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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Visitenkarte im Wandel der Zeit
Zwischenüberschrift:
Der Bahnhofsvorplatz bot um 1900 noch freien Blick auf die Türme der Stadt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Vor 111 Jahren war das Treiben auf dem Bahnhofsvorplatz noch übersichtlich. Vom Verkehrsknäuel heutiger Tage lässt die Ansicht aus der Zeit um 1900 nichts erahnen.

Die Pferdedroschke braucht damals nicht mit Konkurrenten um den besten Stellplatz zu kämpfen wie heute die chronisch gestressten Taxifahrer allein auf weiter Flur wartet der Chauffeur auf Kundschaft. Hingegen deuten viele großflächige Reklameaufschriften an, dass der Weg zur konsumorientierten Wirtschaft bereits eingeschlagen war. Durchaus weniger dezent als heute trumpfte man mit dem noch relativ neuen Medium Werbung auf.

Fünf Jahre zuvor war Osnabrücks neuer Bahnhof eröffnet worden, inmitten von Feldern und " weit vor den Toren der Stadt", wie man damals kritisch anmerkte. Dafür hatte der neue " Central-Bahnhof" den Vorzug, genau im Kreuzungspunkt der in Ost-West-Richtung verlaufenden " Hannoverschen Westbahn" und der Nord-Süd-Strecke der " Hamburg-Venloer Bahn" zu liegen. Die Vorgängerbahnhöfe (der Hannoversche Bahnhof von 1855 und der Bremer Bahnhof von 1871) lagen an ihren jeweiligen Strecken mehr als einen Kilometer voneinander entfernt. Umsteigende Fahrgäste, die beispielsweise von Bremen nach Rheine wollten, mussten entweder zu Fuß oder mit der Droschke von einem Bahnhof zum anderen wechseln oder später die Verbindungsbahn benutzen in jedem Falle ein zeitaufwendiges Unterfangen.

Als " Ausgleich" für die stadtferne Lage des Central-Bahnhofs bekam die Osnabrücker Kaufmannschaft den direkt an die Altstadt angrenzenden Bahnhof Hasetor (heute Bahnhof Altstadt) zugebilligt, wofür die Kaufleute freilich auch selbst einen finanziellen Beitrag leisten mussten.

Das änderte aber nichts daran, dass der Central-Bahnhof schließlich zum Hauptbahnhof wurde und die Stadt sich immer mehr auf ihn zu entwickelte. Die alte Ansicht lässt hinter dem Kandelaber rechts die Möserstraße erkennen, die vor 1900 nur spärlich bebaut war. Schon zehn Jahre später gab es keine Baulücke mehr.

Wie in den meisten deutschen Mittel- und Großstädten sollte die auf den Bahnhof zulaufende Hauptstraße den ankommenden Reisenden mit einem großzügigen Entrée empfangen, das die engen Gassen des mittelalterlichen Ackerbürgerstädtchens vergessen machen und von einer neuen Zeit künden wollte. Bahnhofsnah schossen zunächst Hotels aus dem Boden. Links das Hotel Hohenzollern, das mit seiner " Centralheizung" und warmem und kaltem Wasser auf allen Etagen warb, rechts Reklame für das Hotel Walther.

Aber auch Gewerbebetriebe suchten die Nähe des Bahnhofs, um auf kurzen Wegen ihre Waren zur Güterabfertigung bringen zu können. Der Schornstein im Hintergrund dürfte zur Weberei Hammersen gehört haben. Handlungsreisende, von Großhandelsbetrieben entsandt oder mit Warenmustern bepackt zu ihnen unterwegs, profitierten ebenso von der Bahnhofsnähe wie die Fuhrleute. Zahlreiche Großhandelsbetriebe und Speditionen, die später in den Fledder oder in andere neue Gewerbegebiete aussiedelten, haben ihren Ursprung im Bahnhofsviertel.

Es ist erst gut zehn Jahre her, dass der Theodor-Heuss-Platz, wie der Bahnhofsvorplatz offiziell heißt, mit dem Kino- und Spielbank-Komplex eine städtebauliche Abrundung erhielt. Heute hat der Reisende, der aus dem Empfangsgebäude tritt, keine Chance mehr, einen Blick auf die Türme der Johanniskirche (ganz links in der historischen Ansicht) oder von St. Katharinen (in der Bildmitte) zu erhaschen.

Bildtexte:

Um 1900 blickte man aus dem Bahnhof auf Grünanlagen und in die erst spärlich bebaute Möserstraße (rechts). Im gleichen Jahr wie der Hauptbahnhof (1895) wurde das Hotel Hohenzollern (Bildmitte) eröffnet. Ansichtskarte aus der Sammlung Dieter Mehring

Der heutige Bahnhofsvorplatz ist das Ergebnis der bislang letzten Umgestaltung aus dem Jahr 2000. Das Advena-Hotel Hohenzollern in der Bildmitte hat zumindest vom Namen her seit 1895 an dieser Stelle Bestand.

Foto: Joachim Dierks


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