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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Verein will keinen "Spaß im Lager"
Zwischenüberschrift:
Diskussion um Freiluftkonzert in der Kaserne
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Der Verein " Antikriegsbaracke Atter" hat seine Kritik an dem Open-Air-Konzert in der Kaserne in Atter/ Eversburg bekräftigt. Vorstandsmitglied Helmut Schmitz wirft der Stadt und dem NDR mangelnde Sensibilität und " Geschichtsvergessenheit" vor.

Die Aufregung um das Spektakel am 30. Juli hat sich zwar etwas gelegt, nachdem die Kritiker sich mit dem Lageplan vertraut gemacht haben: Das Konzert findet auf dem Sportgelände der früheren Britenkaserne statt und nicht auf dem Gebiet des Kriegsgefangenenlagers. " Das macht die Sache milder, aber nicht besser", sagte Helmut Schmitz zu Beginn der Diskussion am Mittwochabend im Rathaus. Titel des Abends: " Kein Spaß im Lager". Zum kostenlosen Open-Air-Konzert des NDR mit den " Söhnen Mannheims" werden am 30. Juli, 25 000 Besucher erwartet.

Die Kritik des Vereins, der sich für den Erhalt der Lagerbaracken einsetzt, habe eine " gewisse Nachdenklichkeit" bei den Veranstaltern ausgelöst, so Schmitz. Es sei zugesagt worden, dass der Verein während der Veranstaltung über die Geschichte dieses Ortes informieren könne. Über die Form werde noch zu sprechen sein.

In Atter stößt die Kritik der Baracken-Schützer weitgehend auf Unverständnis. Friedhelm Gross, Vorsitzender des Bürgervereins Atter (" Ich spreche hier aber als Privatmann"), nannte die Vorwürfe " überzogen". Annette Niemann vom Bürgerforum Umwelt und Soziales in Atter schloss sich dem an. " Die Bürger nehmen das Lager wahr und akzeptieren die Geschichte, aber sie wollen nicht einen Stempel aufgedrückt bekommen, der nicht passt", sagte Niemann. Sie plädierte dafür, die Kaserne zur Bebauung freizugeben, " damit sich in Atter junge Familien mit Kindern ansiedeln können".

Das forderte den Widerspruch von Calmayer-Biograf Peter Niebaum heraus: Der Verein habe keineswegs " überzogen", und niemand solle behaupten, in dem Lager sei " nichts Schlimmes" passiert. Für Niebaum war das Lager " Teil des Vernichtungskrieges" und ist damit ein Ort, der sich für solche Spektakel verbiete.

Christine Grewe vom Friedensbüro der Stadt hat keine Probleme mit dem Konzert an diesem Ort. Der Verein könne die Chance nutzen, viele Menschen über das Lager zu informieren. Sie betonte, das Offizierslager Eversheide dürfe nicht mit einem KZ oder Kriegsgefangenenlager wie Sandborstel verglichen werden.

Tilman Westphalen, Ehrenvorsitzender der Remarque-Gesellschaft, äußerte die Sorge, die Kaserne könnte auf Dauer zur " Volksbelustigungsfestwiese" werden. Das wäre mit der Geschichte der Kaserne unvereinbar. Westphalen übte scharfe Kritik an der Stadtverwaltung: Sie schaue den Bemühungen nur zu, die Lagerbaracken unter Denkmalschutz zu stellen und zu einem Ort der " Antikriegskultur und des Friedenshandelns" zu machen. Walter Gröttrup, Vorsitzender des Vereins Antikriegsbaracke, würde sich eine " ideelle Unterstützung" durch die Stadt wünschen. " Dann würden wir auch leicht Sponsoren finden."

Der Verein will vier Baracken als Ensemble erhalten. Unter Denkmalschutz steht nur eine. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) ist bereit, sie für 49 000 Euro zu verkaufen. Im Herbst will die Verwaltung dem Rat ein Konzept vorlegen.

Der Verein hatte alle Ratsfraktionen zur Diskussion eingeladen. Gekommen waren nur Christopher Cheeseman (Linke) und Nils Peters (UWG), die beide in dem Kasernen-Konzert kein Problem sehen und die Bemühungen des Vereins um ein angemessenes Gedenken begrüßten.
Autor:
Wilfried Hinrichs


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