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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Spinner als Wunschberuf
Zwischenüberschrift:
März 1911: Heimatschutzbewegung für die Denkmalpflege gefordert
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Ein verhinderter Unfall brachte ein beträchtliches Geldgeschenk in das Haus von Lokführer Contze in Schinkel: Wachsam stoppte der Beamte rechtzeitig den Luxuszug Nr. 174, der sonst bei Wanne mit einem Bauzug zusammengestoßen wäre. Die Belohnung der Eisenbahndirektion Münster wurde Contze im März vor 100 Jahren mit viel Lob zuerkannt.
Zu ihrer Berufswahl nach der Konfirmation wurden 298 Knaben, die Schulabgänger der evangelischen Bürger- und Volksschule, befragt. Kaufmann, Schlosser, Lehrer, Tischler, Schreiber und Postbeamter standen ganz vorne auf der Wunschliste, aber auch Spinner und Weber, Kutscher und Matratzenmacher wurden genannt. 17 Bürgerschüler und 105 Jungen aus der Volksschule wählten einen Handwerksberuf aus. 26 Knaben wollten als Arbeiter in die Fabriken gehen, obwohl Handwerkskammer und Lehrer mahnten: Handwerker hätten später ein sicheres und besseres Auskommen als ungelernte Arbeiter.
Der Automobil-Droschkenverkehr sollte nun auch in Osnabrück beginnen. Die Firma Dürkopp aus Bielefeld hatte die Konzession bekommen und startete mit zwei " Automobil-Taxametern" im März 1911. Ein Wagen hatte seinen Platz am Hauptbahnhof und einer am Theater.
Eine breite Ölschicht bedeckte die Hase im Vorfrühling. " Es ist doch merkwürdig", schrieb der Lokalreporter des Osnabrücker Tageblattes " während in der Stadt jeder Tropfen Schmutz- und Kesselwasser ängstlich von der Hase ferngehalten wird, fließen oberhalb der Stadt die Öl- und Fettmengen so massenhaft in das Hasebett, dass Fische und das Wassergeflügel in ernste Gefahr geraten." Noch immer war die Eingemeindung der östlichen Stadtteile nicht geklärt und die Anbindung der Fabriken in Schinkel an die Kanalisation ein Politikum.
Den ganzen Sommer eisgekühlte Waren? Die Firma " Midgard" offerierte per Annonce Süßwasser-Block-Eis für Fabriken, Gaststätten und Privatnutzung. Von Februar bis August gab es das Eis per Schiff direkt aus Norwegen zu beziehen.
Einer Operettensängerin in Hamburg wurde dort polizeilich untersagt, Hosenröcke auf der Bühne zu tragen. Der Hosenrock sei für das Kabarett nicht geeignet, begründete die Polizeidirektion den Fall. Die Empörung schwappte bis nach Osnabrück, wo diese Nachricht an exponierter Stelle im Osnabrücker Tageblatt zu lesen war.
Nicht lange danach erfuhren die Kundinnen aus einer Anzeige der Firma Lomnitz auf der Großen Straße, dass Hosenröcke die " letzte Pariser Modeschöpfung" seien. Lomnitz fertigte dieselben im Maßatelier an, aber " in einer den deutschen Verhältnissen angepassten dezenten Ausführung". Im Atelier waren Hosenröcke bereits " zur zwanglosen, gefälligen Besichtigung" ausgestellt.
Das Alte erhalten
Regierungsbaumeister Dr. Jänecke hielt im Dürerbund einen viel besuchten Vortrag über Denkmalpflege. Er forderte eine Heimatschutzbewegung, denn im März 1911 standen abermals sechs Baugerüste vor alten Osnabrücker Gebäuden, die Neubauten weichen sollten. Zum Schutz der Denkmäler im Privatbesitz gab es noch keine gesetzliche Handhabe. Das Möserhaus am Markt hatte die Stadt im letzten Moment erworben, bevor es abgerissen werden sollte, aber nicht in jedem Fall habe die Kommune das Geld dafür, sagte Jänecke.
Der Fachmann befürchtete, dass es bald kaum noch alte Häuser gebe, wenn der Denkmalschutz nicht erweitert würde. " Nicht restaurieren, sondern konservieren", war Jäneckes Anliegen. Als Negativbeispiel nannte er das neben dem Haus Schwartze an der Krahnstraße aufgebaute Haus. Hier sei dem Architekten wohl nicht bewusst gewesen, dass er in einer historischen Stadt gebaut habe. Es müsse aber das Ziel sein, Alt-Osnabrück in seiner Schönheit zu erhalten. " Wir müssen das Alte zu Worte kommen lassen!", rief Jänicke den Anwesenden zu.

Bildtext:

Mit dem Ankauf hatte die Stadt 1911 das Möserhaus am Markt vor dem Abriss bewahrt.

Foto:

Foto: Archiv
Autor:
Christiana Keller


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