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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Wo Straßenbahn auf Auto traf
Zwischenüberschrift:
Die Rheiner Landstraße zwischen Richard-Wagner-Straße und Saarplatz im Jahr 1959
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Auf der Rheiner Landstraße musste man 1959 mit der Straßenbahn im Gegenverkehr rechnen. Foto: Alfred Spühr, aus seinem Buch " Die Osnabrücker Straßenbahn"

52 Jahre später: die Rheiner Landstraße ohne Blaubasalt und Schienen. Seitdem die Martinistraße als Autobahnzubringer den meisten Ausfallverkehr Richtung Westen aufnimmt, geht es hier meistens eher beschaulich zu. Foto: Joachim Dierks

Osnabrück. Unheimliche Begegnungen der kritischen Art gab es an vielen Stellen des Osnabrücker Straßennetzes, als die Straßenbahn noch fuhr. Ganz überwiegend hatte sie nämlich keinen eigenen Gleiskörper, sondern musste ihn sich mit dem Autoverkehr teilen. Solange die Schienen in Fahrbahnmitte verliefen und in beiden Richtungen Autos dran vorbeipassten, war das weniger kritisch. Spannend wurde es dort, wo die Schienen einseitig am Rand positioniert waren.
Wie auf diesem Abschnitt der Rheiner Landstraße zwischen den Haltestellen Richard-Wagner-Straße und Saarplatz. Den stadteinwärts fahrenden Verkehrsteilnehmern kam dann, womöglich gerade in der Kurve, ein Straßenbahnzug entgegen, und sie mussten nach links in den Gegenverkehr ausweichen.
Auf dem Foto aus dem Jahr 1959 hat der Borgward-Isabella-Fahrer die Situation frühzeitig erkannt. Doch das war keinesfalls immer so. Gerade auswärtige Fahrer die Bundesstraße 65 verband Osnabrück mit den Niederlanden hatten dann mitunter ein " Buster-Keaton-Erlebnis". Dem amerikanischen Stummfilm-Komiker kam ja bekanntlich immer, wenn er auf eingleisigen Bahnstrecken mit der Handhebel-Draisine unterwegs war, ein Schnellzug entgegen.
Alfred Spühr, Buchautor und Chronist des Osnabrücker Straßenbahn-Zeitalters, hat die letzte Fahrt der Bahn auf der Linie 1 (Hauptbahn hof–Heger Friedhof) am 28. Juni 1959 persönlich miterlebt.
Er weiß noch, dass am Depot Lotter Straße die Tanzkapelle Gustl Huuck in den traurig-festlich geschmückten Zug einstieg. Vor dem im Volksmund als " Knusperhäuschen" bekannten Haus mit der roten Laterne an der Rheiner Landstraße (etwa auf Höhe des Fotografen-Standortes) wurde außerplanmäßig gehalten. Die Kapelle spielte " Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld?" Im Haus rührte sich nichts. Man nahm an, die Damen seien gerade alle beschäftigt. Bis dann doch einige sich an den Fenstern zeigten und winkten. Mit flotten Rhythmen ging es weiter zum Schweizerhaus, dem Schauplatz häufiger Auftritte des Jugendtanzorchesters. An der Haltestelle verließen Huuck und seine Mannen die Bahn, schon um zu verhindern, dass sie die Friedhofsruhe störten. Denn die " Elektrische" fuhr bis zum Heger Friedhof weiter, drehte ihre Schleife in der Endstation und kehrte zum Schweizerhaus zurück. Huuck & Co. sollten wieder einsteigen. Aber das klappte nicht. " Die Menge blockierte das Gleis und wollte noch länger Abschied feiern. Die Musiker bekamen jede Menge Schluck und sollten weiterspielen", erinnert sich Spühr, " bis der Zugführer richtig energisch wurde. Der hatte nämlich Angst, dass ihm der Strom abgestellt wurde, denn der verabredete Zeitrahmen für die Rückkehr ins Depot war längst überschritten."
Die allgemeine Zunahme des Straßenverkehrs hat sich auf der Rheiner Landstraße nicht so deutlich ausgewirkt. Wenn nicht gerade der Rettungswagen mit Tatütata zum Klinikum Finkenhügel braust, geht es hier eher beschaulich zu, seitdem die Masse des nach Westen gerichteten Verkehrs über die Martinistraße zur Autobahn A 30 gelenkt wird. Dementsprechend ist die Rheiner Landstraße auch keine Bundesstraße mehr. Die aus Minden kommende B 65 endet in Osnabrück. Die Ausfallstraße nach Lotte ist zur Kreisstraße K 6 zurückgestuft worden.
Autor:
Joachim Dierks


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