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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Auf einen Sprung ins neue Schinkelbad
Zwischenüberschrift:
Von einem Wassertest, der zum Baustellenbesuch am letzten Tag vor der Eröffnung wurde
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Der Parkplatz unterhalb des Schinkelbades ist voll, fast wie in den Sommerferien. Überall stehen Autos, dazwischen Lieferwagen in Blau und Weiß. Wartung″ steht darauf, Lüftungsanlagen″, Sanitär″ und Heizung″. Irgendwo knüppelt einer mit einem gummiüberzogenen Hammer auf Pflastersteine ein, ein anderer verschiebt einen Bauzaun. Das klappert. Dann dröhnt ein Rüttler los, und alles andere geht unter. Morgen eröffnet Oberbürgermeister Boris Pistorius das neue Schinkelbad.
Der Weg zum Haupteingang ist blockiert. Hier kannste nich durch, die sind da am Arbeiten″, sagt einer, der einen Farbeimer schleppt. Kein Problem, sage ich, dann geh ich eben zum Nebeneingang. Ne, da sind die auch am Arbeiten.″ Aber dann kommt ein anderer in Arbeitskleidung und winkt mich durch, vorbei an Männern, die mit Besen, Schaufeln, Sand und Wasser Pflaster einschlemmen, solchen, die Sand glatt harken, Männern, die Farbeimer schleppen, und solchen, die in Handys brabbeln. Am Seiteneingang wartet Birgit Vogelsang. Sie ist bei den Stadtwerken Osnabrück zuständig für das Marketing der Bäder.
Hier ändert sich stündlich etwas″, hat sie bei der Terminabsprache gesagt. Bis zur Eröffnung sind es noch 22 Stunden, und so wie es aussieht, muss sich noch einiges ändern. Als ich das sage, lächelt Vogelsang. Das wird schon, sagt das Lächeln.
Früher rochen Eingangshallen in Bädern meist nach Chlor. Diese hier riecht nach Farbe. Hinter dem Kassenschalter eilen fünf Frauen hin und her. Weil nur ihre Oberkörper sichtbar sind, sieht es aus, als liefen sie auf Schienen. Das sind die Frauen vom Kassenteam, erklärt Vogelsang, die richten sich ein - und machen sich mit der Kaffeemaschine vertraut. Demnächst soll es Kaffee und Brötchen an der Kasse geben. Daneben werden Stühle und Tische stehen, wie in einem kleinen Café. Das sei der Wunsch vieler Gäste gewesen, sagt Vogelsang, während sie zwei Männern ausweicht, die eine Glasscheibe tragen. Komplett neu sei das Foyer, ein echter Kommunikationsraum, sagt Vogelsang und zeigt auf einem Plan, wie es mal aussehen soll. Gerade will sie mir erklären, was es mit dem Transpondersystem auf sich hat, als eine Frau ruft: Birgit, wo willst du die Blumen hin haben?″ „ Entschuldigung″, sagt Birgit Vogelsang noch, dann läuft sie der Frau entgegen, vorbei an einem Haufen geschnittener Fliesen und Metern von Verlängerungskabeln.
Dann geht es in die Salounge″. Ein Name, der sich aus Salz und Lounge zusammensetzt. Bald soll hier eine Salztherapie möglich sein. Die Salounge ist als Ruheraum angelegt, in den durch Düsen Luft mit hohem Salzgehalt geblasen wird. Wenn die Sonne durch die Fenster scheint, sollen die feinen Salzpartikel in der Luft schimmern. Wie das Mehl in einer Mühle″, sagt Vogelsang. Auf dem Boden kniet ein Mann, der an einer Abdeckung hantiert. Momentan ist die Salounge eine Salzbaustelle.
Vogelsang öffnet eine weitere Tür. Es ist die Tür zur Umkleide. Der Schwimmbadtest beginnt. Ich stelle meine Tasche auf eine Bank, lege meine Jacke daneben, meine Hose, einfach alles - und habe immer noch Platz. Wahnsinn, denke ich. Dann fällt mir ein, dass ich alleine in einer Gruppenumkleide bin. Egal, duschen und ab ins Wasser. Erste Station: das Warmwasserbecken. 32 Grad. Gelenkschonend sei das, sagt Vogelsang. Und bei Rückenproblemen helfe das auch. Hier sollen demnächst viele Kurse in Wassergymnastik und - jogging und - walking und so weiter stattfinden. Mir bindet sie einen Styroporgürtel um - für den Auftrieb, sagt sie - und gibt mir zwei Hanteln aus dem gleichen Material. Dann soll ich ins Wasser und strampeln und die Hantel schwingen. Ich strample und schwinge. Schneller.″ Mach ich ja. Das ist der Frauensport Nummer 1″, ruft Birgit Vogelsang. Ich strample trotzdem weiter. An der Wand zeigt eine Digitalanzeige die Wassertiefe an. 1.80 steht da in roten Ziffern. Wenn der Punkt nicht wäre, könnte das auch mein Puls sein. Das Gestrampel ist anstrengend, also dränge ich auf einen Wechsel ins Cabriosolbad. Während ich in Badelatschen hinter Vogelsang herschlappe, rede ich mir ein, dass es überhaupt nicht unmännlich ist, sich von einem Frauensport fertigmachen zu lassen - und auch noch Spaß daran zu haben.
Das Cabriosol ist vor allem eines - oben offen. Die Dachfolie ist zurückgezogen. Ein Rechteck blauer Himmel ist zu sehen, einige Wolken sind hineingetupft. Das Wasser reflektiert die Sonne, Salz liegt in der Luft, das lichtdurchflutete Wasser wirft glitzernde Schatten an die weiße Decke. Schöööön, denke ich. Für fünf Sekunden. Dann merke ich, dass es draußen gerade einmal 15 Grad sind und ich nur eine Badehose anhabe. Kalt. Also rein in die Sole, denn die hat 32 Grad, hat Vogelsang gesagt. Um das Becken herum schieben einige Männer Kübelpflanzen an die richtigen Stellen, einige Bad-Azubis in roten und gelben T-Shirts und mit weißen Stiefeln wischen und putzen.
Ich arbeite auch, lege mich auf die Sprudeldüsen und lasse mich von den Wasserstrahlen massieren. Danach schwimme ich raus ins Wasser unter das offene Dach. Meine Lippen schmecken salzig. Sonne, blauer Himmel, Salzwasser - es könnte Urlaub sein. Wenn da draußen am Fenster nicht dieser Typ auf der Leiter stehen und die Fenster wischen würde. Aber es muss ja alles fertig werden. In 20 Stunden ist Eröffnung.

Bildtext:

Hanteltraining: Auch wenn der Gesichtsausdruck anderes vermuten lässt - es macht Spaß.

Fotos:

Klaus Lindemann
Autor:
Michael Schiffbänker


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