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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Das zweite Gift kam mit dem Löschschaum
Zwischenüberschrift:
Neun Jahre nach dem Chemieunfall im Güterbahnhof ist eine zweite Grundwassersanierung nötig
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Neun Jahre nach dem verheerenden Chemieunfall auf dem Güterbahnhof stellt sich heraus, dass die längst beendete Grundwassersanierung noch einmal von vorn beginnen muss. Dieses Mal gilt es, die Rückstände von 14 Tonnen Löschschaum unschädlich zu machen.
Weil eine Schiene gebrochen war, entgleiste ein Güterzug am 16. Februar 2002 östlich der Schellenbergbrücke. Ein Kesselwagen, beladen mit dem giftigen und zugleich hochexplosiven Acrylnitril, bekam ein Leck und geriet in Brand. Stundenlang schlugen die Flammen in den Himmel über dem Fledder. Eine große Menge der Chemikalie sickerte in den Boden.
Vier Jahre dauerte es, das verseuchte Grundwasser mithilfe von Bakterien von Acrylnitril zu befreien. 2006 waren die Grundwasserproben aus allen 45 Messstellen wieder sauber, wie Detlef Gerdts vom Fachbereich Umwelt der Stadt Osnabrück betont.
Im Boden lauert seit dem Chemieunglück jedoch ein zweites Gift, und das ist noch tückischer als das berüchtigte Acrylnitril. Der Schaum, mit dem die Feuerwehren das flammende Inferno schließlich in den Griff bekamen, enthält PFT perfluorierte Tenside.
Diese Chemikalie, deren segensreiche Wirkung bei der Brandbekämpfung unbestritten ist, gilt inzwischen als extrem umweltgefährlich und steht zudem unter Krebsverdacht. Eine Eigenschaft, aus der sie ihren Nutzen zieht, macht sie zugleich zum Teufelszeug: PFT lässt Jacken atmungsaktiv, Papier wasserfest und Bratpfannen fettabweisend werden. Löschschaum ist deshalb so wirkungsvoll, weil seine PFT-Komponente chemisch absolut stabil ist. Da hat das Feuer keine Chance.
So ein Stoff kommt in der Natur nicht vor, und er wird auch nicht biologisch abgebaut. PFT lagert sich im Blut und im Organgewebe an und bleibt dort für lange Zeit. Inzwischen hat sich das segensreiche Gift über den ganzen Globus verteilt. Sogar in der Leber von natürlich lebenden Eisbären wurde es schon nachgewiesen.
Vom städtischen Fachbereich Umwelt wurde der Bahn nahegelegt, das Grundwasser unter dem Unglücksgelände im Fledder auf perfluorierte Tenside zu untersuchen. Das Ergebnis ist eindeutig: Bis zu 156 000 Nanogramm pro Liter wurden in den Proben festgestellt. Als unbedenklich gelten 1000 ng/ l für das Grundwasser, für Trinkwasser gelten 300 ng/ l als tolerabel.
Sanierungsbedürftig ist damit eine 12 000 Quadratmeter große Grundwasserfläche das entspricht zwei Fußballfeldern. Für die Kosten sie sollen im siebenstelligen Bereich liegen wird voraussichtlich die Deutsche Bahn AG aufkommen. DB-Pressesprecher Egbert Meyer-Lovis bestätigte, dass die Bahn bei der Sanierung im engen Schulterschluss mit der Stadt vorgehen werde. Zuvor müsse das Untersuchungsgebiet mit weiteren Boden- und Grundwasseruntersuchungen genauer eingegrenzt werden.
Die Stadt Osnabrück weist darauf hin, dass es keine akute Gefährdung für Mensch und Umwelt gebe. Glücklicherweise gebe es keine Trinkwassernutzung im Abstrombereich, erklärte dazu Detlef Gerdts vom Fachbereich Umwelt. Geringe Mengen PFT könnten allerdings in die Hase gelangen.
Immer mehr Filter
Die Sanierung von PFT-Altlasten gilt als extrem schwierig. Wegen seiner chemischen Eigenschaften lässt sich der Stoff kaum mit den sonst üblichen Aktivkohlefiltern auffangen. Jetzt wollen die Fachleute versuchen, das Grundwasser durch eine Kombination von mehreren Aktivkohlefiltern mit einem Ionenaustauscher zu schicken.
Die Belastung durch perfluorierte Tenside im Löschschaum wird inzwischen auch von der Europäischen Union als Problem angesehen. Seit dem 1. Juli 2011 dürfen nur noch Löschschäume mit geringerer PFT-Konzentration eingesetzt werden.

Bildtexte:

14 Tonnen Schaum versprühte die Feuerwehr am 16. Februar 2002, um den Brand im Güterbahnhof zu ersticken. Jetzt ist der Schaum ein Umweltproblem.Fotos: Klaus Lindemann

Explosionsgefahr: Beim Chemieunfall brauchte die Feuerwehr viel Schaum, um eine Katastrophe zu verhindern.

Aus diesem Leck in einem Kesselwagen strömte das giftige Acrylnitril. Bakterien haben es inzwischen beseitigt.


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