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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Um den alten Turm an der Johannismauer
Zwischenüberschrift:
Über 500 Jahre alt: Er steht der breiteren Fahrbahn nicht im Wege - Der Rat wird über sein Schicksal entscheiden
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:

Es geht um das Schicksal des " Gesperrten Turmes" wenn es zur Tagesordnung des Stadtrates heißt: Der Bauausschuß wird eine Stellungnahme zur vielerörterten Frage dieses Turmes an der Johannismauer vorlegen.
Daher möge noch einmal in aller Öffentlichkeit dargetan werden, was dieses markante Bauwerk für die Neustadt bedeutet, die ohnehin schon viel von ihren Zeugen Alt-Osnabrücker Vergangenheit verloren hat. Über 500 Jahre sind vergangen, als die Vorfahren im Zuge der Stadtbefestigung an der Johannismauer dieses Bollwerk zu ihrer Sicherheit errichteten. Es wird schon in den Neustädter Stadtrechnungen um 1450 angeführt und damals wegen seiner hervortretenden Größe " Hoichsperrend Torn" genannt. So hat er die Zeiten überdauert, bis man ihn zuletzt mit einem vorgebauten Betonklotz zum Bunker ausbaute.
Als die Stadtväter des 19. Jahrhunderts nach Abtragung der alten Befestigungsanlagen die prachtvollen Wallanlagen schufen, war das eine ausgezeichnete städtebauliche Leistung. Die Stadt wuchs nach außen. Mauern und Tore mußten fallen. Erhalten blieben aber - vornehmlich in der Altstadt - die markanten Wehrtürme, die einmal in stattlicher Zahl die Stadt umgaben. Sie gehören heute zu ihren Sehenswürdigkeiten, und die Nachwelt ist für ihre Erhaltung dankbar. Gleiches gilt ebenso für den Herrenteichswall, um den, wie die ältere Generation sich noch erinnert, ein heftiger Meinungsstreit entstanden war, der dann durch den Haarmannsbrunnen seine Lösung für die Zukunft fand.
Lehrreich und wegweisend ist ein Vergleich mit anderen Städten. Köln hat eine prachtvolle Ringstraße um seine berühmte Altstadt gelegt. In diesem großzügigen Ring vermitteln Türme und Tore in großzügiger Weise das Gefühl einer großen Vergangenheit. Osnabrück erstrebt eine ähnliche Anlage und ist jetzt bestrebt, eine Ringstraße für den Verkehr anzulegen. Von der Vitischanze bis zum Ratsgymnasium sind die Türme der alten Befestigung wie kraftvolle Zäsuren stehengeblieben, die jeden Fremden immer wieder zu dem Versuch reizen, das Innere der Stadt zu erkunden.
Mit dem neuen Arbeitsamt hört die Grünanlage des Ringes auf. In die dicht bewohnte Neustadt wird eine breite Bresche geschlagen, die durch Neubauten langsam wieder Gesicht bekommt. Die Johannisstraße mit ihren Geschäften reizt, in die Innenstadt einzudringen und mit ihr bekannt zu werden. Hier hat der einzige Rest der Befestigungsanlagen auf der Neustadt, der Hochsperrige Turm, eine wegweisende Aufgabe zu erfüllen. Er ist ein Markstein, der den Eindruck erweckt, daß man im Verkehr nicht nurüber eine Umgehungsstraße hinwegbrausen soll, sondern daß man sich im Kern der Stadt befindet und man ohne viele Schwierigkeiten in das Herz der Stadt gelangen kann. Die monumentale, ganz zeitlose Form des Turmes ist wie geschaffen, solchen Anreiz zu vermitteln. Seine Baumasse beengt die Fahrbahn nicht, sondern tritt nur nahe an sie heran. Die Frage ist nun, wie der Fußgängerverkehr geführt werden kann, um ihn herum, oder durch den Einbau einer Arkade? Hier gilt es, eine Lösung zu finden, die die Erhaltung des Turmes sicherstellt, der auch städtebaulich in einer neuen Umgebung von nicht zu unterschätzender Wirkung ist. Nicht ohne Grund haben unsere Väter gerade diesen Turm als ein markantes Wahrzeichen und Erinnerungsmal der Neustadt erhalten, und für die Nachfahren sollte dieses Vätererbe unantastbar sein. Als das Ratsgymnasium gebaut wurde, konnte der kleine Plümersturm sich behaupten. Die alte und die neue Zeit haben sich dort beieinander gefunden, und niemand nimmt heute Anstoß daran. So wird es auch beim Turm an der Johannismauer werden, wenn dies älteste profane Bauwerk der Neustadt inmitten einer neu zu erbauenden Umgebung ein neues Straßenbild prägen wird.


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