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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Baustofftransport mit Hafermotor
Zwischenüberschrift:
Am Gretescher Weg verkaufte Hermann Otte Sand und Kies
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. " Und das Fuhrwerk, das uns da auf dem Strothmannsweg entgegenkommt, das will bestimmt zu meinem Opa." Gregor Otte ist in dem großen stattlichen Haus rechts im Bild aufgewachsen, das seine Familie seit mehr als hundert Jahren bewohnt. Sein Großvater betrieb eine Sandgrube am Gretescher Weg, etwas weiter nach links, also Richtung Belm.
Wer damals ein Haus baute, und das waren zu Beginn der 30er-Jahre nicht wenige Osnabrücker, bekam das Baumaterial nicht etwa frei Haus sauber abgekippt angeliefert, sondern musste selbst eines der zahlreichen kleinen Fuhrgeschäfte beauftragen, die mit Pferd und Wagen zur nächsten Grube fuhren und dort Sand oder Kies aufluden. Das war eine beschwerliche Angelegenheit. In den kleineren Gruben standen keine Bagger oder sonstige maschinelle Ladevorrichtungen zur Verfügung. " Das ging alles mit , Schipp, schipp, hurra?", weiß Otte aus Erzählungen. 1934 schaffte sein Großvater Hermann Otte einen Lastkraftwagen an, damals der erste weit und breit und eine kleine Sensation.
Damit waren Pferdefuhrwerke aber noch lange nicht abgeschafft. Für den Güternahverkehr blieben sie das Transportmittel der Wahl bis in die frühen 1950er-Jahre. " Das waren die , Sprinter? der Nachkriegszeit, mit 2-PS-Hafermotor", erinnert sich Gregor Otte (Jahrgang 1941) schmunzelnd.
Großvater Hermann Otte war gelernter Brunnenbaumeister. Er verkaufte den Sand nicht nur als Rohprodukt, sondern machte auch Betonfertigteile daraus wie Brunnenringe, Zaunpfähle, Bordsteine oder Gehwegplatten. Zum großen Unglück der Familie, aber auch der Firma fiel der Sohn, Gregors Vater, 26-jährig im Krieg. Dem Sandgrubenbetrieb und Betonwerk fehlte der Nachfolger. Als der Großvater nicht mehr konnte, wurde die Firma Otte 1953 eingestellt.
Der Sandabbau am Bornhügel war damit aber noch nicht beendet. Die Firma König betrieb eine Grube und ein Betonsteinwerk am Gret escher Weg 166, ein paar Hundert Meter weiter stadteinwärts, bis auch sie vor einigen Jahren dort alles aufgab und den Firmensitz nach Georgsmarienhütte verlegte. Die Flächen werden heute als Wohngebiet " Sandgrube Gretescher Weg" für 35 Wohneinheiten entwickelt.
Das Haus Otte (rechts im Bild) wurde 1904 für Hermann und Anna Otte errichtet. Bis 1938 verkaufte Anna im Erdgeschoss Lebensmittel. Die Ladentür zum Gretescher Weg liegt auf der historischen Ansicht hinter den Bäumen verdeckt. Die Grundsubstanz des Hauses Strothmannsweg 57 ist über die Jahrzehnte erhalten geblieben, wie ein Vergleich mit der aktuellen Aufnahme zeigt, wenn auch zahlreiche Um- und Anbauten das Gesicht des Hauses stark verändert haben. Gregors Mutter betrieb darin von 1949 bis 1996 die Gastwirtschaft " Zur Bornheide". Danach wurde abermals umgebaut, um die ehemaligen Gasträume für Wohnzwecke herzurichten.
Die Ansichtskarte mit dem Titel " Gruß aus Osnabrück-Schinkel" gibt nicht die ganze Wahrheit wieder. Der Strothmannsweg war die Stadtgrenze. Die Häuserzeile links gehörte zur damals noch selbstständigen Landgemeinde Gretesch. Otte erinnert sich, dass der östliche Teil des Gretescher Wegs auf Gretescher Gebiet schon viel eher einen festen Straßenbelag bekam als der westliche Teil, also rechts vor seinem Haus. " Dank der Papierfabrik Schoeller war Gretesch steinreich", sagt Otte, " die wussten gar nicht wohin mit dem Geld." Aber das habe sich ja bekanntlich mit der Eingemeindung 1972 gründlich gelegt.

Bildtext:

" Gruß aus Osnabrück-Schinkel" steht in Sütterlin unter dieser Ansicht aus den frühen 1930er-Jahren. Der Blick geht in Richtung Papierfabrik Schoeller. Ansichtskarte aus der Sammlung Helmut Riecken

Foto:

Joachim Dierks

Ansichtskarte Helmut Riecken
Autor:
Joachim Dierks


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