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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Nachwuchs vor dem Abflug
Zwischenüberschrift:
Osnabrücker Dom als Uhu-Kinderstube – Tierfotograf Hans-Detlev Kampf schießt weltweit spektakuläre Fotos
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Der Dom, mitten in der turbulenten Stadt, ist immer eine gute Adresse. Jetzt auch für eine Uhu-Familie. Zwei Küken sind inzwischen fast flügge. Zwischen heftigen Flugübungen fressen sie, was das Zeug hält sprich, was die Altvögel anschleppen. Der Kreuzgang des Doms ist kurzzeitig Geheimtipp für alle Liebhaber dieser größten Eulenart geworden. Alt- und Jungvögel lassen wirklich spektakuläre Einblicke in ihr Alltagsleben zu. Die Chance nutzte auch der Osnabrücker Hobbyfotograf Hans-Detlev Kampf. Statt wie so oft in Afrika, gelangen ihm nun vor seiner Haustür fantastische Tierbilder.
Angeregt hatten ihn zwei Artikel in dieser Zeitung. Im März las er über einen einsamen Uhu auf Freiersfüßen am Dom, der im April endlich eine Partnerin gefunden hatte.
Wer sich wie Kampf 40 Jahre mit Begeisterung der Fotografie verschrieben hat, entwickelt ein Gespür für Themen und Termine. Mit einem ganz normalen Teleobjektiv, Brennweite 100 bis 400 Millimeter, bezog er Stellung im Kreuzgang. Im Gepäck: Geduld, viel Geduld. Ohne sie läuft gerade bei der Tierfotografie gar nichts. Schließlich gehören die Uhus zu den nacht- und dämmerungsaktiven Greifvögeln. Tagsüber versteckten sie sich. Das grau-braune Gefieder wirkt wie ein Tarnnetz.
Nicht nur Kampf war fasziniert und schaute genau hin. Auch der Küster der Domgemeinde, Rolf Beßmann, weiß inzwischen viel über die Uhu-Familie. Die Tarnung der Vögel funktioniere gut. Und der Lieblingsplatz des Terzels, so der Fachausdruck für einen männlichen Greifvogel, sei der Sims neben einem steinernen Jesuskopf. Damit bestätigt der Küster auch die Vermutung von Hans-Detlev Kampf, dass der imposante Vogel das Männchen ist: " Der ist vergleichsweise zutraulich", fand der Fotograf. Bei den Uhus lateinisch Bubo bubo sind die Weibchen immer deutlich größer als die Männchen.
Küster Rolf Beßmann erzählt, dass er die Küken zum ersten Mal am 16. Mai noch im Nest gesehen habe. Mitte April müssten folglich die Eier gelegt worden sein. Denn die Küken in der Regel zwei bis drei schlüpfen nach 34 Tagen. " Am 22. Mai ist das erste, recht kräftige Küken rausgekommen", berichtet Beßmann weiter. Die noch flugunfähigen Jungvögel landeten irgendwann im Kreuzgang, hüpften dort mit Vorliebe auf dem Friedhof und den Grabsteinen herum. Noch bis zum Alter von etwa fünf Monaten werden sie von den Eltern mit Nahrung versorgt: Mäuse, Tauben, Ratten, auch mal ein junges Kaninchen standen schon auf dem Speiseplan, sagt Beßmann. Auf Jagd gehen die Uhus in einem relativ großen Einzugsgebiet, weiß er: " Am Westerberg wurden Uhus auch schon gesichtet." Aber auch der Gertrudenberg, der Herrenteichswall und die Gärten hinter dem Priesterseminar sowie in der gesamten Innenstadt gehören zu den Jagdrevieren der Greifvögel. Im Bereich der Stadt Osnabrück sind drei Uhu-Paare nachgewiesen. Experten gehen aber von bis zu sechs im Stadtgebiet aus. Unter ihnen könnten auch ausgewilderte Exemplare sein, die vom Osnabrücker Tierschützer Wolfgang Herkt aufgepäppelt wurden. Der hat sich mit seiner Artenschutz-Betreuungsstation einen Namen gemacht, versorgt dort immer wieder verletzte Tiere.
Die Uhus vom Dom sind vergleichsweise wenig menschenscheu. " Jeden Tag sind Fotografen hier. Aber das scheint die Uhus gar nicht zu stören!" Darüber freut sich natürlich auch Hans-Detlev Kampf, der " seine" Uhus fast täglich besucht .
Wer ist dieser Hobbyfotograf eigentlich? Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu fotografieren und ihr Verhalten zu dokumentieren, ist die große Leidenschaft des Osnabrücker Rentners, der früher unter anderem als Manager und Betriebsratsvorsitzender in der Pharma-Industrie gearbeitet hat.
Zur Tierfotografie ist er über die Reise- und Naturfotografie gekommen, erzählt der 63-Jährige. Der gebürtige Essener (" Ich stamme aus dem Kohlenpott und bin im Schatten einer Zinkhütte groß geworden") ist Autodidakt. Inspiriert durch Fotozeitschriften, begann er vor Jahrzehnten mit eigenen Urlaubsaufnahmen vom Möhnesee, Filtern und Doppelbelichtungen zu experimentieren. Heute, im Zeitalter der digitalen Fotografie, hat er längst auch eine eigene Homepage im Internet (Adresse: www.faszination fotografie.eu). " Ich vermarkte meine Bilder aber nicht", sagt er, " ich mache sie ausschließlich für meine Frau und mich." Durch sie kam Kampf übrigens im Jahr 1982 auch nach Osnabrück.
Gerne führt er allerdings seine Dia-Shows öffentlich vor, am liebsten gegen einen kleinen Obolus für einen guten Zweck. " Ich würde auch gern einen Kalender mit Tierfotos machen. Der Erlös könnte zum Beispiel ans Kinderhospiz gehen", plaudert er aus seiner Ideenschmiede.
Und wie kam er nun vom Möhnesee zur Tierfotografie? " Ich gehöre ja noch zu der Generation, die Grzimek kennt", sagt er. Nicht nur die Filme des 1987 verstobenen Tier-Verhaltensforschers und langjährigen Frankfurter Zoodirektors Bernhard Grzimek hätten ihn fasziniert, sondern auch seine tierischen Gäste im Fernsehstudio. " Auf der Seiser Alm habe ich mich auch mal lang auf den Bauch gelegt, um Blumen und Schmetterlinge zu fotografieren. Da hat man über mich gelacht", erzählt er.
Dann habe er begonnen, auch Katzen und die Tiere im Tierpark Ströhen abzulichten. Dort hatte es ihm ein fast zahmer, weil von der Tochter der Tierparkbesitzer von Hand aufgezogener Gepard besonders angetan.
Aber wilde Tiere, besonders die " Big Five" (englisch für die " großen fünf", nämlich Büffel, Elefant, Löwe, Leopard und Nashorn) in Afrika, faszinieren den Naturliebhaber noch viel mehr. Seit er vor über zehn Jahren das erste Mal in Südafrika war, geht er dort regelmäßig mit der Kamera auf Pirsch. Vor allem in Kenia im nörd lichen Serengeti-Ausläufer Masai Mara, weil dort die Tierwelt besonders reichhaltig ist.
" 2005 war ich das erste Mal da. Damals habe ich mein Herz an Kenia verloren." Auf Privatsafaris mit maximal zehn Teilnehmern alle begeisterte Fotografen, darunter auch Profis, etwa von der BBC versucht der Osnabrücker, Szenen einzufangen, die artenypisches Verhalten zeigen.
Im Februar erst war er in Tansania am Ziel der großen Wanderung der Gnus, dort, wo die Antilopenkühe ihre Jungen zur Welt bringen. Im September will Kampf dann wieder nach Kenia, weil dann auch die Gnu-Herden zurück ins Masai Mara kommen und mit ihnen die Raubtiere. " Ich will den Kreislauf des Lebens zeigen", betont der Hobbyfotograf, der jetzt gerade dabei ist, die Tansania-Bilder zu einer Dia-Show zusammenzustellen.
Nein, Angst vor wilden Tieren hat er nicht. " Wirklich nicht", meint der Naturfreund, " aber Respekt". Vom Übernachten im afrikanischen Camp schwärmt er geradezu: " Man lebt mitten unter wilden Tieren. Es ist wunderbar, wenn man nachts durch die Zeltwand auf der anderen Seite ein Flusspferd grasen hört!"
Welches Tiermotiv ist sein Lieblingsfoto? Bei Tausenden von Bildern eine schwere Frage. Immer sei irgendwas nicht optimal, meint der Perfektionist. Ein gutes, tolles Foto " muss mich immer emotional berühren".

Bildergalerie
auf www.noz.de

Bildtexte:

Wo bleibt der Nachschub? Hungrig sperrt das Uhu-Küken den Schnabel auf.

Fotosafari I: Bitte Nase putzen! Deutlich auf dem wunderbaren Schnappschuss zu erkennen sind die beiden Madenhacker. Die Vögel befreien den Büffel von Parasiten.

Fotosafari II: Spiel mit mir! Nicht mal in Ruhe trinken kann die Löwenmutter, wenn ihr Junges übermütig wird. Wasserstellen sind gute Beobachtungsposten für Tierfotografen wie Hans-Detlev Kampf.

Mahlzeit! Hier hat der Fotograf die Jungeule beim Verspeisen eines Taubenbeins erwischt.

Sternstunde: Fotograf Hans-Detlev Kampf mit dem von Hand aufgezogenen Geparden im Tierpark Ströhen.

Fotos: Hans-Detlev Kampf
Autor:
Angelika Hitzke


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