User Online: 1 | Timeout: 12:18Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Belanglos und bedeutungslos
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Neuer Eingang, alte Probleme: Findet das Osnabrücker Felix-Nussbaum-Haus auch mit dem neuen Anbau keine Akzeptanz? Foto: dpa

" Zur Wiedereröffnung des Nussbaum-Museums fallen mir nur zwei Worte ein: belanglos und bedeutungslos. Wurde beim Bau des Nussbaum-Museums Ende der 90er-Jahre wenigstens noch heftig über den Sinn und Unsinn, die Architektur und den Architekten, den Künstler und sein Werk gestritten, haben die Osnabrücker das Museum danach weitestgehend mit Nichtbeachtung gestraft. Höhepunkt dieser Missachtung war zweifellos der Ausstellungs-Flop , Die verborgene Spur?. Allerdings ein reiner Vermarktungsfehler, denn eigentlich handelte es sich um eine großartige Ausstellung. Aber im Kunstbetrieb gilt nun mal: Namen sind Nachrichten. Anstatt die Ausstellung also Chagall, Liebermann, Rothko zu nennen (und erst im Untertitel auf das Verbindende einzugehen), gab man ihr den Titel ? Die verborgene Spur?, was eher auf eine Ausstellung des Naturkundemuseums schließen ließ.
Das Nussbaum-Museum hat in Osnabrück [. . .] keine Akzeptanz. Das ändert sich auch nicht, wenn man dem , Museum ohne Ausgang? nun einen neuen Eingang verpasst, der als solcher auch nicht viel besser zu identifizieren ist als der alte. Auf ein Museum deutet nach wie vor nur die Aufschrift , Museum? auf dem nebenstehenden Akzisehaus hin - das selbst aber gar kein Museum ist. [. . .] Die neue Verbindung aus kulturgeschichtlichem Museum und Nussbaum-Museum ist ebenso misslungen wie das Konzept der Eröffnungsausstellung. Einen Bezug zwischen Dürer und Nussbaum herzustellen - das ist auch unter dem Thema , Würde und Anmut? schlicht konstruiert oder besser: an den Haaren herbeigezogen.
Zufällig hat Osnabrück (dank des akribischen Osnabrücker Sammlers Konrad Liebmann) eine großartige grafische Sammlung Albrecht Dürers. Daraus ließe sich viel mehr machen. In Münster hat das Ehepaar Huizinga seine Sammlung von Picasso-Lithografien auch in eine Museumsstiftung eingebracht. Münster hat daraus schließlich das Picasso-Museum gemacht. Warum traut sich Osnabrück nicht, statt des intellektuellen Grafischen Kabinetts gleich ein Dürer-Museum daraus zu machen und es selbstbewusst neben das Dürer-Haus in Nürnberg zu stellen? [. . .] Und warum macht man aus dem kulturgeschichtlichen Museum nicht endlich DAS Museum des Westfälischen Friedens? Dann kämen auch mal ein paar mehr Besucher. Und weiter: Wann bekennt man sich endlich zur Geschichte der nebenstehenden Villa Schlikker? Die Nussbaum-Sammlung in der ehemaligen Parteizentrale der NSDAP auszustellen - das hätte Größe gehabt und Zeichen gesetzt! Wenigstens zur Aufarbeitung der Nazi-Zeit in Osnabrück sollte man das ehemalige , Braune Haus? in Zukunft nutzen, denn es gibt so viele interessante [. . .] Geschichten dazu. Zum Beispiel die des jüdischen Modehauses Alsberg, das 1935 , arisiert? und danach von den Herren Lengermann und Trieschmann ? übernommen? wurde; oder die der Parkstraße, die nach dem Krieg nicht in Remarque-Straße umbenannt wurde, weil es erhebliche Widerstände gab. Zu guter Letzt: Warum wird die Dominikanerkirche [. . .] nicht einfach zum modernen Museum für Film, Kunst, Design und Architektur und beherbergt in Zukunft das Werk von Friedrich Vordemberge-Gildewart, dem großen Osnabrücker Konstruktivisten (Ulmer Schule und Documenta-Künstler)? Ging es nicht zuletzt um ein Gesamtkonzept für Osnabrück? Da das Nussbaum-Museum nun einmal da ist (ich persönlich halte es [. . .] auch für ein architektonisches Kunstwerk . . . allerdings wäre der Standort der ehemaligen jüdischen Synagoge geeigneter gewesen), sollte man es in der Tat besser nutzen und weiter öffnen. Aber mit Klezmer-Musik? [. . .] Das ist nichts weiter als ein elitärer Ansatz für einige wenige. Die Idee einer Ausstellung der Sammlung Remarques, des anderen ungeliebten Sohnes der Stadt, ist dagegen wiederum großartig. Aber man sollte nicht den gleichen Vermarktungsfehler machen wie zuletzt! Namen sind Nachrichten, also dieses Mal: Cezanne, Monet, Picasso auf die Plakate schreiben - und nicht wieder ein naturkundliches Thema! Dann schafft man auch locker die 50 000 Besucher. Der deutliche Hinweis auf den neuen Eingang des Museums wäre für einfache Kulturbanausen wie mich zudem hilfreich."
Reinhard Stiehl
Osnabrück
Autor:
Reinhard Stiehl


Anfang der Liste Ende der Liste