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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
"Not-Mützen" kommen in die Jahre
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Einerseits war es die Knappheit an Geld, Zeit und Baumaterial, die den Westtürmen des Doms 1947 nach den Kriegszerstörungen vereinfachte Hauben bescherte. Andererseits gab es die Strömung in der Denkmalpflege, bei der Rekonstruktion historischer Bauwerke auf den Ursprungsentwurf zurückzugehen und modische Veränderungen zwischenzeitlicher Baustile zu ignorieren.
Aber wie will man bei einem mehr als tausendjährigen Bauwerk wie dem Dom, an dem fast jede Generation von Dombaumeistern mehr oder weniger einschneidende Veränderungen vorgenommen hatte, einen Urzustand definieren? Geht nicht. Da war es verständlich, dass gerade die älteren Osnabrücker sich zu Wort meldeten, die " ihren" Dom noch aus der Vorkriegszeit mit barocken Turmhelmen kannten und ihn so wiederhaben wollten. Unter Federführung des Heimatbundes Osnabrücker Land (HBOL) setzten sie sich in den 1980er-Jahren für eine Neugestaltung der Turmhelme nach dem Stand von 1772 ein. Damals, im Spätbarock, erhielt der dickere Südturm zur 1000-Jahr-Feier des Doms eine prächtige barocke Haube, die den Renaissance-Helm des schlankeren Nordturms deutlichüberragte.
Der HBOL-Vorsitzende Kaspar Müller wollte die " Not-Mützen" von 1947 unbedingt weghaben. Er hatte wohl auch das Beispiel der Mariengemeinde vor Augen, die zwar elf Jahre länger als die Domgemeinde auf ihren Turmhelm warten musste, es in einem Kraftakt der Bürgerbeteiligung - mit Ausgabe von Spenden-" Bausteinen" - aber dann 1958 geschafft hatte, dem St.-Marien-Turm seine Barock-Gestalt wiederzugeben. Die HBOL-Aktion war von keinem vergleichbaren Erfolg bekrönt, wie man heute sieht. Es kam bei Weitem nicht genug Geld zusammen, und, was vielleicht noch wichtiger war, der Bischöfliche Stuhl stand der Initiative von Anfang an skeptisch gegenüber.
Nun haben die pyramidenförmigen " Not-Mützen" auch schon ein Alter von 64 Jahren erreicht, das zwar noch nicht an die Standzeit der barocken Vorgänger von 1772 bis 1944 heranreicht, aber längst sind sie zu einem prägenden Bestandteil der Silhouette Osnabrücks geworden, genau wie die Ungleichheit der beiden Türme. Die besteht seit 1543. Damals wurde der südliche der romanischen Zwillingstürme abgerissen und durch einen doppelt so breiten und tiefen Turm im spätgotischen Baustil ersetzt. Das massivere Bauwerk war erforderlich geworden, um Gewicht und Schwingungen eines neuen, größeren Glockengeläuts aufnehmen zu können. So erklärt es jedenfalls der eine oder andere Stadtführer. Friederike Dorner vom Diözesanmuseum hält die Faktenlage dazu jedoch nicht für gesichert. Sie wagt eine andere Hypothese: Nachdem der Dom die Türme von St. Katharinen und St. Marien an Höhe nicht übertreffen konnte, sollte er als Mutterkirche des Bistums wenigstens an Masse die Nase vorn haben.
Aus jüngerer Zeit sind die Annex-Bauten rechts am Dom. Bischof Dr. Bernhard Höting ließ sie gegen Ende des 19. Jahrhunderts im neoromanischen Stil für Diözesanmuseum und Domschatzkammer errichten. Im Krieg brannten sie aus. Die Fassaden standen noch bis 1955. Dann wurde, was heute kaum verständlich erscheint, der mittlere Teil durch einen einfachen Standardbau ersetzt, der seit 2008, weiß verputzt, als " Forum am Dom" den neuen Zugang zum Diözesanmuseum bildet. Das klassizistische Eckgebäude rechts auf dem aktuellen Bild stand einmal an der Johannisstraße 19/ 20 und gehörte der Fabrikantenfamilie Hammersen. Nach dem Krieg musste es der Straßenverbreiterung weichen und wurde umgesetzt.

Bildtexte:

Nachkriegslösung für den Osnabrücker Dom hat Bestand
Dom und Domhof um 1900 zeigt diese handkolorierte Ansicht. Die West-Türme tragen noch Barockhauben, das Dach des Vierungsturms rechts daneben ist steiler und höher als die Nachkriegsversion.

Der heutige Domhof ist nach der Umgestaltung frei von parkenden Autos und insofern der historischen Ansicht ähnlicher geworden.

Fotos:

Ansichtskarte aus der Sammlung Helmut Riecken
Autor:
Joachim Dierks


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