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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Der Kanal ist jetzt breiter, aber . . .
Zwischenüberschrift:
Für größere Schiffe bleibt Osnabrück vorerst unerreichbar – Zwei Schleusen sind zu schmal
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Nachher vorher. Links ein aktueller Blick auf den Stichkanal aus dem Mai. Im Vergleich zum Stand der Arbeiten aus dem April 2009 (Bild rechts) sieht man die Verbreiterung deutlich.

Auf diesem Pfahl sollen sich Raubvögel einen Überblick über den Beutebestand verschaffen.
Osnabrück/ Wallenhorst. Der Stichkanal ist nun durchgehend breiter und tiefer geworden. Das Großmotorgüterschiff, eine Nummer größer als das Europaschiff und inzwischen Standard auf Deutschlands Flüssen und Kanälen, könnte somit auch den Osnabrücker Hafen erreichen. Wenn, ja wenn da nicht noch die 100-jährigen Schleusen in Haste und Hollage wären, die wohl noch auf lange Sicht nichts Größeres als das gute alte Europaschiff durchlassen werden.

Der letzte Bauabschnitt des 50 Millionen Euro schweren Ausbauprogramms betraf die 2, 6 Kilometer lange Kanalstrecke zwischen der " Offers"- Brücke Nr. 78 in Pye und dem Piesberger Hafen. Das neue Kanalprofil mit einer Wasserspiegelbreite von mindestens 38 Metern und einer Wassertiefe von vier Metern ist durchgehend hergestellt. Jetzt können sich Europaschiffe (Länge 82 Meter, Breite 9, 50 Meter) begegnen und Großmotorgüterschiffe (Länge bis 110 Meter, Breite 11, 45 Meter) theoretisch zumindest einzeln fahren. Als letzte noch verbliebene Brücke aus der Entstehungszeit des Kanals wurde die Brücke Nr. 79 (" Die Eversburg") durch einen Neubau ersetzt, ebenso der Düker für den Piesberger Bach. Uferbefestigung und Leinpfad auch auf der nicht verbreiterten Uferseite wurden runderneuert.

Der Generalunternehmer, die Firma Johann Bunte, hatte die Arbeiten " im Wasser" schon im November 2010 abgeschlossen, inzwischen sind auch alle Feinarbeiten an Land beendet. Der Ausbau des 14, 5 Kilometer langen Stichkanals, der 1980 mit der Neugestaltung des Wasserstraßen-Dreiecks in Pente begann und sich in Teilabschnitten über fast 30 Jahre hinzog, ist vorerst beendet.

Ob und wann dieser Geschichte neue Kapitel hinzugefügt werden, ist weiter ungewiss. Neue Schleusen würden 120 Millionen Euro kosten. Nach derzeitiger Einschätzung des Bundesverkehrsministeriums wäre die Investition nur dann zu rechtfertigen, wenn Stadt und Stadtwerke ein Konzept vorlegten, wie sie die Umschlagsmengen des Osnabrücker Hafens zu steigern gedenken. Die dümpeln nämlich bei 550 000 Tonnen pro Jahr vor sich hin, nachdem es 1965 schon einmal mehr als eine Million Tonnen waren. Auch wenn der Dissens zwischen Stadt und Landkreis über einen neuen Hafen in Bohmte wohl zunächst aufgehoben scheint (danach genießt der Stadthafen wohl Priorität und Bohmte wird langfristig als Ergänzung entwickelt): Man wartet in Berlin wohl zunächst auf deutlichere Aktivitäten des Betreibers vor Ort, um den Hafen für neue Verkehre attraktiver zu machen.

Und das geht nicht ohne Geld. Bevor an neue Umschlaganlagen etwa für Container zu denken ist, müssten auch die letzten eineinhalb Kilometer des Kanals zum Hafen hin für die neue Schiffsgeneration tauglich gemacht werden. Die Bundeswasserstraße endet am östlichen Vorhafen der Haster Schleuse. Was danach kommt, geht auf Rechnung der Stadtwerke. Das Wendebecken ist zu klein für die 110 Meter langen Großmotorgüterschiffe, die Römereschbrücke zu niedrig, die Fahrwassertiefe zu gering.

Doch das sind nicht die Sorgen von Bert Dieme, dem Leiter der Bauüberwachung Bramsche des Kanalneubauamts. Mit dem Kanalausbau in Eversburg und der Engstellenbeseitigung an der früheren Maschwegbrücke in Hollage hat die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes ihre Pflicht und Schuldigkeit erfüllt. Dieme packt seine Akten zusammen. " Hat alles gut geklappt", sagt er, wenn auch die Untergrundverhältnisse teilweise schwierig gewesen seien und den Generalunternehmer vor Probleme gestellt hätten, etwa bei der Abdichtung der Dammstrecke zur Hase hin. Der Kostenrahmen sei eingehalten worden, nennenswerte Arbeitsunfälle habe es nicht gegeben. Die Abstimmung mit der stark eingeschränkten Berufsschifffahrt sei gut gelungen, die Zusammenarbeit mit den Wassersportlern geradezu vorbildlich gelaufen. Und auch die Osnabrücker Bevölkerung habe ganz überwiegend die Einschränkungen verständnisvoll begleitet.

Selbst die Kritik an den großflächigen Abholzungen scheine leiser geworden zu sein, meint Dieme, nachdem erste Anpflanzungen am Südufer der Ausbaustrecke die leer gefegte Landschaft etwas auflockerten. Zuvor hatten Wanderfreunde und Naturliebhaber heftig den Verlust des Baumbestandes beklagt, der dem Wasserstreifen eine landschaftsprägende Einfassung verlieh. Dieser Verlust schmerzte umso mehr, als bekannt wurde, dass einer Neubepflanzung aktuelle Hochwasserschutzbestimmungen entgegenstehen.Über weite Strecken gilt der Kanaldamm gleichzeitig als Hochwasserdeich der Hase. Und auf Flussdeichen sind nur kurz gehaltene Gräser erlaubt, aber keine Bäume und Büsche.

Dieme versichert, dass sein Amt das " Maximum des nach den technischen Regelwerken Möglichen" an Bepflanzungen verwirklicht habe. So seien insbesondere hinter den Brückenrampen Felder mit Jungbäumen angelegt worden. Wo die Brückenrampen die Schutzfunktion übernähmen, könnten die Kanaldämme bepflanzt werden. Aus den Baumfeldern ragen einzelne " Ansitzpfähle" mit einer Querstange am oberen Ende in die Höhe. Sie sollen Greifvögel einladen, sich Wühltiere zu schnappen. Mäuse, Kaninchen & Co. gehören zu den ärgsten Feinden eines jeden Deiches, aber auch junger Bäume.

" Insgesamt sind wir mit der Kanalverbreiterung zufrieden", sagt Harro Lehmann, Leiter des Schülerruderns am Ratsgymnasium, " auch wenn der vermehrte Seitenwind durch den Ufer-Kahlschlag uns manchmal zu schaffen macht. Aber früher mussten wir mit unseren Anfängerbooten schnell umkehren, wenn uns ein Frachtschiff entgegenkam, und husch in den Bootshafen zurück, es war einfach zu gefährlich. Jetzt können wir durchfahren."
Autor:
Joachim Dierks


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