranlage ihre zweite Chance bekommt.
Reinhard Knäuper (61) ist einer davon. Er restauriert die Mauer aus Piesberger Bruchstein, die seit 84 Jahren den Hang neben dem Hauptgleis abstützt. Der Zahn der Zeit hat einige Steine herausbrechen lassen, stellenweise haben sich Wölbungen im Mauerwerk gebildet. Meter für Meter bringt Reinhard Knäuper die schadhaften Stellen in Ordnung und verfugt sie fachmännisch. Dabei ist er gar kein Maurer, sondern gelernter Bohrwerksdreher und Außendienstmitarbeiter. " Bruchstein ist seit 45 Jahren mein Hobby", erzählt der Mann im blauen Arbeitsanzug stolz. Für ihn geht es nicht um irgendeine Mauer. Diese hier, mit einer Länge von 160 Metern und einer Stärke von anderthalb Metern, sei weit und breit etwas Besonderes.
Das Job-Center Osnabrück bezahlt den Lohn für die zehn Mitarbeiter und kommt auch für einen Teil der Projektkosten auf. Für das Material muss der Verein Osnabrücker Dampflokfreunde selbst aufkommen. Das Geld stammt aus einem Fonds, in den das Steinbruchunternehmen Cemex die für den Abbruch des Brecherwerks kalkulierten Kosten eingezahlt hat.
Durch die Arbeit der vergangenen drei Jahre ist die Anlage nicht wiederzuerkennen. Dach und Fenster sind repariert, die Bodenbretter sind wieder belastbar und störende Bauteile beseitigt. Die große Werkstatt im Obergeschoss würde sich doch auch für Kulturveranstaltungen anbieten, meinte der Ratsvorsitzende Josef Thöle, als er den alten Steinbrecher vor einigen Tagen inspizierte. Kleine Events, Jazzkonzerte oder Ausstellungen zum Beispiel.
Albert Merseburger, der Hausherr, ist da zurückhaltender. Die Stadt fordert Notausgänge, Fluchtmöglichkeiten und vorbeugenden Brandschutz. Das alles sei machbar, sagt Merseburger, aber nicht im Hauruckverfahren, sondern nur ganz behutsam, Schritt für Schritt.

Bildergalerie
auf www.noz.de

Bildtexte:

Helden der Arbeit: Diese Männer vom Job-Center Osnabrück bringen die alte Brecheranlage am Piesberg wieder auf Vordermann. Vier ihrer Kollegen fehlen auf diesem Foto.

Tonnenweise Gesteinssplitt: Rainer Schönlau und Franz-Josef Packeiser räumen die alten Silos aus.

Eine ganz besondere Mauer: Reinhard Knäuper restauriert die Stützwand vor der Steinbrecheranlage.

Fotos:

Hermann Pentermann
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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