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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Eversburger fürchten Lkw-Lärm
Zwischenüberschrift:
Informationsabend der Stadt zur Ansiedlung der Spedition Koch
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. " Ihre Aktion wurde verstanden, bitte entspannen Sie sich jetzt." Oberbürgermeister Boris Pistorius reagierte damit auf Protestschilder mit der Forderung " Koch in den Landkreis!", die sich ihm auf Kommando der Interessengruppe " Leben in Eversburg" entgegenreckten. Der von der Stadtverwaltung veranstaltete Informationsabend zur geplanten Ansiedlung der Spedition Koch am Fürstenauer Weg war von einem tiefen Misstrauen der rund 80 erschienenen Anwohner geprägt. Die Nachbarn befürchten zusätzliche Lärmbelastungen.
Die Entspannung gelang nur teilweise. " Ich finde das total daneben", schimpfte etwa Wirtschaftsförderer Wolfgang Gurk über ein nach seiner Ansicht denunziatorisches Flugblatt, das jeder Zuhörer auf seinem Platz vorfand. Es zeigt ein kleines Mädchen mit Gehörschützern über den Ohren und einem Atemschutz vor dem Mund, das seinen Teddy mit ebenfalls einem Atemschutz im Arm hält. Dazu der Text: " Bürger, wehrt euch gegen die Ansiedlung der Spedition Koch!"
Auch nicht zur Entspannung angetan war ein Demo-Aufsteller vor dem Eingang zum Hörsaal der Hochschule Haste, an dem jeder Gast des Abends vorbeimusste. Darauf hieß es neben einem Pinocchio-Symbol: " Die Lüge vom Wippchenmoor - Herr OB, wann kommt die Entschuldigung?" Damit wollte die Interessengruppe an eine Zusage erinnern, die Pistorius den Anliegern der Wippchenmoor-Siedlung im vergangenen Sommer bei einem Bürgergespräch gegeben habe: Was an Lärm produzierendem Gewerbe da sei, könne er nicht wegzaubern, aber er könne dafür sorgen, dass es nicht schlechter werde.
Wird nun alles noch schlechter für die durch Bahn, Klärwerk und Industrie-Entsorger, durch die Herhof-Müllbehandlungsanlage und Speditionen am Hafen gebeutelten Eversburger? Pistorius ging zunächst auf die Vorgeschichte der Gewerbeansiedlungen am Fürsten auer Weg ein. Für 17 Millionen Euro hatte die Stadt dort 1995 Flächen für ein geplantes Güterverkehrszentrum erworben. Doch die Bahn zog nicht mit, andere Vermarktungen scheiterten ebenfalls. Viele Jahre lag alles brach und verursachte hohe Zinskosten. Umso erfreulicher sei es nun, den Großinvestor Koch für die Flächen zu gewinnen und damit ein über hundert Jahre altes Traditionsunternehmen in der Stadt halten zu können. Da der gültige Bebauungsplan die Nutzung erlaube, habe das Genehmigungsverfahren ohne erneute Bürgerbeteiligung sehr schnell über die Bühne gehen können.
Um dem Vorwurf zu begegnen, dass die Stadt ohne Verkehrskonzept genehmige, hatte Pistorius eine ganze Riege von Fachleuten aus der Bauverwaltung mitgebracht, neben Stadtbaurat Wolfgang Griesert und Franz-Josef Schürings als Leiter des Fachbereichs Städtebau fünf weitere Fachdienstleiter. Sie legten im Detail dar, wie die 800 zusätzlichen Lkw-Fahrten pro Tag, die die Koch-Ansiedlung voraussichtlich auslösen werde, sich auf die neuralgischen Wegstrecken verteilen. Was die Lärmauswirkungen angehe, werde für keines der betroffenen Wohngebiete eine Steigerung um mehr als drei Dezibel erwartet. " Damit liegen wir im Grenzbereich dessen, was das menschliche Ohr überhaupt als vergleichsweise lauter wahrnehmen kann", führte Schürings aus. Für die Siedlung Wippchenmoor erhöhe sich der Schallpegel lediglich um 0, 6 Dezibel.
" Wie soll die Römereschstraße den zusätzlichen Verkehr schaffen, da ist doch jetzt schon alles zu?", so eine der zahlreichen Fragen. Sie wird ab 2014 ausgebaut, so die kurz gefasste Antwort. Oder: " Warum bekommt Koch keine Direktauffahrt auf die B 68?" (Würde der Bund nicht genehmigen.) Oder: " Kann man Koch nicht zwingen, auch die nach Süden gerichteten Verkehre erst nach Norden zur Autobahn-Anschlussstelle Osnabrück-Nord fahren zu lassen, um den innerstädtischen Verkehr auf den Wällen zu entlasten?" (Nein, angesichts der Umweglänge ökonomisch und ökologisch nicht vertretbar.)
Auch Geschäftsführer Heiner Koch meldete sich zu Wort: Seinem Unternehmen sei sehr an guter nachbarschaftlicher Akzeptanz gelegen. Deshalb werde man die freiwillige Selbstverpflichtung eingehen, die zu erwartenden 84 Nachtfahrten in und aus Richtung Süden und Westen nicht über die Bramscher Straße beziehungsweise Brückenstraße/ Klöcknerstraße laufen zu lassen, sondern über die Elbestraße, auch wenn das etwas weiter sei. " Und was ist mit den Fremdspediteuren, die von diesen Routenvereinbarungen nichts wissen?", wurde nachgefragt. " Die kommen in der Regel nicht nachts an", entgegnete Koch.
Auch Fragen zum Landschaftsschutz (" Die wunderschöne Allee zum Gut Honeburg darf nicht angetastet werden!") und zum Artenschutz (" Wurde das Vorkommen von Kamm-Molch und Langohr-Fledermaus geprüft?") standen zur Diskussion. Pistorius verwies auf Abwägungsprozesse, die erforderlich seien. Er bat die Anlieger, das Gesamtinteresse der Stadt zu sehen und nicht nur ihr eigenes, so verständlich das im Einzelfall sei. Pistorius: " Aber wenn Infrastrukturmaßnahmen nur noch von den Anliegern entschieden würden, dann können wir einpacken, dann ist gestaltende Politik überhaupt nicht mehr möglich."

Bildtext:

Die Stimmung ist gereizt: Am 1. April protestierten Anlieger gegen die Ansiedlung der Spedition Koch.

Foto:

Elvira Parton
Autor:
jod


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