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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Schlicht, aber sehr besonders
Zwischenüberschrift:
An der Krahnstraße steht das älteste Bürgerhaus von Osnabrück
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Ein eher schlicht wirkendes Haus ist tatsächlich ein besonderes in der Altstadt. In der Krahnstraße 4 steht das älteste, im Jahre 1533 erbaute Bürgerhaus Osnabrücks. " Müh′ und Arbeit sind umsunst, so Du nicht hast auch Gottes Gunst" steht auf seiner Fassade.
Gottes Gunst hatte dieses Haus in der Tat: Seine Mauern überstanden während 475 Jahren wechselvoller Geschichte verheerende Brände und Kriege. Sein Sinnspruch nach einem Psalmwort ist Thema des Gottesdienstes der evangelisch-reformierten Gemeinde im Rahmen ihrer Sommerkirche.
Im typischen Stil eines Ackerbürgerhauses erbaut, ist heute hier Sitz der Bäckerei und Konditorei Läer. Im 16. Jahrhundert betrieben viele Bürger Osnabrücks Handel, hatten ein Handwerk und großes und kleines Vieh. Für all das musste Raum sein in ihren Häusern. Eine große Deele über zwei Etagen brauchten sie, damit Fuhrwerke ein- und ausfahren konnten. Da standen die Kühe und Schweine, und die offene Feuerstelle war ebenfalls hier. Im zweiten Stockwerk waren die Schlafräume, unterm Dach schließlich waren Speicher für Getreide, Holz, Reet und Stoffe. Diese Waren wurden mit einem Kran an der Fassade in die Speicher be- und entladen. Daran erinnert heute noch der Name Krahnstraße.
" Unser Haus ist ein tolles Bauwerk", freut sich Ulrich Läer, der in der dritten Familiengeneration die Bäckerei und Konditorei betreibt, und spricht darüber, auf welch erstaunliche Weise dieses Haus fünf Jahrhunderte lang allen Gefahren standhielt.
Den Stadtbrand von 1613 und auch den großen Brand in der angrenzenden Bierstraße im späten 19. Jahrhundert überstand es nicht zuletzt, weil seine Erbauer in kluger Voraussicht eine dicke Brandschutzmauer eingebaut hatten. Sehr eindrucksvoll ist die Geschichte, die Ulrich Läer vom Haus seiner Familie während der Bombardements am Ende des Zweiten Weltkriegs im September 1944 berichtet: Eine Fliegerbombe traf das Dach des Nachbarhauses, in dem sich heute eine Apotheke befindet. Dort schoss eine Brandbombe durchs Dach bis in den Keller, explodierte und tötete die Menschen. Das Haus nebenan aber, die Krahnstraße 4 so berichteten Bewohner und Beobachter des schrecklichen Geschehens –, sei durch die Wucht dieser Detonation zuerst einen halben Meter hochgesprungen, dann zurückgesackt und schließlich auf seine Grundfesten stehen geblieben. " Natürlich gab es große Risse im Gebälk, die Fensterscheiben waren raus, und auf dem Dach war keine einzige Pfanne mehr", erzählt Konditormeister Läer, " aber die Mauern hatten standgehalten."
Über die Erbauer dieses ungewöhnlichen Hauses weiß man heute nichts mehr. Sicher ist, dass schon im 19. Jahrhundert hier eine Bäckerei war. Im Jahr 1903 wurde es von Johannes Läer gekauft, der als erster Konditormeister in Osnabrück in einem Teil seines Bäckerladens feines Konfekt, Pralinen und Bonbons verkaufte.
Nach dem Krieg wurde das Geschäft ab 1948 wieder aufgebaut, und 1988 ließ Ulrich Läer sein Haus unter Gesichtspunkten des Denkmalschutzes rekonstruieren. Durch dieses Engagement ist es heute wieder weitgehend in seiner ursprünglichen Form zu sehen.
Segensworte und Psalmsprüche an die Fassade anzubringen war üblich, als dieses Haus vor knapp 500 Jahren erbaut wurde.
In ihrer Predigt setzt Petra Kohrs, die den Gottesdienst gestaltet, Haus und menschliches Leben miteinander in Verbindung. Neben dem, was man für sich selbst tun und verantworten müsse, brauche man für sein Leben auch Vertrauen auf Gott. Beim an den Gottesdienst anschließenden Spaziergang zur Krahnstraße 4 wird Bäckermeister Ulrich Läer alle Interessierten begrüßen.
" Sommerkirche" der evangelisch-reformierten Gemeinde bis 14. August, immer sonntags um 10 Uhr in der Kleinen Kirche (Gymnasialkirche). Gleichzeitig finden Kindergottesdienste statt .

Bildtexte:

Thema in der Predigtreihe " Gottes Häuser" der evangelisch-reformierten Gemeinde: das Haus in der Krahnstraße 4.

Anziehungspunkt: das Café Läer in der Krahnstraße.

Fotos:

Jörn Martens
Autor:
Gunhild Seyfert


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