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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Eine Schule im Ausnahmezustand
Zwischenüberschrift:
Waldschule Lüstringen: Harter Konflikt zwischen Elternvertretern und Schulleitung
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. In der Waldschule Lüstringen gibt es handfesten Ärger. Eltern werfen der Schulleiterin Martina Deakin einen autoritären Führungsstil vor, sie fühlt sich von den Wortführerinnen gemobbt und droht mit juristischen Schritten. Ein Schlichtungsversuch der Landesschulbehörde endete mit einem Eklat: Schulvorstand und Schulelternrat traten geschlossen zurück.

Der Konflikt schwelt schon länger als ein Jahr. Inzwischen lähmt die Unzufriedenheit vieler Beteiligter das Schulleben. Eltern beklagen, dass ihr Engagement nicht mehr gefragt sei, etwa bei den Lesewelten″, die früher eine feste Einrichtung an der Schule waren. Unterrichtsbegleitende Aktionen, Sportfeste und Schulfeiern fänden nicht mehr statt oder seien zu Pflichtveranstaltungen degradiert. Kinder würden eingeschüchtert, freies Spielen durch immer mehr Verbote eingeschränkt.

Zielscheibe der Kritik ist Rektorin Martina Deakin, die seit drei Jahren die Waldschule Lüstringen leitet. Gegenüber unserer Zeitung distanzierte sie sich entschieden von der Kritik und betonte, dass sie den Eltern immer wieder Gespräche angeboten habe. Es sei ihr wichtig, dass der Gesprächsfaden spätestens im neuen Schuljahr zum Wohle der Kinder wieder aufgenommen werde. Im Übrigen verwies sie auf die Landesschulbehörde.

Walter Johannes Herrmann, kommissarischer Dezernatsleiter für allgemeinbildende Schulen, stellt sich hinter die kritisierte Rektorin: Es gibt keinen Anlass, die Aufgabenwahrnehmung von Frau Deakin zu kritisieren″, erklärte Herrmann gegenüber unserer Zeitung. Der Konflikt mit den Eltern gehe möglicherweise auch auf das Rollenverständnis einiger Lehrkräfte zurück, die sich mit der veränderten Aufgabenstellung der Schulleiterin nicht hätten arrangieren können.

Ein verständnisvoller Tenor gegenüber der Rektorin klang auch aus früheren Schreiben der Landesschulbehörde durch. Dazu gehört die Replik auf eine Dienstaufsichtsbeschwerde, die von der bisherigen Schulelternratsvorsitzenden Gabriele Abels und den Elternvertretern im Schulvorstand erhoben wurde. Zurückgewiesen wurden darin Vorwürfe, dass Deakin Schüler vorführe oder beleidige, dass sie die Kinder im Kasernenhofton strammstehen″ lasse und dass sie die Meinungsfreiheit der Elternvertreter beschneide. Ein zu ahndendes Fehlverhalten der Schulleiterin″ sei nicht zu erkennen, lautete das Fazit der Landesschulbehörde.

Als Elternvertreter daraufhin das Kultusministerium einschalteten, bekamen sie Post von einer Osnabrücker Anwaltskanzlei. Ihre umfassende Mobbing-Kampagne″ bzw. ihre Rufmordkam pagne″ gegen die Schulleiterin erfülle den Tatbestand der Nötigung, hieß es in dem Schreiben. Falls sie der ultimativen Aufforderung auf Unterlassung nicht nachkämen, drohe ihnen eine Strafanzeige.

In der vergangenen Woche wagte die Schulbehörde einen Versuch, beide Parteien an einen Tisch zu setzen. Fünf strittige Punkte sollten erörtert werden, darunter die Gestaltung der Homepage und die Kommunikation mit den Eltern. Zur Eskalation kam es, als Regierungsschuldirektor Jürgen Rath-Groneick darauf drängte, mit der Schulleitung Frieden zu schließen. Die Elternvertreter legten wie zuvor besprochen ihre Ämter nieder. Rath-Groneick soll wutentbrannt die Sitzung verlassen haben.

Wir fühlten uns von der Landesschulbehörde nicht mehr ernst genommen″, sagt die Elternvertreterin Julia Henning, die an dem kollektiven Rücktritt beteiligt war. Sie sieht die Schule jetzt im Ausnahmezustand.

Dezernatsleiter Walter Johannes Herrmann bedauert, dass es so weit gekommen ist. Nach seiner Einschätzung gibt es zwar gravierende Kommunikationsschwierigkeiten, aber die ließen sich doch mit gutem Willen überwinden.

Rektorin Martina Deakin habe die Bereitschaft zur Reflexion erkennen lassen, betonte Herrmann. Sie sei auch bereit, auf die Kritiker zuzugehen. Die Landesschulbehörde hofft nun, dass es nach den Sommerferien zu einem Neustart im schulischen Miteinander kommt. Voraussetzung ist, dass sich Elternvertreter in die Schulgremien wählen lassen.

Die werden Probleme haben, dass sich jemand meldet″, prophezeit die ehemalige Elternsprecherin Julia Henning. Ehrenamtliche Arbeit werde an der Waldschule von der Gegenseite″ wenig unterstützt.

Inzwischen leidet die Schule an einer weiteren Erosionserscheinung: Fünf Lehrerinnen haben Versetzungsanträge gestellt. Zu den Gründen will Dezernatsleiter Herrmann nichts sagen: Privatsache. Für die Elternvertreter ein weiterer Beleg, dass die Schule im Ausnahmezustand ist.

Bildtext:

Außen friedlich, innen zerstritten: In der Waldschule kam es in der vergangenen Woche zum Eklat.

Foto:

Michael Hehmann
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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