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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Studieren im Schweinestall
Zwischenüberschrift:
Osnabrücker Studentenwohnheime mit besonderem Flair
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Lernen in ländlicher Idylle: Matthias Bruckner lebt im Studentenwohnheim am Gartlager Weg. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Meist sind es Hunde, die den Paketboten jagen. Manchmal aber befällt das Jagdfieber auch Studenten. Simon Kaubisch und Moritz Ott zum Beispiel. Sie studieren an der Hochschule in Haste Landschaftsentwicklung. Dass sie einmal einen Paketboten verfolgt haben, liegt an ihrer Wohnung. Die beiden leben im Studentenwohnheim im Bürgerpark und das ist nicht so leicht zu finden. " In der ersten Zeit kamen die Pakete einfach nicht an", erzählt Kaubisch, " also sind wir irgendwann dem Paketboten hinterhergelaufen, als wir ihn unten an der Straße gesehen haben".

Ihr Wohnheim ist eigentlich eher ein Häuslein. Um 1800 ließen es die damaligen Besitzer als Gartenhäuschen an einen Hang des Gertrudenbergs bauen. Dort liegt es noch heute, inmitten des Bürgerparks. Die nächsten Nachbarn wohnen knapp 100 Meter Luftlinie entfernt.

Das Haus ist renoviert: Dachstuhl, Treppen, Fußböden, alles neu, alles aus Holz. Bruchsteine bilden das Mauerwerk. Über drei Etagen verteilen sich laut Studentenwerk die 40 Quadratmeter Wohnfläche Schrägen abgerechnet. Doch selbst die nutzen Ott und Kaubisch.

Kaubischs Bett besteht aus einem Lattenrost und einer Matratze. " Für mehr reicht der Platz nicht", sagt er. Die Kiste, in der Ott seine Campingausrüstung aufbewahrt, dient als Bank am Küchentisch oder eben andersherum. Außerdem sei das Haus hellhörig. Bei Damenbesuch müsse sich der andere eben etwas anderes vornehmen, sagt Ott und lacht. " Aber so schön und gleichzeitig so zentrumsnah wird man wohl nicht so schnell wieder wohnen." Der Reiz der Natur sei unvergleichlich. Abends hören sie ein Käuzchen rufen und morgens den Specht klopfen, erzählt Ott. " Das passt zu unserem Studium." – " Das passt zum ganzen Leben", setzt Kaubisch noch einen drauf.

Vor allem aber passt es den Kommilitonen. Sie nennen das Wohnheim " Knusperhäuschen" und kommen gerne zum Grillen vorbei. Einmal haben sie auch eine Leinwand in den Bäumen befestigt und gemeinsam einen Film geschaut. Ott findet es einfach " Wahnsinn", dort zu wohnen. Nur die verschiedenen Lieferanten haben noch so ihre Probleme. Neulich rief zum Beispiel ein Pizzabote an: Es sei dunkel, er stehe im Park und er wisse nicht mehr, wo er sei.

Diese Probleme gibt es im Wohnheim auf dem Luhrmannshof nicht. Der liegt zwar auch etwas abseits am Gartlager Weg, ist aber nicht zu übersehen. 58 Wohnplätze bietet das Studentenwerk in der 1797 erbauten und 1988 restaurierten Anlage an. Vom Zimmer in einer Wohngemeinschaft bis zum Appartement ist alles dabei.

Drumherum liegen Gärten, Teiche, Wiesen und Felder. Auf dem Hof laufen Hühner herum. Eine Gruppe von Studenten kümmert sich um die Tiere und verkauft die Eier. Die einzelnen Wohnhäuser sind nach ihrer ursprünglichen Funktion benannt: Kornspeicher, Backhaus, Haupthaus, Scheune. Selbst im ehemaligen Schweinestall leben heute Studenten.

Dazu kommt die nachträglich gebaute Remise. Matthias Bruckner wohnt dort seit vier Jahren. Er stammt aus der Nähe von Stuttgart und hat am Hochschulstandort in Haste Landschaftsentwicklung studiert. Auf den Luhrmannshof sei er gezogen, weil es einer der schönsten Orte Osnabrücks sei. Vor allem in den Sommermonaten. Kommilitone Tobias Hartmann nickt dazu. " Das hat hier eigentlich gar keinen Wohnheimcharakter: Man kann hier unheimlich viel gestalten und hat viele Rückzugsmöglichkeiten", sagt er. Wohnheimcharakter fehlt auch dem kleinsten Studentenwohnheim Deutschlands. Das steht an der alten Osnabrücker Stadtmauer und erinnert an kriegerische Zeiten.

Der Student Felix Grau bewohnt den ehemaligen Sicherungsturm, den die Stadtherren im Jahr 1280 errichten ließen. Seit 1997 vermietet das Studentenwerk das Häuschen an Studierende. Oder besser: an einen. Denn für mehrere bieten die 19 Quadratmeter Wohnfläche keinen Platz dafür aber laut Felix Grau den Charme eines Baumhauses. Wenn er aus dem Fenster guckt, sieht er fast nur Bäume.
Autor:
Michael Schiffbänker


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