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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Ökostrom-Tarif erleichtert das Gewissen
Zwischenüberschrift:
Der private Atomausstieg: Wie Verbraucher die Energiewende vorantreiben können
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Die CDU will, dass die Stadt komplett auf Ökostrom umsteigt. SPD und Grüne halten das für wertlose Symbolpolitik. Was bringt der Öko-Tarif wirklich? Und: Wie können private und öffentliche Verbraucher die Energiewende forcieren?
CDU-Fraktionschef Fritz Brickwedde überraschte den Rat in der vorigen Woche mit dem Vorschlag, auf den neuen Ökostrom-Tarif Easy-Klima pur″ der Stadtwerke umzusteigen. Die Stadt müsse Vorbild sein und ein starkes Signal setzen, sagte Brickwedde. DerÖkostrom-Tarif ist um 0, 2 Cent pro Kilowattstunden teurer. Die Mehrkosten bezifferte Brickwedde auf 45 000 Euro im Jahr. SPD und Grüne fordern dagegen, dieses Geld besser direkt in Windkraft oder Fotovoltaik-Anlagen zu investieren. Das bringt uns zu der Frage, welche Möglichkeiten der Verbraucher hat, den Ausstieg aus Atom und Kohle zu beschleunigen. Wir gehen stufenweise vor.

Stufe 1: Sparen
Das Stromsparen ist die einfachste Form des privaten Atomausstiegs und eine der effektivsten. Weil der Strom aus erneuerbaren Quellen vorrangig ins Netz eingespeist wird, ist jede eingesparte Kilowattstunde gleichbedeutend mit einer Kilowattstunde weniger Strom aus Atom- oder Kohlekraftwerken. Schöner Nebeneffekt: Der Kohlendioxidausstoß sinkt.

Stufe 2: Ökostrom-Tarif
Die Stromanbieter überflügeln sich zurzeit mit Ökostrom-Angeboten. Auch die Stadtwerke Osnabrück haben eine Woche nach der Fukushima-Katastrophe einen zusätzlichen Öko-Tarif auf den Markt gebracht: Easy-Klima pur. Die Stadtwerke kaufen Strom vomösterreichischen Wasserkraftwerk Ybbs an der Donau ein. Der Preis liegt pro Kilowattstunde um 0, 2 Cent über dem des konventionell erzeugten Stroms. Das Wasserkraftwerk speist den Strom im Tagesverlauf nach dem typischen Verbrauchsschema ein: morgens und abends weniger, das meiste in den Mittagsstunden. Damit geben die Stadtwerke eine gewisse Gewähr, dass der Ökostromkunde im Moment des Verbrauchs grünen Strom erhält. Das Ganze ist nur ein Rechenspiel. Was in Osnabrück aus der Ökosteckdose kommt, ist physikalisch nicht der Wasserstrom aus Österreich.
Die Österreicher holen sich den Strom, den sie an die Stadtwerke Osnabrück gegen 0, 2 Cent Aufpreis verkaufen, aus anderen Quellen billiger zurück. Das können zum Beispiel die Atomkraftwerke in Frankreich und Tschechien sein. Der Bezug des Wasserstroms erhöht also nicht den Anteil des grünen Stroms, und der Anreiz, zusätzlich in erneuerbare Energien zu investieren, ist relativ gering.
Warum haben die Stadtwerke diesen Tarif dennoch geschaffen? Weil der Verbraucher damit ein persönliches Signal setzen kann, dass man die Energiewende will″, sagt der Vertriebschef der Stadtwerke, Klaus Siedhoff. Es sei wie eine Abstimmung mit der Stromrechnung. Anders gesagt: Für 70 Cent mehr im Monat hat der Kunde ein reines Gewissen und artikuliert eine energiepolitische Forderung.
Der städtische Finanzchef Horst Baier hat die Kosten für die Stadt berechnet. Würde Osnabrück (mit Eigenbetrieb Immobilien, Volkshochschule, Servicebetrieb und Ampeln) in den neuen Ökostromtarif wechseln, entstünden Mehrkosten von jährlich 29 333 Euro. Mit Straßenbeleuchtung, Klinikum, Stadtwerke, Osnabrückhalle und Parkgesellschaft (OPG) ergäben sich Mehrkosten von 94 575 Euro. Die Stadt habe 2010 einen günstigen Festpreis für 2011 und 2012″ abgeschlossen, so Baier. Ein Neuabschluss wäre unabhängig vom Ökostrom sehr viel teurer.
Stufe 3: Ökostrom-Tarif mit Extra-Cent
Wer den Ausbau der Erneuerbaren vorantreiben will, muss in sein Portemonnaie greifen: Beim Easy-Klima-Tarif (ohne den Zusatz pur) zahlt der Kunde einen Cent pro Kilowattstunde extra. Das Geld fließt in einen Fonds, aus dem regenerative Anlagen finanziert werden. Die Stadtwerke geben ihrerseits einen Cent dazu, bis zur Höchstgrenze von 25 000 Euro. Bislang nutzen nur etwa 400 Kunden diesen Tarif.
SPD und Grüne könnten diesem Modell für die Stadt etwas abgewinnen. Allerdings wäre es teuer: Nach den Berechnungen von Finanzchef Baier stiegen die Stromkosten um 173 000 oder, wenn alle Tochtergesellschaften mitmachten, um 407 000 Euro jährlich.
Eine weitere Alternative ist die Beteiligung an Fonds wie die Osnabrücker Klima-Anlage″. Der Fonds wurde 2010 von den Stadtwerken und einer Bank aufgelegt und garantiert eine hohe Verzinsung. Der Fonds war in kurzer Zeit überzeichnet.
Stufe 4: Aufbau einer eigenen Stromerzeugung
Ein Windrad im Garten, eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach, eine Beteiligung am Biomasse-Kraftwerk und Geothermie aus der Erde: Das wäre der effektivste Weg zum Atomausstieg. Die durch das Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) garantierte Einspeisevergütung hat diese Branchen boomen lassen. Allerdings verwandelt sich auch dieser grüne Strom in grauen. Denn kaum jemand nutzt den Strom aus seiner Fotovoltaikanlage im eigenen Haushalt. Er müsste pro Kilowattstunde mit Kosten von 28 Cent kalkulieren - wenig attraktiv im Vergleich zum herkömmlichen, grauen Strom für etwa 7 Cent. Wasserkraft kostet 12, 67 Cent, Windenergie 9, 2 und Biomasse 8, 2 Cent pro Kilowattstunde.
Stromerzeuger wie die Stadtwerke speisen deshalb ihren grünen Strom ins Netz und kassieren die Vergütung aus dem EEG-Gesetz. Auf dem Markt kaufen und verkaufen sie den Graustrom - die Mischung aus allen regenerativen, fossilen und atomaren Energiequellen. Durch das EEG stieg der Anteil erneuerbaren Stroms binnen zehn Jahren von drei auf 18 Prozent. Bis 21014 wird der Anteil auf 30 Prozent wachsen.
Allein in Osnabrück bringen die Stromverbraucher in diesem Jahr durch das EEG 30 Millionen Euro zur Förderung des grünen Stroms auf. Bundesweit sind es 15 Milliarden Euro. Für einen Osnabrücker Durchschnittshaushalt sind das 150 Euro pro Jahr. Die Stadtwerke investieren bis 2020 rund 180 Millionen Euro in Effizienzsteigerungen und grüne Energieerzeugung.
Autor:
Wilfried Hinrichs


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