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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Für Dallmann bleibt das Tor zu
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Überraschende Wende: Grundstücksverhandlungen für Limberg-Kaserne gescheitert
Artikel:
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Originaltext:
Die Tür zugeschlagen: Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) hat die Verkaufsgespräche mit der Firma Dallmann für gescheitert erklärt. Die Stadt will die Kaserne ungeachtet dessen als Gewerbefläche entwickeln. Foto: Klaus Lindemann
Osnabrück. Überraschende Wende im Limberg-Streit: Das Bauunternehmen Dallmann wird sich vorerst nicht in der Kaserne ansiedeln. Die Verkaufsgespräche sind gescheitert, wie Oberbürgermeister Boris Pistorius gestern Abend zu Beginn einer Informationsveranstaltung mitteilte.

" Wunderbar", ruft eine Frau in den Hörsaal der Fachhochschule in Haste hinein. " Ich kann es gar nicht glauben", kommentiert ein Mann, was er gerade aus dem Mund des Oberbürgermeisters vernommen hat und was die etwa 100 Zuhörer mit Applaus quittieren: Dallmann kommt nicht. Ob das Unternehmen die Pläne endgültig begräbt, ist aber noch offen.

Pistorius teilte den verblüfften Limberg-Anwoh nern mit, dass die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) am Morgen das europaweite Ausschreibungsverfahren für die Kaserne am Limberg für gescheitert erklärt habe. Dallmann war in dem Ausschreiben der einzige Bieter für eine Teilfläche der ehemaligen britischen Militärfläche. Es habe keine Einigung über den Kaufpreis gegeben. Dem Vernehmen nach lag zwischen den Vorstellungen der Bima und dem Angebot Dallmanns eine erhebliche Spanne.

Pistorius sagte, er habe vor etwa zwei Wochen beide Seiten gedrängt, rechtzeitig zu dieser Informationsveranstaltung für die Limberg-Bewohner ein Signal zu geben, ob und wann die Grundstücksverhandlungen erfolgreich abgeschlossen werden könnten. Bis vorgestern habe es keine Anzeichen für ein Scheitern gegeben. Völlig überraschend habe der Bima-Vertreter dann am Mittwochmorgen das Ende verkündet. Dallmann habe kein neues Angebot unterbreitet.

Die Reaktion der Limberg-Anwohner: Thomas Kreuzfeld von der Interessengemeinschaft Walter-Haas-Straße äußerte sich " äußerst erfreut" über die Entwicklung, über die Pistorius ihn und die Sprecher der Bürgerinitiative " Rettet den Limberg" kurz vor der Veranstaltung informiert hatte. Vieles in seinem Vortrag war damit überholt. Dennoch gab er die vorbereitete Stellungnahme der Interessengruppe zur Limberg-Planung ab, " damit sich gewisse Fehler in Zukunft nicht wiederholen". Zu den Fehlern zählte er die Abkehr vom Perspektivplan, der unter Beteiligung der Bürger entstanden war und Wohnen, nicht störendes Gewerbe, Sport- und Freizeitnutzungen auf dem Gelände vorsah. Die Stadt habe sich bei der Entwicklung der Kasernen von anderen treiben lassen und keinen Gesamtplan verfolgt, sagte Kreuzfeld. Er bot der Stadt eine konstruktive Mitarbeit der Bürger an, " aber auf Augenhöhe mit Rat und Verwaltung".

Die Reaktion der Firma Dallmann: Firmenchef Horst Dallmann äußerte gestern Abend auf NOZ-Anfrage sein Bedauern über das Scheitern der Grundstücksverhandlungen. Die Nachricht der Bima habe auch ihn überrascht. " Ich hatte eigentlich ein gutes Gefühl, als wir das letzte Mal auseinandergegangen sind", sagte Horst Dallmann. Er bekräftige, nicht den Bürgerprotesten nachgegeben zu haben. Vor solchen Auseinandersetzungen habe er " keine Angst", sondern stelle sich mit sachlichen Argumenten der Diskussion. Dallmanns Stammsitz im Herzen von Bramsche ist nur 2, 3 Hektar groß und inzwischen viel zu klein geworden. Dallmann will seine Suche nach einer geeigneten Fläche deshalb fortsetzen. Ob der Limberg weiter in Betracht kommt, konnte Dallmann gestern Abend noch nicht sagen: " Wir warten jetzt die Dinge ab und denken weiter nach."

Die Reaktion der Stadt: Die Planungen für die Entwicklung der 70 Hektar großen Kaserne werden nicht eingestellt. Vorgesehen ist ein Gewerbegebiet auf einer Fläche von 31, 7 Hektar. Rund neun Hektar sollen weiterhin für Sport und Freizeit genutzt werden. Die andere Hälfte der ehemaligen Doppelkaserne wird als Grünzone erhalten. Erschlossen wird die Kaserne durch eine neue Straße in Nord-Süd-Richtung. Die Straße Am Limberg, die unmittelbar an die Wohngebiete grenzt, wird für Autos gesperrt, für Radfahrer zurückgebaut und begrünt. Pistorius geht davon aus, dass in etwa einem Jahr der Bebauungsplan beschlussreif sein kann. Dann werde die Bima erneut in die Ausschreibung gehen und versuchen, die Flächen zu vermarkten.

Kommentar
Verspekuliert
Vor Legendenbildung sei gewarnt: Dallmann ist nicht vor den heftigen Bürgerprotesten eingeknickt, sondern hat sich offenbar einfach nur verspekuliert.
Als einziger Bieter im europaweiten Ausschreibungsverfahren sah sich das Bramscher Unternehmen gewiss in einer komfortablen Verhandlungsposition und erwartete ein Entgegenkommen der Bima. Es bleibt das Geheimnis der beiden Seiten, ob eine Einigung nicht doch noch möglich gewesen wäre. Jetzt ist es vorbei. Während die Limberger jubeln dürfen, müssen die Stadtpolitiker ihre Lehren ziehen: Wie können betroffene Bürger noch besser informiert und mehr für die gesamtstädtischen Interessen sensibilisiert werden? Sonst bleibt von der monatelangen Limberg-Aufregung nur der fatale Eindruck zurück, dass ein Protest unabhängig vom Inhalt nur laut und entschieden genug vorgetragen werden muss, um erfolgreich zu sein. Dann wäre der Limberg kein gutes Modell für Osnabrück.
Autor:
Wilfried Hinrichs


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