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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Wegen Fahnenflucht ins Konzentrationslager
Zwischenüberschrift:
Friedrich Wilhelm Schumacher wurde Opfer der NS-Militärjustiz
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Im Juli 1942 fuhr ein Bestatter mit dem Vater des Toten nach Esterwegen. Friedrich Wilhelm Schumacher war dort im Konzentrationslager gestorben unter ungeklärten Umständen. Anderthalb Jahre vorher hatte ihn die Wehrmacht verhaftet. Sie warf ihm Fahnenflucht vor. Jetzt erinnert ein Stolperstein vor seinem damaligen Zuhause an der Sutthauser Straße 190 an ihn.
Die Eltern von Friedrich Wilhelm Schumacher dürften bereits seit Februar 1941 in Sorge gewesen sein. Die Wehrmacht hatte ihnen mitgeteilt, dass sich ihr Sohn in Untersuchungshaft befand und nun die Verhandlung vor dem Feldgericht ausstand. Von " defätistischen" Äußerungen, Zersetzung der Wehrkraft und Fahnenflucht war die Rede. Im Herbst desselben Jahres wurde der Soldat, der als Kanonier gedient hatte, in das Konzentrationslager Esterwegen eingeliefert.
KZ Esterwegen
Es war eines der ersten Konzentrationslager der Nationalsozialisten und wurde 1933 zunächst für sogenannte " Schutzhäftlinge" eingerichtet damit meinten die Machthaber ihre politischen Gegner. Nach Beginn des Krieges 1939 kamen nach und nach verurteilte Soldaten hinzu. Sie mussten hart arbeiten, hungern und unter unhygienischen Bedingungen leben. Viele wurden krank und starben, unter anderem an Magen- und Darmkatarrh.
Was mag Friedrich Wilhelm Schumacher getan oder gesagt haben, dass er als Fahnenflüchtiger galt? Anna Pallas von der theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück griff bei der Verlegung des Stolpersteins den Begriff " Defätismus" auf, mit dem bereits im Ersten Weltkrieg " das systematische Nähren von Mutlosigkeit, Resignation und Zweifel am militärischen Sieg" gemeint war. Bereits ein geringer Anlass reichte aus, um vor das Kriegsgericht, ein Sondergericht oder den Volksgerichtshof gezerrt und abgeurteilt zu werden.
Friedrich Wilhelm Schumacher sollte seine Heimatstadt nie wieder sehen. Doch sein Vater holte die Leiche seines 28-jährigen Sohnes nach Osnabrück. Die Familie beerdigte ihn auf dem Johannisfriedhof.
Trauriges Nachspiel
Anna Pallas berichtete von einem traurigen Nachspiel. Sie zeigte sich empört, dass 1952 in der jungen Bundesrepublik sich der Kreissonderhilfsausschuss weigerte, der Familie von Friedrich Wilhelm Schumacher eine Entschädigung zu zahlen. Die offizielle Begründung lautete: " Der ererbte Haftentschädigungsantrag für den Sohn Friedrich Sch. wird abgelehnt, da nach eigener Angabe des Antragstellers der Sohn wegen defätistischer Äußerung, Zersetzung der Wehrkraft und Fahnenflucht inhaftiert wurde."
Die Rehabilitierung von Opfern der Militärjustiz im Nationalsozialismus ließ auf sich warten zu lange für die Familie von Friedrich Wilhelm Schumacher.

Bildtexte:

Der Stolperstein für Friedrich Wilhelm Schumacher, der im KZ Esterwegen ums Leben kam.

Sutthauser Straße 190: Hier lebte Friedrich Wilhelm Schumacher. Als junger Soldat geriet er in die Fänge der NS-Militärjustiz und starb im Konzentrationslager Esterwegen. Jetzt erinnert ein Stolperstein an ihn.

Fotos:

Jörn Martens

Stolpersteine
Die in den Gehwegen verlegten Stolpersteine aus Messing erinnern an Opfer des Nationalsozialismus jeweils vor den Wohn- oder Wirkungsstätten der Juden, Sinti, Deserteure, Menschen, die aus politi-chen und religiösen Gründen, wegen ihrer sexuellen Orientierung, einer psychischen Erkrankung oder einer Behinderung verfolgt und ermordet wurden. Der Kölner Künstler Gunter Demnig ist Initiator des Projekts, dem sich bisher etwa 600 Kommunen angeschlossen haben: außer in Deutschland auch in Ländern wie Österreich, Ungarn, Italien, Tschechien, Polen, Belgien, Norwegen, den Niederlanden und in der Ukraine. Paten des Stolpersteins für Friedrich Wilhelm Schumacher sind die Jugendherberge Osnabrück und die theaterpädagogische Werkstatt Osnabrück. Schüler des Berufsschulzentrums am Westerberg haben die Gedenktafel verlegt: Simon Bartsch, Jannik Hollenborg, Maurice Hüpel und Nico Seidel. Das Büro für Friedenskultur nimmt für künftige Stolpersteine gern Hinweise von Zeitzeugen über das Schicksal von Opfern des NS-Regimes entgegen.Die Telefonnummer lautet 05 41/ 3 23 22 87.
Autor:
Jann Weber


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