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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Letzte Ruhestätte mit fünf Sternen
Zwischenüberschrift:
Neues Bestattungsangebot in Osnabrück: Pflegefreies Premium-Grab im „Garten der Erinnerung″
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Garten der Erinnerung″ auf dem Hasefriedhof, wie ihn sich Landschaftsarchitektin Duygu Karahan vorstellt.
Osnabrück. Seebestattung, Baumgrab, Columba rium - die Wunschvorstellungen, die Menschen von ihrer letzten Ruhestätte haben, werden immer variantenreicher. Die Stadt Osnabrück denkt derzeit über ein neues Angebot nach: das Premium-Grab im Garten der Erinnerung″.
Von Michael Schwager - Ob und auf welchem Friedhof es schließlich realisiert wird, ist noch nicht raus. Aber für den denkmalgeschützten Hasefriedhof, auf dem 1995 die letzte Erdbestattung stattfand, gibt es einen Entwurf von Duygu Karahan, Landschaftsarchitektin beim Osnabrücker Servicebetrieb.
Auf einer kleinen, rechteckigen Fläche nahe der 1866 erbauten Friedhofskapelle sollen danach 32 Urnen- und 16 Erdgrabstellen entstehen. In der Mitte des durch zwei Hauptwege erschlossenen Gartens ist ein Hochbeet mit Sitzmöglichkeiten für Friedhofsbesucher geplant. Sandsteinstelen mit einheitlicher Grundfläche dienen als Grabmale. Das obere Drittel der Stele kann individuell gestaltet und mit religiösen oder anderen Symbolen versehen werden. Vor den Stelen ist eine kleine Platte für individuellen Grabschmuck, zum Beispiel einen Blumenstrauß oder ein Grablicht. Die Grabflächen selbst und die gesamte Anlage werden vom städ tischen Servicebetrieb gepflegt. Grundfarben der Bepflanzung sind Grün und Weiß.
Nicht zur Last fallen
Für den Garten der Erinnerung der Stadt gibt es nach Auskunft von Stadtrat Horst Baier zwei wesentliche Gründe: Zum einen wächst bei älteren Bürgern der Wunsch, bereits zu Lebzeiten die Frage der letzten Ruhestätte selbst zu regeln. Dabei wollten viele offenbar den Hinterbliebenen mit der Grabpflege nicht posthum zur Last fallen. Der Generationenvertrag funktioniert hier nicht mehr selbstverständlich″, so Baier. Der zweite Grund: Das Premium-Grab ist nicht billig. 25 000 bis 28 000 Euro wird das Grab kosten. Zum Vergleich: Ein Erdwahlgrab kostet für 25 Jahre 3700. Mit Grabmal und Pflege für 25 Jahre kommt man nach heutigem Stand insgesamt auf gut 12 000 Euro. Im Garten der Erinnerung ist das alles im Preis enthalten: Nutzungsrecht für zunächst 25 Jahre, Grabmal und Grabpflege. Die Einnahme trägt dazu bei, die Friedhofsgebühren in der Stadt insgesamt niedriger zu halten.
Die Friedhöfe kommen die Stadt teuer zu stehen. In den Siebzigerjahren wurden aufgrund inzwischen überholter Bevölkerungsprognosen in vielen Stadtteilen Friedhofsflächen ausgewiesen, die heute nicht benötigt werden. Dazu kommt: Beim Johannis- und beim Hasefriedhof fallen Einnahmen weg bei gleichbleibenden oder steigenden Pflegekosten.
Die historischen Friedhöfe in Osnabrück lassen sich nach Ansicht von Axel Raue, Leiter des Osnabrücker Servicebetriebes, am besten bewahren, wenn sie auch weiterhin zumindest teilweise für Beerdigungen genutzt werden. So könnte die Stadt neben den Friedhofsgebühren möglicherweise auch Fördermittel einwerben, mit denen die denkmalgeschützten Grabmale, Mausoleen und Friedhofsgebäude erhalten sowie Pflanzen und Tiere dieser innerstädtischen Grünoasen geschützt werden können.
Konzept wird vorgestellt
Voraussetzung dafür, dass auf den alten Osnabrücker Friedhöfen Gärten der Er innerung entstehen, ist ein erkennbarer Bedarf der Bürger. Eva Güse, Abteilungsleiterin Friedhöfe und Bestattungswesen des Servicebetriebs, erwartet hier vom Infoabend am kommenden Dienstag, 10. Mai, weitere Erkenntnisse. Um 18 Uhr wird das Konzept in der restaurierten Friedhofskapelle des Hase friedhofes vorgestellt. Teilnehmer können sagen, was sie von dem Konzept halten.
Fest steht: Mit dem Garten der Erinnerung gäbe es eine ganz neue Bestattungsmöglichkeit in Osnabrück. Pflegefreie Grabanlagen wie Wiesen-, Baumgräber oder Gemeinschaftsgräber seien immer mehr gefragt, sagt Eva Güse. Als klassisches Familiengrab, in dem später auch ein Partner bestattet oder dessen Nutzungsrecht nach 25 Jahren verlängert werden kann, gibt es das noch nicht.

Kommentar
Spiegelbild des Lebens
Von Michael Schwager - Die Friedhöfe sind Spiegelbild des Lebens - da ist viel dran. Wer zu Lebzeiten das Gefühl hat, dass er seinen Nachkommen als hilfsbedürftiger Alter zur Last wird, der will ihnen auch als Toter keine Umstände mehr machen. Der bevorzugt das pflegefreie Grab. Und wer als Lebender gerne von der Nordtribüne des Stadions in einen VIP-Tower wechseln möchte, der findet auch Gefallen an der Vorstellung, im Jenseits erster Klasse zu liegen.
Muss man sich über Fünf-Sterne-Gräber aufregen? Eher nicht. Denn erstens sind sie, so wie sie die Stadt plant, gar nicht mal so viel teurer und exklusiver als die herkömmlichen Familiengräber. Und zweitens: Es gibt geldbeutelbedingte Unterschiede, so ist halt das Leben - und damit auch der Tod. Man muss gegen diese Unterschiede angehen, wo sie unbegründet, ungerecht oder gar schädlich sind. Aber zuerst und vor allem in der Welt der Lebenden. Was danach kommt, regelt sich im Wesentlichen außerhalb unserer Zuständigkeit.

Autor:
Michael Schwager


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