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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Abwasser fließt durch neues Kunststoffrohr
Zwischenüberschrift:
Stadtwerke setzen am Hase-Düker ein neuartiges Sanierungsverfahren ein
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Auf den Bahngleisen an der Rheinstraße steht das Kunststoffrohr für die Sanierung des Dükers bereit. Fotos: H. Pentermann
Osnabrück. Langsam weiter ziehen! Über Walkie-Talkie gibt Einsatzleiter Tobias Quell von der Bremer Kanalsanierungsfirma Stehmeyer & Bischoff seine Anweisungen an den Kollegen an der 20-Tonnen-Winde, die auf dem Parkplatz der Firma Atos an der Pagenstecherstraße aufgebaut ist.

Von Joachim Dierks - Die Winde zieht an einem Stahlseil, an dem wiederum ein zusammengedrückter Kunststoffschlauch befestigt ist. Auf diese Weise wird ein 26 Meter langer CP-Inliner″ aus dem Kunststoff Poly ethylen (PE) durch einen Schmutzwasserkanal unter der Hase hergewürgt. Tobias Quell steht an der Rheinstraße im Gleisbett der Hafenbahn. Hier ist der Zugangs-Schacht zu dem Hase-Düker, hier steht die Riesen-Spindel mit dem aufgewickelten PE-Schlauch, hier ist das Stahlseil an den Zug-Kopf des Schlauchs angeschäkelt und zieht ihn sich herunter in den Düker.
Wozu das Ganze gut ist, erklärt Bauleiterin Daniela Fiege von den Stadtwerken: Hier kommen die ganzen Abwässer aus Haste und vom Sonnenhügel an und werden durch diesen Düker unter der Hase hergeleitet, dann weiter unter dem Bahndamm her zum Hauptkanal unter der Pagenstecherstraße, und von da geht es ab zum Klärwerk nach Eversburg. Die im Düker einbetonierten Stahlrohre haben hundert Jahre auf dem Buckel und rosten uns jetzt so langsam weg.″
Es wurde darum ein Sanierungsverfahren gesucht, bei dem ein neues Rohr eingezogen werden kann, ohne eine offene Baugrube zu schaffen. Dafür hätte mit immensen Kosten die Hase umgeleitet werden müssen. Die Lösung wurde mit dem CP-Inliner-Verfahren gefunden. Dabei wird in das alte Stahlrohr ein Kunststoffrohr eingeführt, dessen Außendurchmesser nur unwesentlich kleiner als der Innendurchmesser des Altrohrs ist. Denn es darf ja nicht allzu viel vom Querschnitt verloren gehen, die Durchflussmenge muss weiterhin passen. Bei einem gerade geführten Rohr ist das wegen der großen Reibung schon praktisch unmöglich″, erläutert Ingo Kurz von der Abteilung Kanalneubau der Stadtwerke, hier kommen noch die Bögen hinzu, denn unter der Hase verlaufen die Rohre tiefer als unter normalem Gelände.″
Deshalb wird der PE-Schlauch schon im Herstellerwerk eingedätscht″, wird also nicht als rundes Rohr geliefert, sondern durch eine U-förmige Faltung mit einem verringerten Außendurchmesser. So schafft es die Winde, den Schlauch auch durch die Krümmungen hindurch-zuziehen. Anschließend wird Heißdampf mit vier bar Druck eingeblasen, der Schlauch stellt sich in seine ursprüngliche runde Form zurück und liegt nun lückenlos im Altrohr an. Das solchermaßen sanierte Dükerrohr ist für die nächsten hundert Jahre runderneuert″, die Abwässer können wieder kommen.
Es ist nicht so, dass wir in Ruhe abwarten, bis irgendwo eine Verstopfung oder ein Leck auftreten″, sagt Daniela Fiege. Nach einem bewährten Wartungsplan wird das gesamte Abwassernetz gespült und inspiziert. Je nach Durchflussmenge und Gefälle muss mehr oder weniger häufig gereinigt werden. Wenn Rost oder Wurzeleinwachsungen eine Rohrstrecke nachhaltig geschädigt haben, steht eine Grundsanierung an. Wo es geht und etwa wegen zeitgleicher Straßenbauarbeiten sinnvoll erscheint, wird mit Bagger und Schaufel in offener Bauweise ausgetauscht. Sonst kommt, wie hier am Hase-Düker, ein grabenloses Inliner-Verfahren zum Einsatz.
Seit einigen Jahren haben die Stadtwerke Erfahrungen mit Inlinern aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) gemacht. Die GFK-Sanierung kam für den Hase-Düker jedoch nicht infrage, weil die für den Prozess des Aushärtens erforderlichen UV-Lampen nicht durch die engen Windungen geführt werden können. Mit beratender Unterstützung durch das Büro Ingenieurplanung Wallenhorst wurde daher erstmals das neuartige CP-In liner-Verfahren für ein 50-Zentimeter-Rohr ausgewählt. Mit 170 000 Euro für die drei Parallel-Rohre des Dükers war das eindeutig die preisgünstigste Lösung″, erklärt Planerin Inke Kowalzik.
Nur an den Wochenenden kann hier gearbeitet werden, weil der Zugangsschacht direkt am Bahngleis liegt und unter der Woche der Hafenbahnbetrieb nicht längerfristig gesperrt werden kann. Samstags habe ich sonst nur mit meinen anderen Inlinern zu tun″, scherzt Daniela Fiege, die in ihrer Freizeit gern die Inline-Skater unterschnallt.
Gib mal den Vorschlaghammer″, schnaubt der Kollege im Schacht unter seiner Gasmaske. Tobias Quell reicht den Mottek″ hinunter. Ein Steigeisen aus Guss, wohl noch von 1911, ist im Weg. Ein paar gezielte Schläge, das Steigeisen bricht weg und der Inliner-Schlauch gleitet daran vorbei. Eine halbe Stunde später hat die Winde mit bis zu 13 Tonnen Zugkraft ihre Arbeit erledigt: Der Inliner ist im Schacht unter dem Haseuferweg angekommen. Das Experiment ist geglückt.
Autor:
Joachim Dierks


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