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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Von wegen in die Tonne kloppen
Zwischenüberschrift:
Seit zwanzig Jahren Mülltrennung
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Berlin. Klaus Töpfer hat dieser Tage andere Sorgen. Die von ihm geleitete Ethikkommission muss bis Ende des Monats einen Bericht vorlegen, wie lange sie die Atomkraft in Deutschland noch für verantwortbar hält. Da bleibt kaum Zeit, sich daran zu erinnern, dass er als damaliger Umweltminister die Verpackungsverordnung auf den Weg brachte: Sie wurde vor zwanzig Jahren am 8. Mai 1991 vom Kabinett verabschiedet.
Heute ist sie Garant für eine Wiederverwertungsquote bei Verpackungen von mehr als 80 Prozent. Vor 1991 betrug die Quote nur rund 40 Prozent. Der Grüne Punkt und der gelbe Sack wurden zum Synonym für die Entwicklung der in einigen Ländern belächelten Mülltrennwelle in Deutschland.
Gegen viel Widerstand setzte Töpfer den Zwang zu mehr Recycling und der Rücknahme von Verpackungen durch. Fortan mussten Quoten von teils über 60 Prozent bei der Wiederverwertung von Glas-, Blech-, Plastik- und Pappverpackungen erfüllt werden. Damit werde die endgültige Abkehr von der Wegwerfgesellschaft eingeleitet, so Töpfer.
Seit 1. Dezember 1991 mussten Hersteller und Händler Verpackungen zurücknehmen und weiterverarbeiten. Ab April 1992 konnten Verbraucher " Umverpackungen" im Laden zurücklassen, von wo sie erneuter Verwendung oder der Verwertung zugeführt werden mussten.
Doch schon kurze Zeit später gab es massive Probleme beim Dualen System. Es war von Unternehmen der Lebensmittel- und Verpackungsbranche gegründet worden, um die Sammlung und Verwertung unter dem Stichwort " Grüner Punkt" zu organisieren. Das Duale System versank im Altkunststoff. Bürger nutzen gelbe Tonnen und Säcke, um alle Arten von Kunststoff loszuwerden.
Auch altes Spielzeug und Plastikgeschirr wanderten in die gelben Säcke, was die Kosten massiv erhöhte. Töpfer schlug 1993 vor, dass Entsorgungswirtschaft und Kommunen Forderungen an das Duale System von 860 Millionen Mark stunden und in verzinsliche Darlehen umwandeln sollten.
Mit dem Machtwechsel zu Rot-Grün kam dann die heikelste Phase in der Geschichte der Verpackungsverordnung, das von Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) 2001 durchgesetzte Dosenpfand. Der Handel, der für die Rücknahmeautomaten für Dosen und Einwegflaschen mehrere Milliarden bezahlen musste, reagierte mit einer Klagewelle.
Nur mit dem Pfand konnte letztlich die Dosenschwemme eingedämmt werden - auch wenn die Verbraucher zunächst vor riesigen Problemen standen. Manche Geschäfte gaben Papier-Pfandmarken, andere quittierten das Pfand auf dem Kassenbon. Erst nach Jahren gelang es auf Druck der EU, ein einheitliches Modell zu etablieren.
Und heute? Den Deutschen droht eine weitere Tonne, die Wertstofftonne. Kommunen wie private Entsorger wollen den Zugriff erhalten, auch um an Rohstoffe zu kommen.
" Für die Verbraucher gibt es keinen Grund für die derzeitige Praxis, Joghurt-Becher aus Kunststoff über die gelbe Tonne zu recyceln, das gelbe Badeentchen aus demselben Material aber nicht", sagt UBA-Präsident Jochen Flasbarth.
Künftig könnten so auch ausgediente Pfannen, kaputtes Spielzeug oder der löchrige Putzeimer eingesammelt werden: " Wir schätzen, dass mit einer Wertstofftonne bis zu sieben Kilogramm Abfälle zusätzlich pro Einwohner und Jahr verwertet werden könnten."

Bildtext:

Zu den drei bisherigen Tonnen könnte schon bald die Wertstofftonne hinzukommen.

Foto:

dpa
Autor:
dpa


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