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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Oper vor dem Altar
Zwischenüberschrift:
St. Johann feiert 1000-jähriges Jubiläum und bringt Händels theatralisches Oratorium "Saul" in die Kirche
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. 1000 Jahre St. Johann, das ist schon ein Ereignis, das mit Pomp gefeiert werden will. Der Johannis-Chor führte nun Händels üppiges Oratorium " Saul" auf: ein raffiniertes Werk, das der Chor, das Barockorchester L' Arco" und die Solisten raffiniert darboten.
Immer wieder werden Händels Oratorien auf der Opernbühne gespielt. Sein " Saul" bildet da keine Ausnahme: Er wurde auch nicht in einer Kirche, sondern im Theater uraufgeführt. Freilich damals ohne Kostüme und auch nicht szenisch, ganz so, wie am Samstag in St. Johann. Alles steht und fällt dann mit den Solostimmen. Man vermutet, dass Händel selbst die Partie des David mit einem Tenor besetzen musste: als Notlösung, denn die ganze Partie muss dann eine Oktave tiefer gesungen werden. Gut möglich daher, dass der gute alte Händel über die Besetzung von St. Johann sehr glücklich gewesen wäre.
David selbst, der Altus Patrick van Goethem war offenbar stimmlich leicht angeschlagen, gestaltete die Partie aber lebendig, oft in auffällig dichtem Legato. Jede Gefühlsregung von Davids bestem Freund Jonathan war im Gesang des Tenors Andreas Post zu erkennen, und zwar mehr noch in den Rezitativen als in den Arien. Im letzten Teil schlüpfte der Tenor auch in die Rolle der Hexe von Endor, und mit bisher ungeahnter Kraft ließ er ihren Beschwörungsspruch durch die Kirche schallen. Etwas zweifelhaft schien allenfalls seine englische Aussprache. Mit klarer und sehr angenehmer Stimme verlieh Siri Thornhill der Partie von Sauls Tochter Michal, die später Davids Frau wird, sanfte und liebevolle Züge.
Der große Gegenspieler dieser drei ist natürlich König Saul, hier dank der kräftigen Bassstimme Albrecht Pöhls eine imposante Erscheinung. Sehr wuchtig wirkten vor allem seine Wut arien, geerdet und massiv. Immer wieder brauste in seinen Rezitativen das Cembalo wild auf, um diesen Eindruck noch zu unterstützen. Die instrumentalen Partien wurden von einer großen Continuogruppe und dem Barockorchester L' Arco aus Hannover übernommen. Angeraute Streicherklänge, typisch für die historische Aufführungspraxis, und eine sehr starke Bassgruppe prägten den Klang im Tutti, der in den instrumentalen Zwischensätzen voll zur Geltung kam. An einigen Stellen waren jedoch die Bassinstrumente zur Begleitung der Singstimmen etwas stark. Ausgerechnet Trompeten und Posaunen blieben dagegen meist eher dezent. Ihren großen Auftritt bekam die Bassposaune in der Szene mit dem Geist Samuels, wo sie der Continuogruppe die unheimliche Stimmung zu untermalen half.
Nicht zu vergessen ist die Rolle des Chores, der im " Saul" meist kommentierend auftritt. Immer wieder müssen sehr lange Pausen abgewartet werden. Der Johannis-Chor lieferte diese Einwürfe stets sehr präsent, knackig und genau auf den Punkt. Das gesamte Ensemble musizierte unter der wachen Leitung von Christian Joppich so lebhaft wie abwechslungsreich.
In der Rolle der Merab blieb die Sopranistin Gabriele Hierdeis zunächst noch etwas blass. Spätestens mit der sanften Gestaltung der Arie " Author of peace" ließ sie diese ersten Eindrücke jedoch vergessen. Verschiedene, nur sehr kleine Partien interpretierte der Bass Raimonds Spogis souverän, hatte aber leider kaum Gelegenheit, sich wirklich zu profilieren.

Bildtext:

Stellt sich Händels Herausforderungen mit Bravour: der Johannis-Chor unter der Leitung von Christian Joppich.

Foto:

Thomas Osterfeld
Autor:
Jan Kampmeier


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