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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Im Westen viel Neues
Zwischenüberschrift:
Wie der Verkehr den Martiniplatz verändert hat
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Eigentlich schade um das stolze Gebäude Martinistraße 109, das einst die Gaststätte Zum Martiniplatz″ beherbergte, den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstand und erst in den 1960er-Jahren dem Straßenausbau zum Opfer fiel. Denn was danach kam ein wild wucherndes Bodendecker-Beet, Litfaßsäule und Telefonzelle ist nicht unbedingt schöner.

Die bauliche Entwicklung rund um den Martiniplatz (heute Heinrich-Lübke-Platz) wird nur verständlich, wenn man das Straßennetz am westlichen Stadtrand Osnabrücks, wie es bis in die 60er-Jahre Bestand hatte, mit der heutigen Situation vergleicht. Die Ausfallstraße Richtung Südwesten, die Verlängerung der Martinistraße nach Hasbergen und Lengerich, war über Jahrhunderte die Trasse des Blumenhaller Weges. Diese von engen Häuserschluchten eingefasste Straße taugte nicht als Zubringer zur Schnellstraße E 8, der heutigen Autobahn A 30, die 1966 südlich an Osnabrück vorbeigeführt wurde. Deshalb fiel das Auge der Verkehrsplaner auf jene kleine Lindenallee, die sich hinter der Gaststätte nach Westen zog, dort, wo auf der Ansicht von 1930 Straßenbahn-Anhänger abgestellt sind.

Auf Vorkriegs-Stadtplänen hat dieser Weg noch gar keinen Namen. 1954 hieß er Stadionstraße″, weil sein Hauptzweck darin bestand, zum Stadion Illoshöhe zu führen, und die Verlängerung mit dem Durchstich zur Rheiner Landstraße nannte sich Höhenweg″. Ein Teil des Wegverlaufs deckt sich mit der heutigen Oberen Martinistraße. Ab Martiniplatz machten die Straßenbauer nun aus dem kleinen Stadionweg den vierspurigen Kurt-Schumacher-Damm, der ab Einmündung Mittagskamp auf einer ganz neuen Trasse zur Auffahrt Osnabrück-Hellern führt.

Der Straßenverbreiterung stand der schlanke dreieinhalbgeschossige Bau aus dem Jahr 1900 mit der Gaststätte im Weg. Auch der sich nach links anschließende Wirtshausgarten ist nicht mehr. An seiner Stelle erhebt sich heute ein schlichter Zweckbau mit einer Filiale der Volksbank und der Malteser-Apotheke.

Wolfgang Eberhard ist direkt gegenüber am Blumenhaller Weg 5 groß geworden. Früher war hier eine ganz andere Welt, alles war viel beschaulicher″, sagt er. Beim Betrachten des alten Bildes kommen die Erinnerungen hoch. An die Gaststube, die auch Wahllokal war, in der er zum ersten Mal wählen gehen durfte. An die Straßenbahnanhänger, die in den verkehrsschwachen Zeiten auf dem Stichgleis auf dem Schrägen Weg″, wie er allgemein genannt wurde, abgestellt waren, bis sie für den Feierabendverkehr wieder angekuppelt wurden. An die Pferdekoppel, die auf der alten Ansicht rechts neben der Tanksäule zwischen den Straßenbahnwagen durchschimmert.

Immer nur Ruhe und Frieden habe allerdings nicht geherrscht: Morgens zwischen 6 und 7 Uhr weckte uns immer das Quietschen der Straßenbahn, die vom Depot über das Betriebsgleis Am Kirchenkamp durch die Kurve hier zur Endstation geschoben wurde.″ Dreißig Jahre lang, von 1928 bis 1958, war der Martiniplatz Endstation der Linie 3. Die Linie war ein wichtiges Transportmittel auch für die Arbeiter in den Industriebetrieben an der Martinistraße, von denen die drei Ks″, Karmann, Künsemüller und Kromschröder, wohl die wichtigsten waren.

Bildtexte:

Martiniplatz um 1930: Auf der Spitze zwischen Blumenhaller Weg (vorne) und der Lindenallee im Hintergrund stand das schlanke Gebäude des Gasthauses Zum Martiniplatz″, Inhaber F. Wiesehahn.Ansichtskarte des Verlags K. Worch, Osnabrück (Sammlung Helmut Riecken)

Cotoneaster wuchert heute auf der schmaler gewordenen Grundstücksspitze zwischen Blumenhaller Weg (vorne) und Kurt-Schumacher-Damm (hinten). Foto: Joachim Dierks

Autor:
Joachim Dierks


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