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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Mit der Kartoffel der Vielfalt auf der Spur
Zwischenüberschrift:
Umweltstiftung und "Help-Age" fördern internationales Projekt zum Erhalt von Pflanzenarten
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Ein Theaterstück über das Wachstum und die Verarbeitung von Kartoffeln haben die Grundschüler mit ihrer Lehrerin Mechthild Fip erarbeitet.
Osnabrück. Sind es 80 oder 70 oder doch " etwas über 100?", rätseln die Kinder der Grundschule " In der Wüste". " Es gibt 3000 Kartoffelsorten in Peru", sagt Michael Bünte. Auch zum Erhalt dieser Vielfalt soll ein Projekt beitragen, das der Geschäftsführer des Vereins " Help-Age" und Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), im Kleingartenverein Deutsche Scholle vorstellten.
Denn die Artenvielfalt, die Qualität der Ernährung und die Sicherung von Nahrung hängen eng zusammen, erläutern die beiden und sind sich einig: Vielen Menschen sei nicht bewusst, welch große Vielzahl Kartoffelsorten es gibt. Weltweit sind es 7500 und nur wenige davon landen auf deutschen Tellern.
Doch das soll jetzt anders werden. In einem drei Jahre laufenden Projekt werden in Deutschland Schüler aller Schulformen, aber auch Kleingärtner, Gastronomen und weitere Zielgruppen für den Erhalt der Arten sensibilisiert. Eingebunden werden Botanische Gärten, Kantinen, Hochschul-Mensen und über den Verein " Help-Age" auch Senioren, und zwar in Deutschland und in Peru.
Ernährungswissenschaftler von Hochschule und Universität Osnabrück erarbeiten Unterrichtsmaterialien und stellen eine Kartoffelkiste für die Ausleihe zusammen. Darin enthalten sind außerdem DVDs, Poster und weiteres Material, das Kindern und Jugendlichen die Welt der nahrhaften Knolle nahebringt.
Wie gut solche Projekte wirken, zeigen Zweitklässler der Grundschule " In der Wüste" mit ihrer Lehrerin Mechthild Fip. In ihrem Schulgarten haben sie im vergangenen Sommer Kartoffeln angebaut, beobachtet, gepflegt und verspeist. " Die haben besonders gut geschmeckt", sagt Christian, der zu Hause zwar auch ein Beet hat, " aber nur eines ohne Kartoffeln", klagt der Achtjährige.
" Die Hälfte der Kinder hat zu Hause gar keinen Garten", sagt Fip. Doch in der Erde zu buddeln mache allen Spaß, bei der Gartenarbeit müsse sie keinen von ihnen antreiben. Und auf die eigene Ernte seien sie alle stolz gewesen. " Wir hatten auch violette Kartoffeln, die waren lecker", sagt Christian, der sein neues Wissen über Kartoffeln mit seinen Mitschülern in einem Theaterstück verarbeitet hat.
Für Senioren und Schüler
Doch nicht nur wegen des Geschmacks soll die Artenvielfalt erhalten bleiben. Einzelne Sorten werden früher reif, andere eignen sich für bestimmte Standorte, wieder andere sind anfällig für Krankheiten wie die Kartoffelfäule, es gibt gelbe, rote, violette und blaue Sorten und die Vielfalt dient als Genpool für neue Züchtungen mit wieder anderen Qualitäten.
Margret Schmidt ist Expertin auf dem Gebiet der Kartoffeln. Rat suchenden Nachbarn aus der Kleingartenkolonie Deutsche Scholle gibt sie Tipps für den richtigen Standort, die passende Sorte oder sie hilft bei Schädlingsbefall.
" Hier wird erstmals ein Bildungsprogramm verwirklicht, das neben der Nutzpflanzenvielfalt auch die Rolle älterer Menschen für das Bewahren von wertvollem Wissen um diese Vielfalt und deren Handhabung berücksichtigt", lobt Fritz Brickwedde bei derÜbergabe des Bewilligungsschreibens. Die DBU und die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung unterstützen das Projekt mit insgesamt 131 000 Euro.
Sowohl Senioren indigener Gemeinschaften als auch deutsche Senioren einzubinden sei ein Alleinstellungsmerkmal, meint Brickwedde. " Wir wollen über die weltweiten Zusammenhänge zwischen Nahrungsmittelherstellung auf Produzentenseite und dem Verzehr auf Konsumentenseite aufklären", erläutert Bünte. " Help-Age" kooperiere dafür mit der peruanischen Organisation " Asociacion Pacha Uyway", da die weltweit 7 500 Kartoffelsorten überwiegend von peruanischen Sorten abstammten. Noch heute fänden sich dort 200 Wildarten. In Peru soll im Projekt der zusammengebrochene Austausch des Saatgutes durch Märkte wiederbelebt und so die Kartoffelvielfalt gefördert werden.
Die Kartoffelkiste soll 5500 Schüler in den Regionen Osnabrück, Münster, Rheine, Ibbenbüren, Mettingen und Tecklenburg erreichen. Und mit Veranstaltungen werden Landfrauenverbände, Altbauern und Seniorenbüros, Heimatvereine und Volkshochschulen angesprochen.

Bildtexte:

Nicht nur mit alltäglichen Kartoffeln kennt Margret Schmidt sich aus. In ihrem Garten in der Kleingartenkolonie Deutsche Scholle zeigt die Dame Nachbarn, Gartenfreunden und Kindern auch Wissenswertes über alte Sorten.

So groß sind die Knollen schon: Michael Bünte (hinten links), Fritz Brickwedde und Kinder in Margret Schmidts Garten.

Fotos:

Thomas Osterfeld


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