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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
So kam der Kaffeeduftan die Hase
 
Ein Patriot darf keinen Koffee trinken
Zwischenüberschrift:
Dufte Bohne im Industriemuseum
 
Justus Möser führte in Osnabrück einen aussichtslosen Kampf gegen die schwarze Bohne
Artikel:
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Originaltext:
Werbung ist alles: Autor Harald Preuin und Ausstellungsmacherin Barbara Kahlert zeigen Schilder, mit denen Osnabrücker Röstereien früher ihren Kaffee angepriesen haben. Foto: Michael Hehmann
Osnabrück. 160 Liter Kaffee trinkt jeder Deutsche pro Kopf und Jahr. Das sind etwa vier Tassen täglich, sofern man das überhaupt noch so rechnen kann. Denn die " gute Tasse Kaffee" wird immer mehr von Espresso, Latte macchiato, Café au Lait und anderen Spezialitäten abgelöst. Am Sonntag startet im Museum Industriekultur eine Ausstellung über die " Dufte Bohne" und wie sie nach Osnabrück kam.
Von Marie-Luise Braun - Das Buch " Die Mischung macht' s" brachte alles ins Rollen. In ihm stellt der Journalist Harald Preuin Osnabrücker Kaffeeröstereien vor. Das Thema reizte die Mitarbeiter des Museums Industriekultur, und Barbara Kahlert machte sich ans Werk.
Die Ausstellungsmacherin recherchierte zur Geschichte der braunen Bohne, zum Anbau des Kaffeebaums und zur Kolonialzeit. Sie trug zusammen, wie der Kaffee nach Europa kam und wie er hier weiter verarbeitet wurde. Und Kahlert sprach mit Unternehmern, die in Osnabrück Röstereien betrieben haben. " Das Thema ist ein Fass ohne Boden", sagt sie im ersten Stock des Haseschacht-Gebäudes und deutet auf Stiche aus dem 18. Jahrhundert, auf Kaffeezubereiter, auf Röstmaschinen aus den 1950er-Jahren, auf Werbeplakate und Porzellan.
Auf luftige Stoffbahnen projizierte Bilder von Kaffeepflanzen geleiten die Besucher hinein in die Welt des Kaffees. Wie und wann seine Wirkung und die Zubereitung als Getränk entdeckt wurden, ist nicht überliefert. Im 9. Jahrhundert wurde Kaffee in der Region Kaffa im afrikanischen Äthiopien erwähnt. Später gelangte er nach Arabien, das im 14. Jahrhundert ein Monopol für den Handel mit der Bohne hatte.
Hirten sollen es gewesen sein, die an ihren Ziegen die aufputschende Wirkung des Kaffees entdeckten. In der Ausstellung findet sich eine ähnliche Geschichte über Kamele. Barbara Kahlert erzählt vom arabischen Sufi-Orden und den sich drehenden Derwischen, die die belebende Wirkung nutzten.
Über den Anbau des Kaffees in ihren Kolonien sicherten sich im 17. Jahrhundert Holländer eine zentrale Stellung im Kaffeehandel. In Deutschland wurde der erste Kaffee 1673 in Bremen ausgeschenkt. Hier, in Hamburg und Leipzig standen Kaffeehäuser. " In Deutschland setzte sich aber nie eine Kaffeehauskultur durch", sagt Kahlert vor kostbarem Porzellan, in dem das Getränk seinem Ansehen angemessen ausgeschenkt wurde.
Erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich aus dem Edelgebräu für Adelige und Bürger ein Volksgetränk. Kaffee wurde so wichtig, dass die teure Bohne in Notzeiten durch einen preiswerten Getreidekaffee ersetzt wurde - den Muckefuck. Der wurde oft auch in der Woche getrunken, den teuren Bohnenkaffee leisteten sich viele nur sonntags. Lange kauften sie ihn als grüne Bohnen, die sie selbst über dem Feuer rösteten.
Erst später wurde Kaffee geröstet verkauft. In seinem Buch nennt Harald Preuin 19 Osnabrücker Unternehmen, die ab dem Ende des 19. Jahrhunderts am Breiten Gang, an der Martinistraße oder in der Heger Straße die Bohnen rösteten und mit diesem ganz speziellen Duft auf sich aufmerksam machten.
Der Kaufmann Richard Pott eröffnete 1924 sein Geschäft am Kollegienwall, in den 30ern zog er in die Martinistraße um. Von Anfang an gehörten Hotels und Ausflugslokale zu seinen Kunden, sein guter Ruf ging bis ins Münsterland. Als die Firma Anfang der 40er-Jahre zerbombt worden war, fand sie in der Villa Hammerschmidt am Goethering Platz - und stieg wegen der Kaffee-Knappheit kurzfristig auf Getreidekaffee um. Nach dem Krieg vergrößerte sich das Unternehmen stetig, bis zu Beginn der 1970er-Jahre ein harter Verdrängungswettbewerb begann. 1979 zeigte die Firma Darboven aus Hamburg Interesse an einer Zusammenarbeit. Für diese Kooperation produzierte Pott noch bis 1979 an der Hannoverschen Straße. 1981 schloss die Firma.
Wilhelm Graute gründete seine Großrösterei 1932 an der Martinistraße. " Graute Kaffee . . . der ist gut" steht auf dem Glasschild, das Preuin zum Schreiben seines Kaffee-Buches anregte. Als Kind hat der Osnabrücker seine Ferien in Oesede verbracht, wo seine Tante Bernhardine Heilker im Kolonialwarengeschäft Heilker Bohnenkaffee verkaufte. Im Angebot hatte sie ebenfalls Packungen von Linde, Kathreiner und B-G-Kaffee - als günstigen Kaffee-Ersatz. In Notzeiten wurde Kaffee aus Wegwarte oder Roggen gebraut.
Heute ist Bohnen-Kaffee nicht aus dem Alltag wegzudenken. In Deutschland ist er das beliebteste Getränk - vor Bier und Mineralwasser. Nach Erdöl ist er der wichtigste Exportrohstoff auf dem Weltmarkt. Mehr als 100 Millionen Menschen leben von der Herstellung und Verarbeitung der Kaffeekirsche. Die Preise sinken zurzeit - die Kleinbauern leiden darunter. Da soll fair gehandelter Kaffee Abhilfe schaffen - ein weiteres Thema in der Ausstellung am Piesberg.
Hier hängt auch ein Schild, das Harald Preuin von seinen Oeseder Verwandten erhalten hat, als sie das Geschäft aufgaben. Beleuchtet von einer Leuchtstoffröhre, hing es über dem Tresen, über den so manche Kaffeebohne ging.

Dufte Bohne
Die Ausstellung " Dufte Bohne. Vom Kaffeemachen in Osnabrück" wird am Sonntag, 10. April, 11 Uhr, eröffnet. Zu sehen ist sie bis zum 9. Oktober im Haseschachtgebäude des Museums Industriekultur am Fürstenauer Weg 171. Kooperationspartner ist das Aktionszentrum 3. Welt aus Osnabrück. In seinem Laden in der Bierstraße 29 wird der fair gehandelte Osnabrück-Kaffee verkauft.
Als Sponsor unterstützt die Firma Kaffee Partner die Ausstellung.

Ein Patriot darf keinen Koffee trinken
Justus Möser führte in Osnabrück einen aussichtslosen Kampf gegen die schwarze Bohne
Kaffeeschnüffler unterwegs: Friedrich der Große schickte entlassene Soldaten in die Haushalte, um verbotenen Kaffee aufzuspüren. Holzstich nach einem Gemälde von Louis Katzenstein
Kaffeeschnüffler unterwegs: Friedrich der Große schickte entlassene Soldaten in die Haushalte, um verbotenen Kaffee aufzuspüren. Holzstich nach einem Gemälde von Louis Katzenstein
Von Rainer Lahmann-Lammert - Osnabrück. Strom sparen, die Heizung runterdrehen, weniger Auto fahren: Wer andere zur Mäßigung bekehren will, hat schon verloren. Justus Möser scheiterte vor 250 Jahren mit seinem missionarischen Eifer, die Osnabrücker vom Kaffeetrinken abzubringen. Sosehr er auch predigte: Die schwarze Bohne war nicht aufzuhalten.
In der Zeit von Justus Möser (1720-1794) nahm der teure Kaffee die Hürde vom Adel zum Bürgertum, ja sogar noch weiter. Der Ueffelner Pastor Gildehaus schrieb 1767: " In unseren wollüstigen Tagen weiß der Bauer, allen strengen Gesetzen ohngeachtet, ebenso gut Koffee zu trinken als der vornehme Mann in der Stadt."
Als Staatsmann ärgerte es Justus Möser, dass sein armes Fürstbistum für den Import des teuren Genussmittels wertvolle Devisen aufwenden musste. Noch dazu, weil damit die Kaufkraft für das einheimische Bier verloren ging, das damals als Grundnahrungsmittel angesehen wurde.
Als Publizist verteufelte Möser das schwarze Getränk als Suchtmittel und scheute sich nicht, fragwürdige Argumente heranzuziehen. Kaffee stand damals noch im Ruf eines Wundermittels, das gegen Blähungen helfen, Leber und Galle stärken, das Blut reinigen und den Schlaf fördern sollte. Mit seinen Wöchentlichen Osnabrückischen Anzeigen warf Möser die Propagandamaschine gegen den Bohnentrank an. Seinen Lesern suggerierte er, dass der " nunmehr in ganz Deutschland als schädlich erkannte Koffee" Magenkrämpfe, Nierensteine und sogar " Hypokundrie" verursache.
In seinem Intelligenzblatt bot Möser Hilfe an und empfahl den geplagten Untertanen Kaffee von " Rocken" oder " Zigorien", um sich solcher Beschwernisse zu entledigen. Die Zichorie, auch als blaublütige Wegwarte bekannt, wurde wegen ihrer Wurzeln geerntet. In Stücke geschnitten, geröstet und gemahlen, dienten diese Wurzeln ebenso wie der Roggen als Kaffee-Ersatz.
Möser scheute sich nicht, den Genuss des heimischen Kaffee-Plagiats zur vaterländischen Pflicht hochzustilisieren. In einem Bericht über das Wirken eines lange zuvor verblichenen Vogts kam er zielstrebig zu seinem Lieblingsthema: " Er starb im 76. Jahres seines Alters am Schlage und würde unstreitig sein Leben höher gebracht haben, wenn zu seiner Zeit der Rockenkaffee bereits wäre eingeführt gewesen. Denn es ist gewiß, daß er ihn als Patriot getrunken und auch dieses Exempel seinem Kirchspiele gegeben haben würde."
Wohin es hingegen einen Menschen treibt, der nicht vom Kaffee ablassen kann, malte Möser 1770 am Beispiel einer vermutlich erfundenen Nachbarin aus: " Drei Gebäude vom Hofe hat sie in Kaffee verkochet und ist jetzt im Begriff, das rechte Wohnhaus abzubrechen; alle Mobilien als Pferde, Kühe, Schweine, Linnen und Wollen, Kessel und Töpfe sind verrauchet."
Ob es wirklich am Kaffee lag, wenn sich jemand in den Ruin wirtschaftete? Möser wollte das kleine Hochstift Osnabrück vor wirtschaftlichem Schaden bewahren. Damit stand er nicht allein. Das mächtigere Königreich Preußen hatte die gleichen Probleme, ging aber noch rigider vor.
Friedrich der Große erließ ein Staatsmonopol für das Kaffeerösten und schickte entlassene Soldaten in die Haushalte, um zu schnüffeln. Alles ohne Erfolg, wie auch Möser erkannte: " Die Erfahrung hat gewiesen, daß alle bisherigen Verordnungen und Anstalten einzelner Reichsstände gegen das Koffeetrinken wenig oder nichts gefruchtet haben."

Drei Dinge gehören zu einem guten Kaffee, erstens Kaffee, zweitens Kaffee, und drittens nochmals Kaffee.
(Alexandre Dumas)
Der Kaffee muss heiß wie die Hölle, schwarz wie der Teufel, rein wie ein Engel und süß wie die Liebe sein. (Charles-Maurice de Talleyrand)
Sollte dies Kaffee sein, bringen Sie mir bitte Tee. Sollte dies Tee sein, bringen Sie mir bitte Kaffee.
(Abraham Lincoln)
Die beste Methode, das Leben angenehm zu verbringen, ist, guten Kaffee zu trinken. Wenn man keinen haben kann, so soll man versuchen, so heiter und gelassen zu sein, als hätte man guten Kaffee getrunken.
(Jonathan Swift)

Der Kaffee muss so süß sein wie die Küsse eines Mädchens am ersten Tag, so heiß wie die Nächte in ihren Armen und so schwarz wie die Flüche der Mutter, wenn sie davon erfährt.
(Aus dem Arabischen)

Autor:
Marie-Luise Braun, Rainer Lahmann-Lammert


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