User Online: 1 | Timeout: 00:48Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Der Müll-Morgen danach
Zwischenüberschrift:
Die Partywiese Schlossgarten ist regelmäßig von Abfall übersät
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Der Schlossgarten ist voll am Samstagabend. Es ist sommerlich warm. Gegen 20 Uhr steigen von verschiedenen Grills Dampfsäulen in die Luft, laute Beats schallen von der Schloss-Terrasse in den Park. Punks und Skinheads sitzen einträchtig auf der großen Wiese in der Runde, als wollten sie " Der Plumpsack geht rum" spielen. Sie leeren gemütlich ihre Flaschen. Am Morgen danach ist der Schlossgarten eine Müllkippe.
In einer langen Reihe haben einige Herren in orangefarbenen Leibchen Bierflaschen aufgestellt. Auf den ersten Blick sehen sie aus wie von der Müllabfuhr. Doch es sind Männer auf einem Junggesellenabschied. Sie spielen Slalom-Fußball. Für jede umgekippte Flasche muss der Spieler einen Kurzen trinken. Bräutigam Matthias Thöle ist unschwer an seiner lila-weißen VfL-Kluft erkennbar. Sein Trauzeuge Henrik Hamburger hat den Abend organisiert und mehrere Kisten Bier und den Grill angeschleppt.
Den Müll, das verspricht Henrik Hamburger, bringen sie später weg. Ein Kumpel soll nach der Feier mit dem Auto zum Schlossgarten kommen. Dann wird alles eingepackt. Henrik Hamburger ist oft im Park. Dass die Leute ihren Müll da liegen lassen, findet er nicht gut: " Man muss hier manchmal Slalom durch den Müll laufen." Der 28-Jährige hat vorher extra eine Mail an den Fachbereich Umwelt geschrieben und gefragt, ob Grillen im Schlossgarten erlaubt ist. Die Antwort: " Leider können wir es nicht verbieten." Das Amt schreite nur ein, wenn Grünflächen beschädigt werden.
Weiter geht es in die Mitte der großen Wiese, wo sich Vertreter mehrerer Jugendkulturen versammelt haben. Punks, Skinheads, Gruftis und Hippies sitzen beieinander und trinken. Auf dem Rasen liegen leere Whisky-, Wodka-, Wein- und Bierflaschen und eine Schnapsleiche. Mit jemandem von der Neuen OZ wollen die meisten nicht reden. Nur zwei 19-Jährige sind neugierig, wollen ohne Namensnennung Fragen beantworten.
" Ich lasse meine Flaschen hier liegen", sagt der eine. Da sei er ganz ehrlich. " Wenn mir meine Mutter eins beigebracht hat, dann immer die Wahrheit zu sagen." Beim Aufräumen habe sie nicht so viel Erfolg gehabt, gibt er grinsend zu. " Ich gebe mein Leergut den Flaschensammlern", meint der andere, der sich als Abiturient ausgibt. Es seien immer ein oder zwei von ihnen unterwegs.
Auf den Müll im Schlossgarten achten sie nicht, sagen die beiden 19-Jährigen. Aber wenn andere Leute ihren Müll liegen lassen, finden sie das überhaupt nicht gut. Beschwerden darüber, dass sie ihren Müll im Schlossgarten entsorgen, seien durchaus berechtigt. Ein anderer Junge mit blassem Gesicht und schwarzem Piercing im Mundwinkel raunzt: " Das sind Spießer."
" Was soll man machen?", fragt ein 76-jähriger Mann, der am Samstagabend im Schlossgarten die Zeitung liest. Er glaubt nicht, dass das Müllproblem durch erzieherische Methoden gelöst werden kann. Ein Ordnungsdienst muss her, meinen Tobias (20), Lisa (18), Paul (18) und Gaby (18). Sie schlenderten am Sonntagvormittag durch den Schlossgarten. " Es sieht asozial aus", sagen sie und blicken auf die große Wiese, die mit leeren Flaschen, Bierdosen, Tellern mit Essensresten und Plastiktüten übersät ist. Henrik Hamburger hat übrigens Wort gehalten. Die Stelle, an der am Samstag der Junggesellenabschied gefeiert wurde, ist sauber. Dafür haben andere Lagerfeuer einige verrußte Löcher in den Rasen gebrannt.
" Mehr Mülleimer würden das Problem lösen", meint Stefan Plogmann. Ein Reinigungsdienst hätte nach seiner Ansicht wenig Zweck. Plogmann kickt mit seiner Hobbytruppe seit 15 Jahren sonntagvormittags im Schlossgarten. Ihr (Fußball-) Platz vor der Osnabrückhalle ist sauber, sagt Kickerkumpel Ludger Hülsmann und fügt an: " Nachdem wir die Scherben weggeräumt haben." Beide Fußballer haben festgestellt, dass das Müllaufkommen in den vergangenen Jahren gestiegen sei.

Bildtext:

Viele junge Leute machen bei gutem Wetter im Schlossgarten Party und lassen ihren Müll dort liegen.

Foto:

Elvira Parton
Autor:
Thomas Wübker


Anfang der Liste Ende der Liste