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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Als der Henker versagte
Zwischenüberschrift:
Stadtführung von Zeitseeing beleuchtet historische Kriminalfälle in Osnabrück
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Unter dem Motto " Mord und Totschlag" veranstaltet Zeit seeing seit einiger Zeit Stadtführungen, die ihren Fokus auf Mordfälle, Gerichtsprozesse und Urteilsvollstreckungen im frühneuzeitlichen Osnabrück richtet.
Beispiel gefällig? Im Jahr 1720 kauft ein Mann ein Haus in der Altstadt. Bezahlen kann er es zwar nicht, bewohnen möchte er es aber schon. Also erschlägt er kurzerhand den Verkäufer und vergräbt ihn in der Küche. Dessen Verschwinden bleibt indes nicht lange unbemerkt. Die Leiche wird gefunden, der insolvente Hauskäufer letztlich vor der Stadt gerädert.
Wer den Ausführungen von Martin Hegge lauscht, dem gereichen starke Nerven sicher nicht zum Nachteil. Zwar begleitet die Distanz zum Geschehenen macht′s möglich stets ein gewisses Augenzwinkern oder die ein oder andere handfeste Zote die Schilderungen des Stadtführers.
Aber eben auch jede Menge Details: Als Hegge von einer Kindermörderin berichtet, für deren Enthauptung der Henker auf dem Marktplatz vier Schwerthiebe benötigte, wirkt der ein oder andere Zuhörer dann doch eine Nuance blasser um die Nasenspitze. Die Ursache der nicht ganz planmäßig verlaufenen Hinrichtung klingt dann aus heutiger Sicht aber schon wieder so grotesk, dass trotz aller Tragik doch das Komische überwiegt: Der etatmäßige Scharfrichter in Osnabrück ein akzeptierter Beruf befand sich gerade auf Wanderschaft, um sein " Handwerk" zu erlernen, ein Ungelernter wurde also mit der Hinrichtung beauftragt. Statt seine mangelnde Professionalität einzugestehen, schob dieser hinterher aber alle Schuld auf einen Priester.
Der, zum Beistand der Delinquentin bestellt, habe nämlich zu nahe bei ihm am Schafott verweilt und dadurch die Hinrichtung erschwert.
45 Todesurteile
Insgesamt bewegt sich die Zahl der Hinrichtungen in Osnabrück in einem überschaubaren Rahmen; zwischen 1716 und 1769 beispielsweise sind derzeit 45 vollstreckte Todesurteile bekannt. Dafür lassen sich zwei Gründe finden: Zum einen sicherte ein auf Barbarossa zurückgehendes Privileg der Stadt Osnabrück und ihren Bewohnern eine vom Landesherren unabhängige Rechtsprechung zu. Dem Landesherren im Falle Osnabrücks der Fürstbischof mussten Urteile nur dann vorgelegt werden, wenn sie auf Tod oder Landesverweis lauteten. Um den Fürstbischof möglichst aus städtischen Angelegenheiten fernzuhalten das Verhältnis der Osnabrücker zu ihrem Landesherren war traditionell kühl entschied man daher nach Möglichkeit nicht auf " Tod", sondern verurteilte zu Geld- oder kurzen Freiheitsstrafen, die im Bürgergehorsam oder im " Ziehbürken", einem zugigen Kellerloch unter dem Rathaus, verbüßt wurden.
Zudem wurde vor dem Hintergrund der Aufklärung das Todesurteil im 18. Jahrhundert zunehmend unpopulär. Zwar verteidigte beispielsweise Justus Möser die Todesstrafe mit der nicht uninteressanten Begründung, dass die Möglichkeit des Staates zur Anwendung einer Todesstrafe ihn zugleich dazu befähige, seinen Untertanen durch Nicht-Anwendung das Leben zu schenken. Aber nichtsdestotrotz: Ab 1769 war die Todesstrafe in Osnabrück de facto abgeschafft.
Zuchthaus am Neumarkt
Der Grund führt aus der Altstadt zum Neumarkt: Etwa dort, wo heute das Landgericht steht, eröffnete in jenem Jahr das erste Osnabrücker Zuchthaus. Von Fürstbischof Clemens August bereits 1755 in Auftrag gegeben, stieß der Bau des Gefängnisses lange auf den Widerstand der Stadt, da mit seiner Inbetriebnahme auch Landestruppen in die Stadt kamen die im Zweifelsfall auch gegen eine allzu aufmüpfige Bürgerschaft hätten eingesetzt werden können.
Letztlich führte die Einrichtung des Gefängnisses zu vermehrten Eingriffen des Fürstbischofs in die städtische Justiz: Um den Betrieb des Zuchthauses zu rechtfertigen, benötigte der Fürstbischof schließlich Insassen; so wurden Todesurteile und Landesverweise fortan bis zum Ende des Fürstbischoftums 1803 in Haftstrafen umgewandelt.
Führungen von Mai bis Dezember jeden 3. Donnerstag im Monat, 19 Uhr, Treff am Löwenpudel. Kosten: Erwachsene 6 Euro, Kinder (bis 16 Jahre) 3 Euro. www.osnabrueck-stadtfuehrungen.de.

Bildtext:

Gruselige Geschichten von Mord und Totschlag erzählt Martin Hegge.

Foto: Egmont Seiler
Autor:
Markus Pöhlking


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