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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Umweltpioniere starten mit Geld aus Osnabrück
Zwischenüberschrift:
Gute Ideen am laufenden Band: Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt wird 20 Jahre alt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Es ist so einfach wie genial: Von Fassaden und Hausdächern perlt Dreck einfach ab. Das Verfahren entwickelten der Botaniker Professor Wilhelm Barthlott und sein Team von der Universität Bonn. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt hat sie dabei gefördert und den Forscher 1999 mit dem Umweltpreis ausgezeichnet. Es ist eines der Projekte, das die DBU in den 20 Jahren ihres Bestehens unterstützt hat. Wie arbeitet sie eigentlich? Ein Blick hinter die Kulissen.

" Wir wollen das Risiko abfedern, eine Idee zu entwickeln"
Felix Gruber, Referent " Umweltpreis"

Von Marie-Luise Braun (Text) und Gert Westdörp (Fotos) - Ortstermin im Stiftungsgebäude am Fuße des Westerbergs. Beim Betreten des Büros von Felix Gruber fällt der Blick zunächst auf eine riesige Pinnwand voller Pläne, Fotos und Zettel mit Namen und Notizen. Der zweite Blick landet auf einem geschwungenen Schreibtisch mit Bergen von Akten, Broschüren und Mappen. Dahinter tippt der Referent, der zurzeit noch am meisten mit dem Stiftungsgeburtstag zu tun hat, am Computer.
Gruber organisiert die beiden Veranstaltungen zum Wiegenfest der DBU. Bei der einen, am 24. Mai in Berlin, ist Bundeskanzlerin Angela Merkel dabei. Im Sommer gibt es eine zweite Feier in Osnabrück, dem Sitz der weltweit größten Umwelt stiftung mit einem Kapital von 1, 81 Milliarden Euro.
Am 18. Juli 1990 wurde das Gesetz zu ihrer Errichtung erlassen. Doch die DBU nennt den 1. März 1991 als Gründungsdatum, den Tag, an dem die Geschäftsstelle ihre Arbeit aufgenommen hat. Damals gab es das markante Gebäude An der Bornau noch nicht, und Fritz Brickwedde, von Beginn an Generalsekretär der Stiftung, hatte sein Büro noch nicht in der Villa aus dem Jahre 1830 eingerichtet.
" Unser Start war provisorisch", sagt Brickwedde, der seine Arbeit zunächst zu Hause erledigte und mit den ersten Mitarbeitern später Platz im Ingenieurzentrum fand. " Schon am 22. April wurden dann im Kuratorium die ersten 16 Projekte mit einem Finanzvolumen von 43 Millionen Mark bewilligt - und entscheidungsreif vorbereitet werden musste das ja auch noch alles", erinnert sich Brickwedde. Damals half er vor allem, Umweltprojekte in den neuen Bundesländern anzuschieben.
Ziel der Stiftung ist es, modellhafte, umweltentlastende und innovative Projekte zu fördern. In ihrem Fokus stehen vor allem kleine und mittlere Unternehmen, aber auch Umweltbildungs- und Forschungseinrichtungen. Zudem unterstützt die DBU den Schutz von Kulturgütern, Lebensräumen und wild lebenden Arten. Sie fördert den Austausch von Menschen mit Umweltwissen und hat Stipendienprogramme für überdurchschnittlich gute Doktoranden aufgelegt (siehe Kasten).
Und die DBU vergibt jährlich einen Umweltpreis in Höhe von 500 000 Euro. Jedes Jahr findet die Feier in einem anderen Bundesland statt - jedes Mal wird sie seit elf Jahren von Felix Gruber organisiert, wie alle größeren Feste der DBU. Darunter alle zwei Jahre die " Woche der Umwelt" im Schloss Bellevue in Berlin oder der Bundeswettbewerb " Jugend forscht 2009" in Osnabrück.
Rund 70 Vorschläge für den Umweltpreis 2011 sind gerade eingegangen. " Nach dem Umweltpreis ist vor dem Umweltpreis", sagt Gruber mit Blick auf die jährliche Prozedur, bei der zunächst Vorschlagsberechtigte Ideen für Preisträger einreichen, die dann von Sachverständigen aus DBU und Forschung geprüft werden, bis eine Jury den oder die Preisträger wählt. Am letzten Wochenende im Oktober wird der Preis bei einem Fest übergeben - seit einigen Jahren übernimmt dies der jeweilige Bundespräsident.
Im vergangenen Jahr hat Michail Gorbatschow in Bremen einen Ehrenpreis für seine Verdienste im internationalen Umweltschutz erhalten. Im Oktober 1999 zeichnete die DBU Wilhelm Barthlott in Weimar für die Übertragung des Lotus-Effekts auf technische Oberflächen aus. Das Vorbild dafür stammt aus der Natur: Von den Blättern der indischen Lotus-Blume perlt Wasser ab und spült dabei Schmutz und Keime fort. Die Oberflächen sind nicht glatt, sondern durch mikroskopisch kleine Strukturen aufgeraut. Inzwischen wird dieser Effekt bei Fassadenfarben, Dachziegeln, Lacken und Folien angewendet - Barthlott kooperiert nun mit Unternehmen.
Und genau das ist das Ziel der Stiftung. Die Projekte sollen nach der Förderung ohne ihre Unterstützung weiterlaufen, die zumeist als 50: 50-Förderung angelegt ist. Das bedeutet: Die Antragsteller müssen für die Finanzierung einen Eigenanteil aufbringen. " Wir wollen das Risiko abfedern, eine Ideezu entwickeln", erläutert Gruber.
Ihre Arbeit gliedert die Stiftung in neun Förderbereiche. " Referat Umweltpreis" heißt der von Felix Gruber in der Abteilung Umweltkommunikation und Kulturgüterschutz. Hier gibt es Referate zur Umweltinformationsvermittlung oder zur Umweltbildung. Es gibt eine eigene Abteilung zur Verwaltung der DBU und die Abteilung " Umwelttechnik", die sich umweltfreundlichen Verfahren, Kreislaufführung oder Klimaschutz widmet. Die Abteilung " Umweltforschung und Naturschutz" umfasst Referate für Biotechnologie, Naturschutz oder Umweltchemie, das Fachgebiet von Maximilian Hempel.
Er nennt drei Wege, wie Projekte für die Förderung ausgewählt werden. Zum einen werden Projektskizzen von den Antragstellern eingereicht. Manche von ihnen sind dem Stiftungsmitarbeiter bereits bekannt, der sich in den neun Jahren seiner Stiftungsmitarbeit einen fundierten Blick in das Themenfeld erarbeitet hat. Dadurch kennt er Experten, mit denen er mögliche Fragen entwickeln kann, um anschließend dazu aufzufordern, Projektskizzen einzureichen. Oder aber die Stiftung schreibt ein Projekt aus, auf das sich mögliche Kooperationspartner bewerben können.
" Es folgt dann eine hausinterne Einschätzung", erläutert der Geologe das weitere Verfahren. Die Stiftung bittet externe Gutachter um ihre Einschätzung des Projekts, bevor der zuständige Referent - bei positiver Begutachtung - eine Zusammenfassung schreibt und sie dem Kuratorium der Stiftung zur Entscheidung vorlegt.
Während das Projekt läuft, zumeist sind es drei Jahre, wird laufend überprüft, wie es vorangeht. Zum einen über jährliche Berichte der Projektträger, zum anderen durch Besuche der Referenten. " Ich kenne jedes meiner Projekte vor Ort", betont Hempel. Zum Abschluss des Projekts erstellt der Projektträger einen Bericht, den die Umweltstiftung im Internet veröffentlicht. Hinzu kommen Präsentationen auf Konferenzen und Messen, Beiträge für Fachpublikationen und Zeitschriften. " Die Informationen sollen zugänglich sein. Wir möchten, dass sich die Projektergebnisse weiterverbreiten", sagt Hempel.
Als ein Beispiel der Förderung zeigt er einen Mikroreaktor, der so groß ist wie eine Scheckkarte. Er dient der Reaktion und damit Herstellung von Chemikalien. Durch die Miniaturisierung des Prozesses werden kleinere Mengen der Chemikalien benötigt und somit Abfälle vermieden.
Auch künftig will die DBU innovative Ideen im Umweltschutz fördern. " In Zukunft werden dabei noch verstärkt Themen wie Energieeffizienz und Ressourcenschonung eine immer wichtigere Rolle spielen", sagt Fritz Brickwedde. Um den Mittelstand zu unterstützen, gelte es, den vorsorgenden und produktintegrierten Umweltschutz voranzutreiben und Umweltpioniere in Unternehmen gezielt zu fördern. Mit dabei sind weiterhin die Tochterfirmen der DBU: das Zentrum für Umweltkommunikation (ZUK) mit seinem imposanten Veranstaltungsgebäude und die " Naturerbe GmbH", die die Artenvielfalt auf ehemaligen Militärflächen fördern will. Seit 2007 ist das eine weitere Herausforderung für die Stiftung.

Bildtext:

Klein und nützlich für den Umweltschutz ist der Mikroreaktor, den Maximilian Hempel in der Hand hält.

Fotos:

Gert Westdörp
Autor:
Marie-Luise Braun


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