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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Viele Zwölfer verlassen orientierungslos die Schule
Zwischenüberschrift:
Fehlt das "gestohlene" Jahr? – Lernstress ließ zu wenig Zeit zum Nachdenken
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Zwölf statt dreizehn: Ein ganzes Jahr hat man den Schülern genommen, die in diesem Jahr erstmals nach nur zwölf Schuljahren ihr Abitur absolviert haben. Wir haben sie gefragt, ob ihnen das Jahr fehlt.
" Ja, um ehrlich zu sein, fehlt es mir schon", sagt Niklas Schwichtenberg. " Für mich ist es einfach komisch, jetzt schon fertig zu sein", sagt der ehemalige Wüstengymnasiast. Es ginge ihm gar nicht um irgendwelche Leistungen, die nach 13 Jahren vielleicht ein bisschen besser gewesen wären. Orientierung sei das, das ihm rückblickend fehlt. " Mir hätte ein Jahr mehr nicht geschadet", sagt der 18-Jährige, der ganz offen zugibt, in Sachen Berufsvorstellungen jetzt schlicht und ergreifend " noch orientierungslos" zu sein. " Wir Zwölfer hatten neben dem Lernen einfach nicht genug Zeit, um uns intensiv mit solchen Fragen auseinanderzusetzen." Jetzt einfach ins Studium zu starten, nur um " irgendwas zu studieren" sei nicht das Wahre.
Und er sei auch nicht der Einzige, bemerkt Niklas: Die wenigsten seiner Freunde aus dem Zwölfer-Jahrgang würden direkt ins Studium gehen. Über Praktika oder Auslandsjahre holten sich die meisten die Zeit nun zurück. " Ich schiebe auch ein Orientierungsjahr ein und mache verschiedene Praktika im Bereich Wirtschaftsingenieurwesen/ Consulting", sagt Niklas.
Sozialer Dienst
" Lückenfüller" nennt sein ehemaliger Mitschüler Hannes Ahaus diese Art von Zukunftsvorhaben. " Viele brauchen das jetzt einfach, um sich noch in Ruhe zu orientieren", sagt er und schließt sich selbst in diese Gruppe ein. Auch er sagt, dass ihm das Schuljahr fehlt. " Ich mache nach den Sommerferien auch erst einen Sozialen Dienst." Gemessen an den Ergebnissen, habe ihm das fehlende Jahr zwar nicht geschadet, doch das gelte längst nicht für alle Mitschüler: " Viele haben ja wiederholt oder sind zwischendurch freiwillig zurückgegangen, weil sie es nicht geschafft haben." Er selbst hätte jetzt auch einfach gern noch eine feste Beschäftigung, die ihm ein Jahr lang Sicherheit und festen Boden unter den Füßen gewährt. " Jetzt, wo die Institution Schule weg ist, hat man eben selbst alles in der Hand."
Kristin und Patrick Marquard sind Zwillinge und empfinden die verkürzte Schulzeit jeder für sich ein bisschen anders. " Am Anfang, als wir in die Oberstufe gekommen sind, habe ich immer gesagt, dass uns das Jahr auf jeden Fall fehlt", sagt die ehemalige Schülerin des Graf-Stauffenberg-Gymnasiums. Doch dank der Tatsache, dass sie schon früh wusste, was sie beruflich machen möchte, fiel der Problempunkt Orientierung für sie weg. " Das ist schon eine Erleichterung, wenn man das für sich frühzeitig geklärt hat." Bereits Ende April, also unmittelbar nach den schriftlichen Prüfungen, habe sie eine Zusage für ein Duales Studium bei der Lufthansa erhalten.
Ihr Bruder Patrick sieht seine Berufsorientierung hingegen noch nicht als abgeschlossen: " Ich studiere erst mal BWL, um mir in der Richtung viel offen zu halten", sagt er. Natürlich sei auch er froh, dass das Kapitel Schule jetzt abgeschlossen ist. Doch hätte er noch mal die Wahl, würde er sich wahrscheinlich für die längere, 13-jährige Variante entscheiden, sagt er: " Insgesamt ist es für uns schon sehr stressig gewesen."
Benedikt Lemper geht es ähnlich. Ob ihm das Jahr fehlt, könne er gar nicht so genau sagen, meint der Caro-Schüler. " Irgendwie ist es beides!" Rein schulisch gesehen, sei er natürlich froh, jetzt fertig zu sein. Dennoch hätte er gern noch etwas Zeit " um zu gucken, was ich machen möchte". Und anfangs hätten in der Oberstufe auch durchaus Zweifel bei ihm dominiert: " Man hat sich schon gefragt, ob wir das hier alles erwartungsgemäß schaffen. Wir waren eben die Versuchskaninchen."
Versuchskaninchen
Versuchskaninchen, die es in dieser Form auch wohl nicht wieder geben wird. Schließlich waren die Probleme des Zwölferjahrgangs vor allem durch den Umstellungsprozess auf die verkürzte Schulzeit gekennzeichnet, wie auch Monika Knapp bemerkt: " In der achten Klasse gab es für uns zum Beispiel gar kein richtiges Mathe-Buch." Für die nächsten Zwölfer-Jahrgänge wird es adäquate Lernmaterialien geben. Betrachte man nur die Lernsituation, habe sie keinen Nachteil gehabt, sagt Monika. Doch auch sie weist auf die Schüler hin, die der besonderen Situation nicht standhielten und nach der zehnten oder elften Klasse zurückgegangen sind oder eben bis zum Schluss " sehr, sehr hart kämpfen mussten". Ihr Fazit deckt sich mit dem etlicher ihrer Jahrgangskollegen: " Ich würde nicht die Schulzeit in zwölf Jahren, sondern die Umsetzung für unseren Jahrgang kritisieren."
Autor:
Stefanie Hiekmann


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