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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Bubo bubo ist wieder da
Zwischenüberschrift:
Wolfgang Herkt: Osnabrück ist Uhu-Stadt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Ein Fauchen ist aus dem Weidenkorb zu hören, der auf der Ladefläche des Geländewagens von Wolfgang Herkt steht. Dort hinten sitzt ein Uhu. Nach sechs Wochen in der Artenschutz-Betreuungsstation will Herkt seinen Patienten am Piesberg wieder auswildern - das Ende einer Erfolgsgeschichte, die sinnbildlich ist für die Rückkehr von Bubo bubo, so der lateinische Name des Uhus.
Noch bis 2006 stand der Greifvogel als vom Aussterben bedrohte Art auf der Roten Liste in Niedersachsen. Jetzt ist er wieder da - auch im Raum Osnabrück. Hier bezeichnet Herkt den Bestand als " überproportional gut". Die Vorgeschichte: In den 1960er-Jahren galt der Greifvogel als fast ausgerottet. Durch gezielte Auswilderungsaktionen konnte der Bestand laut Herkt auf 20 Paare in Niedersachsen erhöht werden. Das war 1984. Und heute? Herkt schätzt den Brutpaar-Bestand im Land auf etwa 120.
Ein Erfolg, den sich der Artenschützer auch selbst zuschreiben kann. Schließlich hat er in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche verletzte, krank oder hilflos aufgefundene Uhus gesund gepflegt und im ganzen Land wieder ausgewildert - etliche davon im Raum Osnabrück.
So auch das Exemplar im Weidenkorb. Sechs Wochen war der Terzel, der Fachausdruck für männliche Greifvögel, Patient in der Betreuungsstation. Er war in den Lokschuppen der Eisenbahnfreunde am Piesberg geflogen und fand seinen Weg von selbst nicht mehr heraus. Glück im Unglück: Arbeiter, die mit dem Renovieren des Gebäudes beschäftigt waren, fanden das Tier, das in den Räumen keine Beute schlagen konnte und dementsprechend vom Hungertod bedroht war. Die Arbeiter riefen die Feuerwehr über den Notruf, und die wiederum alarmierte Herkt: " Der Uhu war so ausgetrocknet, 24 Stunden später hätte er nicht mehr gelebt."
Für den Artenschützer ein typisches Beispiel: Wie so viele Artgenossen sei auch dieser Uhu Opfer von Zivilisationseinrichtungen geworden. So nennt Herkt etwa Stacheldrahtzäune oder Stromleitungen, in denen sich besonders viele Eulen verfangen. Mit Infusionen und Sondenernährung stabilisierte seine Tochter und Tierärztin Dr. Birge Herkt den Zustand des Terzels in der Betreuungsstation. Später kam feste Nahrung hinzu, etwa Fleisch von einem überfahrenen Hasen.
" Die letzten Tage vor der Auswilderung hat er in einem großen Flugraum zugebracht, um Muskulatur aufzubauen", erklärt Herkt. Jetzt habe er wieder die Kondition, um in die Freiheit entlassen zu werden. Und das soll eben dort geschehen, wo er gefunden wurde: am Piesberg. Der Steinbruch ist das, was Experten ein Sekundärbiotop nennen. Der von Menschen geschaffene Lebensraum weist das auf, was Uhus zum Brüten annehmen: Felswände und - nischen. Ideale Bedingungen", sagt Herkt über den Piesberg.
Inzwischen ist das charakteristische Rufen des Uhus auch in anderen Gebieten von Osnabrück zu hören. Etwa in der Innenstadt. Am Dom hat sich nämlich ein Pärchen niedergelassen. Wohl zum Leidwesen von Tauben und Ratten. Der Uhu als Dämmerungs- und Nachtjäger sei in der Lage, " im lautlosen Vorbeiflug eine Taube vom Ast oder einem anderen Ruheplatz zu greifen und sie unverzüglich zu töten", erklärt Herkt und ergänzt: " Ohne dass die Taube merkt, wie ihr geschieht."
Der Artenschützer sagt: " Osnabrück ist Uhu-Stadt." Drei Pärchen seien im Stadtgebiet allgemein bekannt, " es gibt aber noch mehr". Das sei für eine Stadt wie Osnabrück mit einer Fläche von etwa 12 000 Hektar " außergewöhnlich viel".
Und die Tendenz ist steigend, da ist sich der Artenschützer sicher. Seit 2008 steht der Uhu deutschlandweit nicht mehr auf der Roten Liste. Zeit zum Füßehochlegen für Artenschützer wie Herkt? Keineswegs. " In einer Kultur- und Industrielandschaft wird der Uhu auch weiterhin Opfer von Zivilisationseinrichtungen sein." Zunächst einmal gilt aber festzuhalten: Er ist wieder da, der Uhu.

Bildtext:

Schau mir in die Augen: Charakteristisch für den Uhu sind die gelb-orangen Augen.

Fotos:

Dirk Fisser
Autor:
Dirk Fisser


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