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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Hier löschten Kicker ihren Durst
Zwischenüberschrift:
Die Schinkeler Gastwirtschaft "Zum Alten Blücher" fiel Weltkriegsbomben zum Opfer
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Schnitzel Taxi, Döner-Service oder Tele-Pizza sind für junge Leute von heute vertraute Synonyme für Fast-Food-Bringdienste. Wenn Franz Spannhorst, Schankwirt der Gaststätte " Zum Alten Blücher" an der Buerschen Straße, zusätzlich zu seinem Restaurantbetrieb 1912 auch " Autofahrten zu jeder Tag- und Nachtzeit" anbot, hat er Derartiges mit Sicherheit nicht im Sinn gehabt.

Zu einer Zeit, als Osnabrück den Übergang von drei- zu vierstelligen Telefonnummern erlebte, wäre niemand auf die Idee gekommen, sich eine Mahlzeit frei Haus bringen zu lassen. Ebenso wenig dürfte die Geschäftsidee, nicht mehr fahr- oder gehtüchtige Zecher ohne Einschaltung eines fremden Fuhrmanns direkt ins traute Heim zurückbefördern zu können, für Franz Spannhorst im Vordergrund gestanden haben, denn Promillegrenzen gab es noch lange nicht. Die häufige Kombination von Gastwirtschaft und Taxibetrieb hat historische Wurzeln. Als die Postkutsche noch fuhr, waren Personenbeförderung und Bewirtung eng miteinander verknüpft, wie am Begriff " Ausspann" abzulesen ist. Der " Ausspann" war ein Gasthaus an einer Handelsstraße, das die Möglichkeit bot, die Pferde aus den Kutschen auszuspannen und im Stall übernachten zu lassen, während der Reisende in der Gaststube versorgt wurde und eben auch eine Schlafkammer zum " Ausspannen" oder " Entspannen" fand.

Die Gaststätte " Zum Alten Blücher" lag an der Einmündung der Blücher- in die Buersche Straße. Namenspatron der Blücherstraße und somit auch des Gasthauses ist der preußische Feldmarschall Gebhard Leberecht von Blücher (1742–1819), der als Held der Befreiungskriege verehrt wurde. In der Schlacht von Waterloo fügte er gemeinsam mit dem britischen Heerführer Wellington dem Franzosen-Kaiser Napoleon eine vernichtende Niederlage zu. Wegen seines verwegenen Draufgängertums wurde Blücher auch " Marschall Vorwärts" genannt.

Möglicherweise nahmen sich die Spieler des Fußballklubs OFV 06 (später unter den Nationalsozialisten mit anderen Schinkeler Vereinen zwangsfusioniert zu Schinkel 04) den alten Haudegen zum Vorbild. Jedenfalls feierten sie im gegenüberliegenden Stadion 1939 den Sprung in die Gauliga, die damals höchste Klasse mit unter anderen dem VfL Osnabrück und Werder Bremen als Gegnern. Der frühere SPD-Ratsherr Kurt Oelgeschläger war regelmäßiger Zaungast. Auch beim Training guckten er und seine Freunde häufig zu. " Wenn wieder mal ein Ball in der Hase gelandet war, waren wir die Ersten, die ihn mit dem Kescher wieder herausholten", weiß Oelgeschläger noch.

Im " Alten Blücher" zogen die Spieler sich um. " Hinten war so ein kleiner Raum, da wurde nach dem Spiel eine Schüssel mit warmem Wasser hingestellt", so Oelgeschläger, " und da konnten die Spieler sich etwas frisch machen. Duschen gab es nicht." Die Wirte hatten nichts dagegen, dass kaum ein Verein sich ein eigenes Heim mit sanitären Einrichtungen leisten konnte, " denn die Spieler hatten natürlich hinterher Durst", so Oelgeschlägers Erinnerung, " und wussten, wo sie ihn löschen konnten."

Im Krieg wurde das 15 000 Zuschauer fassende Stadion wie das ganze Gebiet im Umfeld von Stahlwerk und Bahn von Bomben umgepflügt. Es wurde nicht wieder für den Sport hergerichtet, denn Klöckner brauchte das Gelände für eine Erweiterung. Auch der " Alte Blücher" selbst war den Sprengbomben zum Opfer gefallen. Ein schlichter Nachkriegsbau trat an seine Stelle. Dass er heute eine " Sport-Bar" beherbergt, ist wohl eher Zufall als gewollte Reminiszenz an das einstige Stadion gegenüber.

Bildtexte:

In günstiger Lage zwischen dem Stahlwerk und der Eisengießerei Ortmann an der Buerschen Straße löschte 1912 die Schankwirtschaft " Zum Alten Blücher" Männerdurst. Auch aktive und passive Fußballer kehrten nach dem Spiel im gegenüberliegenden Stadion gern hier ein

Zurückgenommene Nachkriegsarchitektur kennzeichnet den Nachfolgerbau an der Buerschen Straße. Von links mündet die Blücherstraße ein.

Foto: Joachim Dierks

Ansichtskarte aus der Sammlung Helmut Riecken
Autor:
Joachim Dierks


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