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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Mit Toni zog die weite Welt ein
Zwischenüberschrift:
Heute wird der Zoo 75 Jahre alt – "Schwindelerregende Entwicklung"
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Der Osnabrücker Zoo zeigt sich zum 75. Geburtstag sowohl heimatverbunden als auch weltoffen. Das war nicht immer so. Ein Rückblick.
Am 26. Juli im Jahr 1936 öffnete der Heimattiergarten in Osnabrück erstmals seine Pforten. Hirsch- und Rehgatter, ein Eulenturm und Gehege für Dachs und Fuchs: Das Konzept sah vor, ganz im Sinne des Zeitgeistes keine exotischen Arten, sondern nur Tiere aus den hiesigen Breitengraden auf dem Schölerberg zu halten und ausgestorbene örtliche Arten als Skulpturen auszustellen.
Im Zweiten Weltkrieg bildeten zwar die Wölfe, die bei herannahenden feindlichen Fliegern laut Überlieferung ihr Geheul weit vor den Sirenen anstimmten, ein gutes Alarmsystem. Dennoch zerstörten Bomben und Nahrungsmittelknappheit bald die Lebensgrundlage des Tiergartens, der zudem bei Besuchen hoher Parteifunktionäre die letzten Wildbestände schlachten musste, wie der spätere Vorsitzende Ludwig Bäte klagte. Das hehre Ziel von Hans von Törnes, Initiator des Heimattiergartens, geriet von der Agenda: dem von der Natur entfremdeten Menschen die Schönheit der Tiere aus der eigenen Heimat zu zeigen.

Dressierter " Teddy"

Wegen eines von der Natur entfremdeten Tieres, das die Stumpfheit vieler Menschen aus der eigenen Heimat zur Nazizeit nachahmte, drohte jedoch auch nach dem Krieg das Aus für den Tiergarten: Denn der Bär " Teddy" hatte von der Zeitenwende offensichtlich nichts mitbekommen und erhob stets dankend die Vorderpfote zum Hitlergruß, wenn man ihm einen Brocken zu fressen zuwarf. Eine prinzipiell gelungene Parodie, welche die britischen Besatzer allerdings nicht ganz so witzig fanden. Als sie mit ihren Entnazifizierungsversuchen bei " Teddy" scheiterten, blieb ihnen aber nichts anderes übrig, als die Geste mit Humor zu nehmen.
Zumal der Tiergarten wohl auch in ihren Augen den richtigen Weg einschlug, sich in Zoo umbenannte und ab sofort auf Internationalität setzte. Pinguinanlage und Elefantenhaus wurden gebaut, und der Einzug der ersten Dickhäuterin geriet zum Volksfest in Osnabrück. " Aus dem Winterquartier des Zirkus Althoff in Eversburg haben wir die Elefantenkuh Toni′ abgeholt und vor Hunderten Zuschauern durch die Stadt geführt", erinnert sich Reinhard Coppenrath, Präsident des Zoos Osnabrück und so alt wie dieser selbst.
Einen weiteren Entwicklungsschub erhielt der Zoo Anfang der 70er-Jahre, als er den bekannten Affenfelsen eröffnete und am Schölerberg der erste Orang-Utan zur Welt kam: " Buschi", der von seiner Mutter verstoßen und die ersten Monate mit der Flasche im nahen Kinderhospital aufgezogen wurde. Fortan beglückte er junge und alte Menschen mit seinen kreativen Malereien und verwirrte mit seinem Eintritt in den Ruhestand einen Privat-Fernsehsender offenbar derart, dass dieser ihn voreilig für tot erklärte.
" Bis vor 15 Jahren ist unser Zoo dann eher dahingedämmert dann wurde sein Potenzial geweckt", sagt Hans Cromme, Vizepräsident des Zoos. Schuld daran war nicht zuletzt Geschäftsführer Andreas Busemann, der es mit neuen Marketing-Strategien schaffte, die Modernisierung weiter voranzutreiben. Die Stadt bringt heute nur noch drei Prozent des Zooetats auf: " Wir sind stolz darauf, dass wir auf sie nicht angewiesen sind, so wie der Zoo in Münster, der jährlich 4, 5 Millionen Euro von der Stadt kassiert", sagt Cromme.
" Viele alte Gehege wurden in großzügige Themenlandschaften umgebaut, die den Tieren viele Rückzugsmöglichkeiten bieten", erklärt Coppenrath die Ausweitung des Zoos in nach Erdteilen sortierte Bereiche wie das zuletzt eröffnete Kajanaland. Der Ausbau ist längst nicht abgeschlossen: Neben den arktischen " Klimahöhlen" sind die Errichtung einer Tempelanlage nach kambodschanischem Vorbild als Affentummelplatz und der Bau einer Nordamerika-Landschaft geplant. " Die Entwicklung ist schwindelerregend", sagt Andreas Vehring, seit 39 Jahren Tierpfleger in Osnabrück. Er überlegt lange, bevor er ergänzt: " Überwiegend ist sie positiv, weil die Waschbären jetzt klettern können und die Nasenbären Bäume im Gehege haben."

22 000 Jahreskarten

Trotz aller Weltoffenheit ist der Zoo aber immer eine in Stadt und Land Osnabrück verwurzelte Institution geblieben. Dies belegen über 22 000 Jahreskarten, die er in diesem Jahr verkaufte. " Ich bin damals Mitglied im Präsidium geworden, weil ich Osnabrücker werden wollte", sagt Cromme. " Uns allen geht es aber vor allem um die Tiere und die stetige Verbesserung ihrer Lebensbedingungen", ergänzt Vorstandsbeisitzerin Karin Bruchhausen.
Eine Aufgabe, die sie sicher auch in der Zukunft beschäftigen wird.

Bildergalerie
auf www.noz.de

Bildtexte:

Der erste Elefant im Osnabrücker Zoo: Am 17. April 1961 führten die Pfleger die Kuh Toni nach ihrem letzten Auftritt beim berühmten Zirkus William Althoff in Eversburg quer durch die Stadt in ihre neue Heimat am Schölerberg.

Der Affenfelsen gehört den Affen, auch wenn die Bergziegen vorübergehend den künstlichen Kletterberg eroberten. An dieser Stelle entsteht zurzeit ein Tempel.

Bärengruß heute: politisch korrekt.

Bärenhaltung damals: In dieser Grube fristeten die Tiere, bestaunt vom neugierigen Publikum, ihr Dasein.

Bärenhaltung heute: Im neuen Kajanaland haben die Tiere weit mehr Auslauf.

Fotos:
PR/ Martens

Der Zoo: Daten und Fakten

Damals:
1935: Spatenstich des Neubaus am 22. Juli
1936: Eröffnung am 26. Juli als Heimtiergarten
1938: Bärenweibchen Icky″ zieht ein und wird mit Braunbärmännchen Teddy″ Liebling des Publikums
1960: Eröffnung des ersten Warmhauses für exotische Tiere
1968: Indische Hirschantilopenziehen ein. Ihr Konterfei prägt jahrelang das Logo des Zoos
1978: Ein Feuer im frisch eröffneten Mehrzweckwarmhaus, vermutlich durchangeknabberte Leitungen verursacht, tötet in der Nacht zum 4. Januar viele Tiere
1996: Start der Aktion Patentier zur finanziellen Unterstützung

Heute:
Wirtschaftsunternehmen mit etwa 100 festen Arbeitsplätzen
Über 2400 Tiere aus 330 Arten (537 Säugetiere, 423 Vögel, 163 Reptilien, 990 Fische und 13 Amphibien) auf 23, 5 Hektar Fläche
Meistfrequentierte Freizeiteinrichtung der Region: 865 000 Besucher im Jahr 2010
Autor:
Benjamin Kraus


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