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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Zusammenstehen streng verboten
Zwischenüberschrift:
Im April 1911 wurde in Osnabrück heftig über eine neue Straßenordnung diskutiert
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Reglementiert wurde das Spielen auf der Straße vor 100 Jahren. Das Foto aus dem Buch Getreuer noch als wie im Spiegel″ zeigt einen Durchgang zwischen Bierstraße und Turmstraße.
Osnabrück. Vor 100 Jahren wurde es auf einmal eng auf den Bürgersteigen von Osnabrück. Die noch zaghafte Motorisierung ließ die Fußgänger zusammenrücken, und da konnten Stöcke, Schirme oder Hutnadeln schon mal zur Gefahr werden. Im April 1911 wurde in Osnabrück heftig über eine neue Straßenordnung diskutiert, die mancherlei Aktivitäten reglementieren sollte.
Von Christiana Keller - Auszugsweise wurde die Straßenordnung im Osnabrücker Tageblatt″ abgedruckt. Zwar sollte sie erst zum 1. Juli in Kraft treten, aber schon nach Ostern sorgten die neuen Bestimmungen für Aufregung. Das Zusammenstehen von Personen auf den Fußwegen war neuerdings untersagt, ebenso das Rollschuhlaufen, Schneeballwerfen, Rodeln auf Straßen und das Marschieren von zivilen Gruppen.
Mit spöttischem Unterton bemerkte der Reporter, das betreffe wohl die Turnlehrer, die ihre Schüler von der Turnhalle in die Schule zu führen hätten. Viele Vorschriften gingen die Tierhalter an, aber auch das Spiel auf den immer voller werdenden Straßen der engen Stadt Osnabrück. Für die viel genutzten Hundefuhrwerke wurden strenge Bestimmungen erlassen. Der Ordnungsdrang der Stadt machte aber auch vor Peitschenknallen, Polterabendwerfen und Teppichausklopfen nicht halt.
Das neue Schuljahr begann nach den Osterferien. Alle Textil-, Schuh- und Hutgeschäfte warben mit großzügigen Anzeigen in den Zeitungen um die Gunst der Schuleltern, die ihre Sprösslinge neu ausstatten mussten. Jede Schule und jeder Klassenjahrgang hatten eine bestimmte Mützenfarbe einzuhalten, und natürlich übernahmen die Mädchenschulen diese Sitte.
Bis nach Osnabrück drang die Zeitungsnachricht, dass in Papenburg eine reformierte Schule eingerichtet werden sollte. Dort waren durch den Zuzug vieler Niederländer die Schulen übervoll. In der Klasse einer Lehrerin drängten sich dort 105 Kinder.
Das Lichtspielhaus Tonbild-Theater″ an der Großen Straße lockte mit neuen Filmsequenzen. Es hatte sich selbst verpflichtet, nur dezente dramatische und humoristische, sowie auch lehrreiche und wissenschaftliche Darbietungen″ zu zeigen. Zu Ostern wurde Der Kaufmann von Venedig″ von Shakespeare geboten, ein Meisterwerk der Kinematographie!″.
In seiner Jahreshauptversammlung beschäftigte sich auch der ehrenwerte Dürerbund mit den Kinospielstätten. Den Mitgliedern war aufgefallen, dass in den hiesigen Kinos noch immer die Pariser Themen einen breiten Raum einnehmen″. Mithilfe der Polizei wollte der Dürerbund versuchen, Einfluss auf die Programmwahl zu erlangen. Die Jugend musste vor Schund geschützt werden, das betraf sowohl die Literatur als auch die lebenden Bilder.
Am Sonntag nach Ostern erfreute ein Promenadenkonzert das Osnabrücker Publikum. Um 12 Uhr erschollen am Neumarkt Märsche und Opernmusik, gespielt von der populären Regimentskapelle.
Westlich der Stadt, auf den großen Feldern, nahmen die Rabenvögel überhand. Gegen die weitere Verbreitung von Elstern, Krähen und Dohlen wurden Preisgelder ausgesetzt. Wer ein Nest mit Jungvögeln dieser Arten aushob, dem winkte eine Prämie von 20 bis 40 Pfennig. Getötete Altvögel brachten den Jägern 15 bis 30 Pfennig ein.
Ende April setzte sich nach einem Kälteeinbruch mit Nachtfrösten endlich das warme Wetter durch, und zu Ostern stand die Natur in voller Blüte. Nicht wenig später erklangen die ersten Nachtigallenrufe in den Parkanlagen in und um die Stadt.
Autor:
Christiana Keller


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