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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Die Zwölfer halten locker mit
Zwischenüberschrift:
Ein Leistungsvergleich im Doppel-Jahrgang
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Doppel-Abi das gibt es nur einmal: Erstmals haben in Niedersachsen zwei Jahrgänge zeitgleich die Reifeprüfung absolviert. Konnten die Zwölfer mit ihren ein Jahr älteren Mitschülern mithalten? Ein Blick in die Abiturnoten verrät: Ja, sie können es, und zwar durch die Bank weg.

An allen Osnabrücker Schulen haben die Zwölfer genauso Spitzenleistungen gezeigt wie die Dreizehner. Für Ludwig Lanver, den Oberstufenkoordinator der Angelaschule, ist das eine Überraschung. " Ich habe damit vorher nicht gerechnet", sagt der Pädagoge. Denn gerade zu Anfang der Qualifikationsphase habe es ganz und gar nicht danach ausgesehen: " Der Übergang ist den jüngeren Schülern teilweise sehr schwergefallen", erinnert sich Lanver. Bis zu einer Note Unterschied sei bei den Klausurenergebnissen in der ersten Zeit keine Seltenheit gewesen. " Doch das hat sich sehr schnell angeglichen, die Jüngeren haben aufgeholt." Inwieweit die Schüler auch in der persönlichen Reife auf einem Stand seien, ließe sich nicht so leicht messen. Doch mit dem Notenergebnis sei er zufrieden, sagt Lanver: 2, 69 ist die Note, die die jüngeren Schüler im Schnitt beim Abitur erzielt haben. Die der älteren Schüler: 2, 54. Die Differenz von gerade einmal 0, 15 sei zu vernachlässigen, findet Lanver.

Zu diesem Ergebnis kommt auch sein Kollege Helmut Brandebusemeyer, Schulleiter des Carolinums. 2, 59 (Dreizehner) und 2, 60 (Zwölfer) sind hier die Durchschnittsnoten der beiden Jahrgänge. Auch hier hat sich das Leistungsniveau der jüngeren und älteren Schüler schnell angeglichen. " Ich konnte auch beim Besuch der Kurse vor dem Abitur keine Unterschiede feststellen", vermerkt der Schulleiter.

Eine Besonderheit des Carolinums, die auch die Ursulaschule betrifft: Die Kurse wurden weitgehend getrennt nach Jahrgängen unterrichtet. " Der Vorteil war, dass wir vor allem am Anfang unterstützende Maßnahmen für die Jüngeren separat durchführen konnten", sagt Brande busemeyer.

Was jedoch nicht heißt, dass die Schulen, die keine getrennten Kurse hatten, keine Förderangebote für den Zwölferjahrgang boten: Nach Aussagen der Schulleiter und Oberstufenkoordinatoren wurden diese auch hier angeboten jedoch anders organisiert und nicht als Teil des regulären Unterrichts.

Zurück zum Leistungsvergleich: Auch an der Ursulaschule führt dieser zum Ergebnis, dass es zwischen den Jahrgängen keine nennenswerten Leistungsdifferenzen gibt. Mit einer Durchschnittsnote von 2, 44 bei den jüngeren Schülern und 2, 38 bei den älteren unterscheiden sich die Jahrgänge auch hier nur um eine Notendifferenz von 0, 06. Schulleiter Rolf Unnerstall bemerkt jedoch, dass den jüngeren Schülern seiner Beobachtung nach die Gelassenheit gefehlt hat, die die älteren schon wie selbstverständlich mitbrachten. " Sie zeigten sich vor dem Abitur auch ängstlicher. Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass viele noch gut ein Jahr gebrauchen konnten."

Dieser Meinung schließt sich Uwe Bolz, Oberstufenkoordinator des Graf-Stauffenberg-Gymnasiums (GSG), an. Insbesondere in der Abiturvorbereitung sei ihm aufgefallen, dass sich die jüngeren Schüler im Arbeits- und Lernverhalten teilweise von denälteren unterschieden hätten. " In der Breite sind sie methodisch nicht so weit", sagt Bolz. Wie es dazu gekommen sein könnte, erklärt er so: Durch die verkürzte Schulzeit sei das Schwergewicht bei den Jüngeren immer mehr auf die inhaltliche Dimension gelegt worden. " Der so wichtige Erwerb vielfältiger methodischer Fähigkeiten kam da möglicherweise zu kurz." In der am GSG aufgetretenen Differenz von 0, 19 Punkten bei den Abiturnoten (Zwölfer: 2, 88; Dreizehner: 2, 69) sehe er durchaus einen nennenswerten Unterschied, sagt der Oberstufenkoordinator. Betrachte man die Landesdurchschnittsnote im Abitur 2010 von 2, 62 und berücksichtigte, dass Göttingen als " Bildungshochburg" im selben Jahr mit 2, 43 abgeschnitten hat, müsse man diese Abweichung schon als signifikant einstufen, findet Bolz.

Lothar Wehleit, Schulleiter des Ratsgymnasiums, sieht das für seine Schule anders. 2, 64 beträgt die Durchschnittsnote der Zwölfer hier. Mit 2, 56 gingen die Dreizehner im Schnitt aus den Prüfungen. " Da ist kein signifikanter Leistungsunterschied erkennbar", sagt Wehleit. Jedenfalls nicht mehr zum Schluss. Vor zwei Jahren, beim Sprung in die Qualifikationsphase, habe man durchaus noch gespürt, dass sich die Jüngeren erst an die neuen Arbeitsbedingungen gewöhnen mussten. Und vielen sei das auch nicht leicht-gefallen. Doch die Leistungsniveaus hätten sich schnell angeglichen, sagt auch Lothar Wehleit.

Dass der Zwölfer-Jahrgang an vielen Osnabrücker Schulen mit der Zeit immer kleiner geworden ist, weil viele Schüler dem Leistungsdruck nicht standhalten wollten oder konnten und deshalb freiwillig zurückgegangen sind oder eine Klasse wiederholt haben, darf in diesem Zusammenhang nicht vergessen werden. " In so hoher Zahl, wie das passiert ist, wäre es meiner Ansicht nach aber nicht nötig gewesen", sagt Wehleit. Vielfach hätten Eltern auch einfach zu große Bedenken gehabt und ihre Kinder zu dieser Entscheidung bewegt.

Von vielen Bedenken sowohl von Schülern wie auch von Eltern berichtet auch Christoph Schüring, Schulleiter des Gymnasiums " In der Wüste": " Es gab sehr viele Beratungsgespräche, vor allem in der Anfangsphase." Kann mein Kind in nur zwölf Jahren Schulzeit wirklich das gleiche lernen wie die älteren Mitschüler, die ein ganzes Jahr länger Zeit haben? Was wird aus persönlichen Interessen und Freizeit? Werden diese Dinge plötzlich auf der Strecke bleiben? Verständlicherweise standen solche Fragen im Raum, sagt Schüring. Doch mit Blick auf die Abiturnoten kann er heute Entwarnung geben: Die Zwölfer haben zumindest in der Leistung keinen Nachteil gehabt. Mit einer Durchschnittsnote von 2, 52 liegen die Zwölfer im Wüstengymnasium sogar leicht vor den Dreizehnern (2, 61).

Bei diesen Zahlen muss nach Schürings Ansicht allerdings berücksichtigt werden, dass es an einigen Schulen die Besonderheit gibt, dass in den Zwölferjahrgang kaum ehemalige Realschüler und Wiederholungsschüler aufgenommen worden sind, in den Jahrgang der Dreizehner aber sehr wohl. Der Statistik zufolge legen diese Schüler im Regelfall ein etwas schlechteres Abitur ab als Schüler, die das Gymnasium von Anfang an besucht haben. Unter Berücksichtigung dieses Faktors ließe sich noch deutlicher erkennen, dass es keinen signifikanten Leistungsunterschied zwischen den beiden Jahrgängen gibt, sagt Schüring.

Hartmut Bruns, Schulleiter des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums, fasst das mit Blick auf die Leistungen seiner Schüler genauso zusammen: Auch hier hat der jüngere Jahrgang (ebenfalls ohne ehemalige Realschüler) durchschnittlich um 0, 12 besser abgeschnitten als der ältere. Die besten Einzelschüler mit Gesamtnoten von 1, 0 und 1, 3 kämen jedoch aus dem älteren Jahrgang. In Mathe hätten wiederum die jüngeren Schüler besser abgeschnitten, in Deutsch und Geschichte die älteren. Ob solche Tendenzen nun auf den Altersunterschied zurückzuführen sind, sei schwer zu ermitteln. Insgesamt seien die Unterschiede minimal oder nicht signifikant und hätten in verschiedenen Abiturjahrgängen von Dreizehnern genauso auftreten können.

Konkrete Aussagen zu den tatsächlichen Auswirkungen der verkürzten Schulzeit seien aber ohnehin erst in den nächsten Jahren zu machen, bemerkt Wüsten-Schulleiter Christoph Schüring. Denn dann gebe es eigentlich erst die " echten" G-8-Jahrgänge, die acht Jahre am Gymnasium verbracht haben. Die jetzigen Zwölfer haben nach der Orientierungsstufe sieben Jahre Gymnasium absolviert und waren außerdem von den Umstellungsproblemen auf die verkürzte Schulzeit betroffen. Erst die nächsten Jahrgänge werden die neue Laufbahn auch komplett durchlaufen haben und dabei auch die neuen, auf ihr Leistungsniveau angepassten Lehrwerke zur Verfügung gehabt haben. In diesen Genuss sind die jetzigen Zwölfer noch nicht gekommen.

Die Gesamtschule Schinkel fehlt in diesem Vergleich, weil dort weiterhin 13 Jahre bis zum Abi unterrichtet werden. Der Jahrgang 2011 erreichte den Schnitt 2, 48.
Autor:
Stefanie Hiekmann


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