User Online: 1 | Timeout: 20:18Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
"Jugendliche müssen nicht diplomatisch sein"
Zwischenüberschrift:
Beim Kongress über die Zukunft der biologischen Vielfalt verhindert zu viel Harmonie eine fruchtbarere Debatte
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Er ist Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Aber über den letzten Aspekt seiner Zuständigkeit will Norbert Röttgen in Osnabrück nicht reden. Das hochemotionale, konfliktbeladene Thema Atompolitik passt nicht zu dem harmonischen Frühsommerabend, den Röttgen im Garten, auf der Terrasse und in den Sälen der Bundesstiftung Umwelt (DBU) im Kreise von 200 Jugendlichen verbringt.
Über Zukunft will Röttgen mit ihnen diskutieren: nicht über die künftige Energieversorgung, sondern nur über die Zukunft der biologischen Vielfalt, " neben dem Klimawandel die umweltpolitische Herausforderung". Röttgen, der vor fünf Jahren fast Hauptgeschäftsführer beim Bundesverband der Deutschen Industrie geworden wäre, ist 2009 eher zufällig auf dem Sessel des Umweltministers gelandet. " Was Biodiversität bedeutet, war mir zuvor nicht so richtig klar", gibt der 45-Jährige offen zu. " Jetzt weiß ich, wie wichtig der Kampf gegen den unwiederbringlichen Verlust der Artenvielfalt ist."
Diese Offenheit kommt an bei den Jugendlichen, die die DBU aus ganz Deutschland eingeladen hat. Etwa Justin Müller aus Westerstede. Mit stolzgeschwellter Brust erklärt der 18-Jährige im Nadelstreifenanzug dem Minister, warum er das Abtorfen der Moore für Unsinn hält, weil diese den Klimakiller Kohlenstoff speichern. " Ich bin beeindruckt von Ihrer Leistung und Ihrer Leidenschaft", sagt Röttgen jovial. Bei seinem schnellen Rundgang durch die Projektgruppen stellt er persönliche Fragen wie " Was treibt Sie an?", steigt aber kaum tiefer in die Sache ein. Nur bei den Greenteam-Aktivistinnen aus Mönchengladbach, die ihm Zeichnungen zur Schönheit der Natur zeigen, verharrt er. Röttgen weiß, dass Bilder wie diese wirken: lachende junge Mädchen, ein Atomreaktor aus Pappe auf dem Tisch, dahinter der Sonnenschirm von terre des hommes: Diese Aufnahmen laufen später in allen Fernsehbeiträgen und präsentieren die richtige Botschaft, ohne dass Röttgen Stellung beziehen muss.
Bei der folgenden Podiumsdiskussion beantwortet Röttgen kritische Fragen vor allem mit der Einordnung in einen größeren Zusammenhang. " Die US-Regierung ist sicher nicht dümmer als wir, nur gibt es in den USA keine gesellschaftliche Mehrheit für eine Politik der CO2-Einsparung", sagt er auf die Frage nach einer effektiven Klimaschutzstrategie. Als Müller fordert, mehr in den Schutz der Moore zu investieren, sagt er: " Beim Geld ist das Problem wie bei natürlichen Ressourcen die Knappheit." Natürlich sei aber immer noch mehr wünschbar, " besonders bei den Mooren".
Erst am Ende nimmt die Debatte Fahrt auf, als der 16-jährige Osnabrücker David Missal gentechnisch verändertes Saatgut grundsätzlich infrage stellt: " Wer will Gentechnik?" Missal gelingt es, mit Nachfragen den Minister auf eine Position festzunageln. Er sei nicht grundsätzlich gegen Gentechnik, sagt Röttgen. Man müsse nur verhindern, dass neue Arten die herkömmlichen verdrängten.
" Jugendliche müssen nicht diplomatisch sein", bilanziert Röttgen hinterher die Debatte. " Aber als Politiker kann man nicht immer so reden, wie man empfindet." Etwas weniger Diplomatie wäre aber laut Müller durchaus wünschenswert gewesen. " Ich fand es gut, dass er beim Gensaatgut klar Position bezogen hat, obwohl ich seine Meinung nicht teile. Ansonsten war vieles von ihm weder ja noch nein, aber alles ist gut, und ich habe euch alle lieb", so der Moorschützer. Zu viel gesteuerte Harmonie also, die einer herzhaften und damit fruchtbareren Diskussion im Weg stand.

Bildtext:

Für die Natur in der Natur arbeiten: Eine Projektgruppe entwickelt im Garten der DBU in Osnabrück ihre Ideen.

Foto:

DBU
Autor:
Benjamin Kraus


Anfang der Liste Ende der Liste