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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Grüner Lückenschluss auf Westerberg
Zwischenüberschrift:
Karmann-Villa: Neun exklusive Häuser und ein durchgehender Fußweg
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Die Entwürfe für ein städtebauliches Filetstück auf dem Westerberg gehen in die nächste Runde: Der Bebauungsplan für die Villa-Karmann-Fläche liegt öffentlich aus. Das Pikante: Die Bebauung ist in dieser Form nur möglich, weil geschützte Bäume gefällt wurden.
Die Nutzung des 1, 7 Hektar großen Areals bietet der Stadt die Chance, einen etwas anderen Lückenschluss zu verwirklichen: die durchgehende Grünverbindung zwischen Stadthaus/ Hotel Remarque und dem Botanischen Garten. Bislang sind der Park und die Villa, in der Firmenpatriarch Wilhelm Karmann bis zu seinem Tod im Jahr 1998 lebte, durch hohe Mauern und Zäune abgeschirmt. Auf einer 8600 Quadratmeter großen Baufläche sollen neun exklusive Einfamilienhäuser mit " großzügigen Grundstückszuschnitten", wie Stadtbaurat Wolfgang Griesert sagt, entstehen. Die restlichen 8400 Quadratmeter sollen als öffentliche Grünfläche ausgewiesen werden.
" Wir möchten Baumöglichkeiten von einer Grundstücksqualität schaffen, die wir innerstädtisch kaum noch haben", sagt Stadtrat Wolfgang Griesert. Für den entsprechenden Bebauungsplan ist die frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung angelaufen. Sie endet am 15. April.
Teile dieser Fläche liegen in einem Landschaftsschutzgebiet, sodass eine entsprechende Änderung notwendig wäre, erläutert der Leiter des Fachbereichs Städtebau, Franz Schürings. Gleichwohl sollen weitläufige Grünflächen erhalten bleiben. Der Bereich zwischen Wasserhochbehälter und geplanter Bebauung würde nach derzeitigen Überlegungen Landschaftsschutzgebiet bleiben.
Darüber hinaus haben die Planer ein weiteres Ziel im Visier: Der ursprüngliche Bebauungsplan, der für eine deutlich größere Fläche galt, soll aufgehoben werden. In dem neuen Plan würden stattdessen weitere Regelungen festgelegt, die etwa Bebauung und Baumbestand im Bereich der Strahlenklinik betreffen.
Um die Bäume auf dem Villa-Gelände hatte es im vergangenen Jahr Ärger gegeben. Der Investor ließ fünf Bäume fällen, die durch den Bebauungsplan geschützt waren. Es handelte sich um einen Bergahorn, eine Stieleiche, zwei Rotbuchen und eine Esche. Eine der Rotbuchen war zwischen 60 und 90 Jahre alt, die übrigen Bäume sollen ein ähnliches Alter gehabt haben.
Die Bäume standen der geplanten Bebauung im Wege. Die Stadt verhängte gegen den Investor ein Bußgeld - im unteren fünfstelligen Bereich, wie es heißt. Die Summe teilt die Verwaltung aus Gründen des Datenschutzes nicht mit. Nur so viel: Das Bußgeld ist inzwischen gezahlt worden. Der Investor muss Ersatzbäume pflanzen.
Im erweiterten Planungsgebiet liegt außerdem das Grundstück an der Ecke Lürmannstraße/ Gutenbergstraße, das ebenfalls im vergangenen Jahr durch das umstrittene Fällen einer Linde in die Schlagzeilen geraten war. Im Bebauungsplan soll festgelegt werden, dass hier nachgepflanzt werden muss.
Öffentliche Auslegung: Die Unterlagen für den Bebauungsplan Nr. 365 " Edinghäuser Straße/ Gutenbergstraße" sind bis 15. April im Fachbereich Städtebau (Dominikanerkloster, Hasemauer 1) und unter www.osna brueck.de einzusehen.

Bildtext:

Eine Grünfläche und neun Häuser mit laut Stadtbaurat Wolfgang Griesert " großzügigen Grundstückszuschnitten" sollen dort entstehen, wo früher die Karmann-Villa stand.

Foto:

Gert Westdörp

KOMMENTAR
Ungutes Gefühl

Die Umstände, die den Bebauungsplan für die Villa Karmann begleiten, erzeugen ein ungutes Gefühl. Es ist gleichgültig, ob der Investor Anfang 2010 die fünf geschützten Bäume absichtlich beseitigen ließ oder die Fällaktion ein großes Missverständnis war. Fakt ist: Wären die Bäume noch da, könnte der Investor die Häuser nicht in der geplanten Weise bauen. Der richtige Gang der Dinge wäre gewesen, beider Stadt eine Änderung des Bebauungsplanes zubeantragen. Gewiss, das wäre mit Unwägbarkeiten verbunden gewesen. Wer kann schon vorhersagen, wie die Politik entscheidet? Und Zeit wäre auch ins Land gegangen. Aber vielleicht hätte die Politik doch der wirtschaftlich optimalen Nutzung zugestimmt gegen Ersatzbepflanzung, versteht sich. Das alles muss den Investor nicht mehr kümmern. Es bleibt der Eindruck, dass jemand das Recht in die eigenen Hände nahm und vollendete Tatsachen schuf. Das Bußgeld, das zwischen 15 000 und 20 000 Euro liegen dürfte, lässt sich sicher über den Verkaufspreis aufschlagen.
Autor:
Henning Müller-Detert, Wilfried Hinrichs


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