User Online: 1 | Timeout: 21:18Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Fischsterben in der Hase
Zwischenüberschrift:
Im Juli 1911 musste Schoeller eine neue Filteranlage bauen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Die großen Sommerferien begannen am 1. Juli und endeten Anfang August 1911, und in allen Zeitungen warben die Ferienorte um Besucher. St. Andreasberg im Harz wandte sich als " Höhen- und Luftkurort" und " bekannte Sommerfrische" auch an " Nervöse, Bleichsüchtige, Blutarme und Erholungsbedürftige" als Gäste. Wer daheim bleiben musste, erfreute sich an den Schützenfesten im Osnabrücker Land und in der Stadt.

Die Elektrische fuhr auf der Strecke Iburger Straße– Innenstadt zum Teil so rasch, dass sich Radfahrer und Passanten flugs in Sicherheit bringen mussten. Anfang Juli verunglückte dort ein Fahrrad fahrender Arbeiter, der das schrille Klingeln der Straßenbahn nicht gehört hatte er war taubstumm.

Das Kultusministerium plante, an allen Staatsschulen den Schwimmunterricht einzurichten. Beratungen dazu waren bereits abgeschlossen, und schon im Vorfeld erklärten sich viele Gemeinden einverstanden. Seit einem Jahr war eine Badeanstalt an der Wellmannsbrücke geplant, aber noch war sie nicht eingerichtet. Schade, resümierte der Reporter des Osnabrücker Tageblatts, besonders bei dem herrlichen Sommerwetter. Man hätte zumindest ein Provisorium errichten können. Das gute Wetter ließ die Landwirte auf eine gute Heu- und Roggenernte hoffen. Fast 14 Tage hatte es geregnet. Nun standen Hackfrüchte und Futtergras wieder prächtig auf den Feldern.

Weit über 20 000 Betriebe waren seit Ende Juni 1911 von der Maul- und Klauenseuche betroffen, im Regierungsbezirk Osnabrück allein 121 Höfe. Seuchenfrei war aber immer noch der Landkreis Osnabrück.

Ein umfangreiches Fischsterben in der Hase setzte eine hektische Suche nach der Ursache in Gang. Gerade hatte sich der Fischbestand wieder regeneriert, da bedeckten die silbernen, toten Leiber den Fluss und die Ufer. Sofort wurden auch die Badeanstalten am Fluss geschlossen. Empört forderte das Osnabrücker Tageblatt sofortige Aufklärung der unerträglichen Zustände.

Nach Tagen der Suche erwies sich, dass die Gretescher Papierfabrik ihren Cellulose-Stauteich abgelassen hatte. Der Müller in Gretesch verteidigte sein Öffnen des Staubeckens mit Reparaturarbeiten am Mühlrad. Das städtische Kollegium fasste den Beschluss, dass Schoeller eine Filteranlage bauen müsse. " Auf das tiefste zu bedauern ist dennoch das Sterben der vielen tausenden von Fischen", hieß es.

Senator und Geheimer Rat Haarmann beging im Juli sein 25-jähriges Jubiläum im Dienste der Stadt Osnabrück. Haarmann amtierte lange Jahre als Bürgervorsteher.

Der Blumenhaller Weg sollte noch 1911 ausgebaut werden. Viele Bäume wünschten sich die Sprecher des städtischen Kollegiums. Auch den zuletzt ausgebauten Trassen fehlten noch die vorgesehenen Bäume, so der Heinrich- und der Liebigstraße.

Ausgeführt werden sollten auch eine Anzahl Wasserzapfstellen zwischen Iburger Straße und dem Schölerberg, die gleichzeitig für Vögel, Pferde, Hunde und Katzen benutzbar sein sollten. Als Beispiel diente das Wasserbecken am Neumarkt und vor dem städtischen Krankenhaus.

" Auf Herrenrest" zwischen Oesede und Iburg wurde vor 100 Jahren die vormals Donnerberg′sche Villa in ein Rasthaus umgebaut. Ende des Monats eröffnete das " Kaffeehaus Teutoburg" seine Pforten. Für alle Ausflügler, Touristen und Vereine war das Haus bestens gerüstet.

Pünktlich zu den " Hundstagen", der Zeit zwischen dem 23. Juli und 23. August, erwärmte sich das Land und erinnerte an die amerikanische Hitzewelle, schrieb der Reporter des Osnabrücker Tageblatts. Das Hitzephänomen betraf ganz Mitteleuropa, von der Ostsee bis nach Frankreich. Vorsichtig musste man mit kalten Getränken sein, beim Baden ohne vorherige Abkühlung oder bei großen Anstrengungen im Freien.

Das Theater wurde in der Sommerpause nach Süden hin umgebaut. Die Garderobenräume mussten erweitert werden. Damit bezifferten sich die Baukosten des neuen Theaters in Osnabrück auf 764 000 Mark, 175 000 davon hatten die Bürger durch Spenden aufgebracht.

Um die Lebenserwartung des Deutschen zu Beginn des 20. Jahrhunderts ging es in einem Artikel, den das Osnabrücker Tageblatt veröffentlichte. In den 70er-Jahren des 19. Jahrhunderts hatte die Lebenserwartung der Männer bei 35, 5 Jahren gelegen. Frauen lebten etwas länger, nämlich 38, 4 Jahre. Schon wenige Jahrzehnte später (1890) erhöhte sich die Lebensdauer der Männer um 5, die der Frauen um 5, 5 Jahre.

Bildtext:

Cellulose aus der Gretescher Papierfabrik hatte im Juli 1911 ein großes Fischsterben in der Hase verursacht. Das undatierte historische Foto zeigt den Fluss mit Blick vom Neumarkt.

Foto:

Atelier Rudolf Lichtenberg


Anfang der Liste Ende der Liste