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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Das verborgene Gedächtnis der Natur
Zwischenüberschrift:
Museum am Schölerberg öffnet sein Archiv für einen Tag
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Am Internationalen Museumstag öffnet die Einrichtung am Schölerberg ihre Archivtüren. Museumsdirektor Dietmar Grote (links) zeigte und erklärte den Besuchern die Sammlungsstücke. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. " Zutritt verboten" steht auf der Tür, hinter der sich die Kellerräume des Museums am Schölerberg befinden. Am 34. Internationalen Museumstag machte Direktor Dietmar Grote eine Ausnahme und öffnete um 10 Uhr und um 15 Uhr die Tür für einen Rundgang durch das naturkundliche Archiv.

Von Carolin Hlawatsch - " Sie werden jetzt gleich durch den allerheiligsten Teil des Museums geführt", bereitet Grote die gespannte Besuchergruppe vor. Sammlungsbestände, zusammengetragen von engagierten Privatpersonen und später auch Wissenschaftlern, aus der Zeit von 1840 bis heute dokumentieren die naturhistorische Vergangenheit. Die Tür geht auf, das Licht wird angeknipst, und die Besucher stehen staunend zwischen einem wüsten Wirrwarr von Kisten, Regalen und Schränken. " Alle Objekte hier sind inventarisiert und nummeriert. Die Wissenschaftler wissen genau, wo sie was finden", erläutert Grote. Zurzeit sind die wissenschaftlichen Mitarbeiter dabei, den Bestand zu digitalisieren.
Die Sammlung ist aufgeteilt in einen geologischen und einen biologischen Bereich. Die Bestände stammen vorwiegend aus der Osnabrücker Region und sind ein nützliches Indiz für die hiesige Artenvielfalt. Mit den Worten " Nicht erschrecken, wenn ich jetzt die Schränke öffne und Ihnen ganz viele tote Tiere begegnen" schließt der Museumsdirektor die erste Schranktür auf. Die Gruppe macht große Augen: Eichhörnchen, Baummarder, Feldhamster, Bisamratte und sogar eine Wildkatze liegen ausgestopft und fertig präpariert im Schrank.
Auch einen Siebenschläfer gibt es da zu entdecken. Dieses Tier steht heute auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. In Norddeutschland, auch am Schölerberg, gibt es noch die größte Population dieser possierlichen Nager. Die Besuchergruppe muss lachen, als Grote mit dem ausgestopften Siebenschläfer in der Hand von den lebendigen Exemplaren berichtet, die sich im Museum sehr wohlfühlen. Selbst in seinem Büro hinter der Bücherwand gäbe es eine Kolonie. So niedlich diese zutraulichen Tiere auch sind, im Museum haben sie schon für unangenehme Aufregung gesorgt. Nachtaktiv durch die Ausstellung und somit leider auch durch die Lichtschranken laufend oder Kabel durchknabbernd, haben sie so manches Mal den Alarm ausgelöst. Bei einem nächtlichen Feueralarm konnten die Täter erst nach Anrücken der Feuerwehr entlarvt werden.
Zu den Säugetier-Präparaten gibt es auch in der ornithologischen Sammlung Arten zu sehen, die früher in der Region gelebt haben, heute aber längst ausgestorben sind. " Doch auch heute werden immer wieder neue Arten entdeckt, und im Osnabrücker Raum zurückgedrängte Tierarten wie Fischotter und Kolkrabe kehren durch neue Schutzmaßnahmen wieder hierher zurück", erklärt Grote seinen aufmerksamen Zuhörern.
Ganz spezielle klimatische Bedingungen müssen in den Kellerräumen herrschen. Luftfeuchtigkeit und Temperatur werden genauestens geregelt, damit die Präparate keinen Schaden nehmen und der Schatz der Naturzeugnisse lange bewahrt werden können. Durch die Insektensammlung, vorbei an den Vogeleiern und den Mollusken und dann durch die riesige Pflanzensammlung geführt, kommt die Gruppe aus dem Staunen nicht mehr heraus. " Das ist eine Welt für sich hier unten", meint ein Besucher, und alle anderen stimmen zu. Der Museumsdirektor begründet die Wichtigkeit der Sammlung: " Erst einmal muss alles wieder aufgenommen werden, frühere Funde zeigen die Biodiver sität auf." Mithilfe dieser Sammlungen können Vergleiche zu heute angestellt werden, neu entdeckte Arten zugeordnet oder regional verdrängte wieder angesiedelt werden. " Die Renaissance der naturkundlichen Fundamente hat begonnen", so Grote und trifft damit das diesjährige Motto des Internationalen Museumstags: " Museen, unser Gedächtnis!".

Autor:
Carolin Hlawatsch


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