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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
47 Quadratmeter für sieben Personen
Zwischenüberschrift:
Nachkriegs-Wohnungsbau an der Ebertallee und der Wesereschstraße
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
1956 an der Ebertallee: Nur ein einsamer VW Käfer parkt vor den Wohnblöcken der SWG. Dafür sind Spielplatz und Wäscheleinen gut belegt. Im Hintergrund zieht ein Mann einen Handkarren. Foto: Atelier Rudolf Lichtenberg (aus der Sammlung des Museums Industriekultur)

Osnabrück. Nach dem Bombenkrieg lagen Zehntausende Osnabrücker Wohnungen in Trümmern. Zusätzlich mussten Heimatvertriebene untergebracht werden. Entsprechend groß war der Druck, normierten Wohnraum in Mengen aus dem Boden zu stampfen. Zu den ersten neu errichteten Siedlungen gehörten 120 Wohnungen der Sozialen Wohnungsbaugenossenschaft (SWG) an Ebertallee und Wesereschstraße.

Von Joachim Dierks - Niemand dachte 1949/ 1950 an die öffentliche Auslegung von Bebauungsplänen, an eine Bedenken erhebung oder gar an Einsprüche gegen Wohnungsbauvorhaben. Alle waren froh, wenn endlich die belastende Enge in den zwangsweise zusammengewürfelten Nachkriegs-WGs ein Ende haben würde. Bewohner von Notunterkünften wie den " Nissenhütten", jenen halbkreisförmigen Wellblech-Verschlägen, die 1956 auch noch an der Ebertallee (etwas rechts außerhalb unserer Aufnahme) standen, sehnten sich nach senkrechten Wänden ohne herunterlaufendes Schwitzwasser.
Judith Franzen, Projektmitarbeiterin im Museum Industriekultur, arbeitet die Fotosammlungen auf, die dem Museum überlassen wurden, darunter ein großer Bestand des Ateliers Lichtenberg, dem das heutige Zeitreise-Foto zu verdanken ist. In Vorbereitung einer Ausstellung ist Franzen ganz nebenbei zur Expertin in Sachen Nachkriegs-Wohnungsbau geworden.
Sie lenkt den Blick auf Wohnungsbaugesetze, die Planungen beschleunigten und die Finanzierung durch öffentliche Förderung erleichterten. Genossenschaften wie die 1949 gegründete SWG sollten sicherstellen, dass " Geschädigtengemeinschaften", also Ausgebombte und Vertriebene, zu günstigen Bedingungen menschenwürdige Wohnungen beziehen konnten. Wobei die Menschenwürde aus damaliger Sicht durchaus gewährleistet war, wenn drei Generationen - mitunter sechs bis sieben Personen -, auf 47 Quadratmetern in drei Zimmern mit Kochnische leben mussten.
" Die Kinder von damals sind auch alle groß geworden", sagt dazu heute Udo Wobker von der Wohnungsbau-Genossenschaft Osnabrück (WGO). Die SWG hat sich in WGO umbenannt, nachdem der Begriff " Sozialwohnung" seinen einst guten Klang etwas eingebüßt hatte.
Die von den Architekten Theo Burlage und Bernhard Niebuer entworfenen Gebäuderiegel kann man sich auch heute noch gut anschauen. Der hellgraue Anstrich wirkt frisch, die hervortretenden Zwischengiebel sind zartrosa abgesetzt. Geräumiges Grün zwischen den Riegeln geht fast verschwenderisch mit Grundfläche um. 1956 flatterte noch viel Wäsche an den Leinen. Das ist heute vorbei. " Die Leute nutzen die Trockenböden oder sie haben einen Trockner in der Wohnung", sagt Wobker, der sich eine effiziente Grünflächenpflege im Slalom um die Wäschepfähle herum nicht mehr vorstellen kann.
Und wie steht es mit der Belegung der 60 Jahre alt gewordenen, überwiegend kleinen Wohnungen heute? " 99 Prozent", verkündet Wobker stolz. " Leerstände kennen wir nicht mehr." Das war vor 25 Jahren auch schon mal anders. Aber Osnabrücks inzwischen 15 000 Studenten stabilisieren die Nachfrage nach Kleinwohnungen. Die studentische Klientel gehe einen harmonischen Mix mit den teilweise noch hier wohnenden Kindern der Erstbezieher ein, sagt Wobker.
Den Kinderspielplatz vorn links auf dem alten Bild gibt es übrigens noch. Er wurde in den Folgejahren allerdings etwas beschnitten durch den Bau des Sparkassen-Pavillons. 2001 gab das Kreditinstitut diese Zweigstelle wieder auf. Seitdem geht dort ein Computerhändler seinen Geschäften nach.
Die Ebertallee erfüllt mit dem Wochenmarkt und zwei Kirchen - der evangelischen Pauluskirche rechts im Hintergrund und der katholischen Kreuzkirche im Rücken des Fotografen - eine Zentrumsfunktion für den Stadtteil Schinkel mit angenehmer Aufenthaltsqualität.
Autor:
Joachim Dierks


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