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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Ein Platz an der Sonne
Zwischenüberschrift:
Die Bramscher Straße zwischen Süntelstraße und Wittkopstraße 19099
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Vor hundert Jahren lustwandelten die Osnabrücker in diesem Abschnitt der Bramscher Straße vor einer fast identischen Häuserpartie wie heute. Hier ist ein Giebel etwas verändert, dort ein Balkon weggefallen, aber ansonsten zeigt sich dieöstliche Häuserreihe der Bramscher Straße zwischen Süntel- und Wittkopstraße weitgehend unberührt.

Dafür gibt es zwei Gründe. Zum einen sparte der Bombenkrieg diesen Bereich aus. Am Westhang des Gertrudenbergs gab es keine Industriebetriebe, die ein lohnendes Ziel abgegeben hätten, und die häufig anvisierte Bahnlinie nach Rheine lag gerade weit genug entfernt. Insgesamt kamen die nördlichen Stadtteile vergleichsweise glimpflich davon: Während in Altstadt und Südstadt 86 Prozent aller Gebäude in Schutt und Asche versanken, waren es hier nur 13 Prozent.

Zum anderen blieb die Bramscher Straße von den tief greifenden Einschnitten verschont, die der automobile Massenverkehr an vielen anderen Stellen der Stadt erzwang. Der uralte Handelsweg, auf dem als Reichsstraße und später Bundesstraße 68 der Hauptverkehr nach Norden aus Osnabrück abgeführt wurde, bekam von den Stadtplanern in den 1950er-Jahren die Hansastraße als parallel verlaufende Entlastungsstrecke an die Seite gestellt. So konnten Straßenbreite und Baufluchten beibehalten werden. Wie übrigens auch im Falle der Natruper Straße und der Meller Straße, denen durch Pagenstecherstraße beziehungsweise Hannoversche Straße der Hauptteil des Verkehrs abgenommen wurde.

Die Entstehungszeit der abgebildeten Häuser liegt zwischen 1875 und 1906. Der Anschluss an das Bahnnetz und die damit einhergehende Industrialisierung hatten aus der verschlafenen Ackerbürgerstadt Osnabrück ein wirtschaftliches Schwergewicht gemacht. Die Einwohnerzahl vervierfachte sich zwischen 1855 und 1910 von 15 000 auf 66 000 Einwohner. Das zu Wohlstand gekommene Bürgertum ließ sich gern an der " Sonnenseite" des Gertrudenbergs nieder, wo man keine Schlote des Kupfer- und Drahtwerks oder anderer Industriebetriebe sah und roch. Zu Füßen des ältesten öffentlichen Parks in Osnabrück, des um 1835 von Senator Wagner initiierten Bürgerparks, an Ziegel-, Wittkop- und Bramscher Straße, ließ es sich gut wohnen und leben. Die Häuser Nr. 40 bis Nr. 36 drücken Bürgerstolz auf das Erreichte aus, den man mit den im Stil des Historismus reich verzierten Fassaden auch gern zeigte.

Die sich anschließenden, etwas niedrigeren Häuser in neoklassizistischer Bauweise gehen auf Entwürfe des Architekten Roop zurück, nach dem die rechts einmündende Roopstraße benannt ist. Von ihm stammt auch das gegenüberliegende Haus der Gaststätte Börner (nach 1921: Stern-Apotheke) und das Eckhaus zur Roopstraße (später Gaststätte Hiltermann). Auf dem historischen Bild links sieht man in Haus Nr. 40 die Manufakturwaren-Handlung von Carl Büsing. Rechts daneben, in Nr. 38, betrieb August Avermann ein Malergeschäft.

Noch eine Gemeinsamkeit weisen die 102 Jahre auseinander liegenden Szenen auf, die zur eher beschaulichen Wirkung beiträgt: das Fehlen der Straßenbahn. 1909 fuhr sie hier noch nicht, heute nicht mehr. Die 1906 in Betrieb genommene " rote Linie" (später Linie 2) endete zunächst vor dem Übergang Hasetor, weil die Schienen der Hannoverschen Westbahn noch auf Straßenniveau lagen und ein unüberwindliches Hindernis darstellten. Erst mit der Höherlegung des Gleiskörpers und der Fertigstellung der Straßenunterführung am Hasetor 1915 konnten die Straßenbahnen den " Eisernen Ring" verlassen. Ab 1919 fuhren sie bis zur Endstation Wittkop straße, ab 1924 bis zum Hasefriedhof.

Bildtexte:

Gründerzeit-Pracht an der Bramscher Straße anno 1909. Ansichtskarte aus der Sammlung Helmut Riecken

Kaum verändert präsentiert sich der Straßenzug heute. Links mündet die Süntelstraße ein, rechts hinter dem parkenden Mercedes die Roopstraße.

Foto:

Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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