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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Tischler eröffnete Kneipe für Arbeiter
Zwischenüberschrift:
Wie die Gaststätte Hüggelmeyer zum VfL-Lokal wurde und zum zweiten "g" kam
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Für lila-weiß gefärbte VfL-Fans ist es undenkbar. Aber es gab eine Zeit, da hatte Hüggelmeyer nichts mit dem VfL am Hut. Keine " dritte Halbzeit" am Tresen, kein Kräuterlikör für eins fünfzig als " Siegertrunk" auch nach Heimniederlagen. Das historische Foto stammt aus einer Zeit, als es die Eisenbahnbrücke der Strecke nach Bremen zwar schon gab, aber noch keinen VfL und noch kein Stadion.
Der Vater des legendären Vereinswirts Heinrich " Heini" Hüggelmeyer (1905- 1992) hieß ebenfalls Heinrich, schrieb seinen Nachnamen aber nur mit einem " g", wie an der schräg gestellten Reklameschrift " Schenkwirtschaft H. Hügelmeyer" zwischen den Fenstern des ersten Obergeschosses abzulesen ist. Er war Tischler von Beruf. Die zunehmende Industriearbeiterschaft, die zu Schichtende durstig an seinem Haus vorbeizog, brachte ihn 1878 wohl auf die Idee, eine Kneipe aufzumachen. Das Bahn-Ausbesserungswerk lag nur einen Steinwurf entfernt am damaligen Kanonenweg, der heutigen Oststraße, und das Stahlwerk gleich hinter der Hase boomte nach dem gewonnenen deutsch-französischen Krieg 1870/ 71.
Der VfL ist 21 Jahre jünger als die Gaststätte Hügelmeyer. Bei seiner Gründung am 17. April 1899 hieß er aber noch gar nicht so, sondern nannte sich FC 1899 Osnabrück. Gespielt wurde auf dem Klushügel, am Barenteich in Eversburg, an der Blumenhalle oder später in der Gartlage. Die Platzverhältnisse waren aus heutiger Sicht unvorstellbar primitiv. Erst 1896 war in den Jenaer Regeln festgelegt worden, dass auf Fußball-Spielfeldern keine Bäume und Sträucher wachsen dürfen.
Da war es schon ein großer Fortschritt, als im Jahr 1931 auf Initiative Heini Hüggelmeyers an der Bremer Brücke nach Architektenplan und mit Drainage unter dem Spielfeld ein Fußballstadion angelegt wurde. Aber auch noch nicht vom oder für den " Verein für Leibesübungen", sondern von den " Rapid-Rebellen", ehemaligen VfL-Spielern um Torjäger Hüggelmeyer, die sich 1925 im Streit von ihrem alten Verein losgesagt und einen eigenen Verein, den SC Rapid, gegründet hatten. Ihre Farben waren Lila-Weiß. 1938 schlossen sich Rapid und der VfL dann zusammen. Der VfL setzte den Namen, Rapid die Farben durch. Erst seit 1939 kann man von der " Kampfbahn" an der Bremer Brücke als " dem VfL-Stadion" sprechen.
Auf der historischen Ansichtskarte liegt der Eingang zur Gastwirtschaft Hügelmeyer noch in der Mittelachse der Giebelseite des Gebäudes. Erst in den 1920er-Jahren wurde das Lokal zu einer " Eckkneipe", wanderte der Eingang an die Ecke zur Oststraße. Im Zweiten Weltkrieg teilte das Haus Bremer Straße 4 das Schicksal vieler Häuser in der Nähe von Industrie- und Bahnanlagen: Es wurde bis auf die Grundmauern zerbombt. Heini Hüggelmeyer hatte das Glück, früh aus englischer Kriegsgefangenschaft entlassen zu werden. 1949 wurde die Gaststätte in einem eingeschossigen Notbau mit Flachdach wiedereröffnet. 1968/ 69 erfolgte dann der Neubau in heutiger Gestalt. Nach dem Tod Heini Hüggelmeyers 1992 verkaufte seine Tochter Bärbel Kettler das Haus an den Gastronomen Heinz Wiechers. Der derzeitige Pächter Paul Hammoor will sich im Mai zur Ruhe setzen. Wie es dann weitergeht, ist noch ungewiss. Die Mehrzahl der Mietwohnungen in den Obergeschossen steht leer, der Renovierungsstau ist offensichtlich.
Eine wichtige Frage ist noch offen: Wie kam Hüggelmeyer zu seinem heutigen zweiten " g"? " Das war ein Fehler des Standesbeamten, als meine Eltern in den Zwanzigerjahren heirateten", weiß Bärbel Kettler, " der hat sich einfach vertan."

Bildtext:

Die Gaststätte Hügelmeyer an der Bremer Straße, gegründet vom Vater des legendären VfL-Vereinswirts " Heini" Hüggelmeyer, auf einer Ansichtskarte aus der Sammlung Helmut Riecken. Damals schrieb man das Jahr 1892.
Autor:
Joachim Dierks


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